Fallzahlen sinken wieder

Ein Jahr mit dem Coronavirus in München: 50.000 Infektionen, über 1000 Tote - Eine Übersicht

Unbekannte haben über die Lehne eines Stuhls in einem durch die Corona-Pandemie bedingt geschlossenen Restaurant eine gebrauchte Maske gehängt.
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Früher kannte man sie vor allem aus Nachrichtenbeiträgen aus chinesischen Großstädten, heute bestimmt sie den Alltag auch in Deutschland.

Seit über einem Jahr kämpft München mit der Corona-Pandemie. Der schlimmste Teil der zweiten Welle scheint vorbei zu sein. Doch nun machen Mutationen Sorgen.

  • Ein Blick in die Statistiken zeigt: Die zweite Corona-Welle verläuft wesentlich gefährlicher als die erste.
  • In München sind die Fall- und Opferzahlen ähnlich wie in anderen deutschen Großstädten.
  • Die Impfungen kommen schleppend voran. In Bayern laufen sie aber teilweise schneller als in anderen Bundesländern.

München – Erstmals seit Oktober fiel die Sieben-Tage-Inzidenz* in München am 4. Februar wieder unter die Marke von 50. Zwischenzeitlich lag sie bei über 300. Der Lockdown scheint in ganz Deutschland Früchte zu tragen. Doch mittlerweile sind auch über 1000 Menschen in der Landeshauptstadt an oder mit dem Coronavirus gestorben.

Angefangen hat alles am 1. Februar 2020: Der erste Münchner steckte sich mit Sars-Cov-2 an. Es war der achte Fall in Bayern und, wie auch der erste deutsche Covid-19-Patient, Mitarbeiter der Firma Webasto im Landkreis Starnberg. Ab März stiegen die Fallzahlen dann rasant. Am 2. März gab es in der Landeshauptstadt acht bestätigte Ansteckungen. Innerhalb eines Monats kletterte die Fallzahl auf 3295, am 1. Mai lag sie bei 5803.

Corona in München: Keine Europameisterschaft, kein Oktoberfest

Durch den Lockdown und das Ende der Erkältungssaison beruhigte sich die Situation dann in Sommermonaten. Zwischenzeitlich trat sogar eine zumindest gefühlte Normalität ein. Doch eine Europameisterschaft mit Spielen in der Allianz-Arena fand nicht statt. Sie wurde vorerst um ein Jahr verschoben. Auch das Oktoberfest wurde abgesagt. Bis Oktober stiegen die Neuinfektionen aber nur leicht. Die Sieben-Tage-Inzidenz bewegte sich lange Zeit unter der 50er-Marke.

Dann kam die zweite Welle. Mit dem Eintreffen der kühleren Monate explodierten auch die Ansteckungen mit dem Coronavirus in die Höhe. Am 15. Dezember wurden ganze 868 Neuinfektionen registriert. Der Höchst-Tageswert im Frühjahr lag noch bei 310 Fällen am 31. März. Von Ende Oktober bis Mitte Januar wurde diese Zahl fast täglich geknackt. Auch der Höchstwert der akut infizierten wurde am Ende des Jahres geknackt: Am 19. Dezember galten 8138 Menschen als infiziert. Aktuell sind es rund 1600.

Trauriger Höhepunkt: Das Coronavirus fordert in München 35 Todesopfer an einem Tag

Mittlerweile sind 1017 von 52.456 Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben (Stand 8. Februar). Auffällig dabei: Mehr als 95 Prozent der Todesopfer waren älter als 61 Jahre. Vor allem bei über 80-jährigen Menschen verläuft Covid-19 tödlicher. Fast 20 Prozent der Erkrankten aus dieser Altersgruppe überleben die Krankheit nicht. Bei unter 60-Jährigen dagegen liegt die Mortalität bei nicht einmal einem Prozent. Für jüngere Menschen ist Corona also keine Gefahr, richtig? Nein. Beispielsweise Erol Akbulut aus München, SPD-Stadtratskandidat bei der vergangenen Kommunalwahl, 44 Jahre alt und nicht vorerkrankt, musste zwei Wochen lang beatmet werden.

Der traurige Höhepunkt der Pandemie in München ist der 22. Januar. An jenem Freitag starben 35 Menschen an oder mit dem Coronavirus.

Coronavirus in München: Mehr jüngere Menschen stecken sich an

Die meisten Infektionen passieren in der Altersgruppe der 21- bis 60-Jährigen: über 35.000 Menschen steckten sich mit Sars-Cov-2 an. Jünger waren knapp 8000 Münchner. Bei den über 61-Jährigen gab es seit Pandemiebeginn rund 9000 Infektionen.

Auffällig bei der Geschlechterverteilung: Unter 60-Jahren stecken sich mehr Männer* an. Vor allem bei über 80-Jährigen sind mehr als doppelt so viele Frauen (ca. 2300) betroffen, als Männer (ca. 1100). Allerdings leben sowohl in München, als auch in Deutschland auch mehr Frauen in dieser Altersgruppe.

Corona-Pandemie in Deutschland: Vergleichbare Zahlen in München, Berlin und Hamburg

Im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten ist die Corona-Situation in München nicht auffällig anders. In Berlin gab es seit Frühjahr 2020 knapp 123.000 Infektionen und 2470 Todesfälle. In Hamburg, das mit 1,8 Millionen Einwohnern leicht größer ist als München (1,5 Mio.), gibt es zwar wenige Corona-Fälle (48.000). Allerdings verlief die Pandemie in der Hansestadt deutlich tödlicher: 1145 Menschen starben.

Nun ist der Endspurt der Pandemie erreicht. Zwar bereiten ansteckendere und tödlichere Mutationen des Coronavirus* weiterhin Probleme. Aber gleichzeitig haben auch schon die Impfungen* begonnen. Rund 21.800 Vakzine haben die städtischen Einsatzteams seit 27. Dezember in der Landeshauptstadt verimpft. Weitere 13.100 Impfdosen gab die Stadt an Münchner Kliniken ab, die ihr Personal selbst impfen.

Corona-Impfungen: Bayern führt bundesdeutsche Statistik an

Wirklich schnell wird die Bevölkerung allerdings nicht durchgeimpft. Rund 680.000 Münchner gehören zu einer der drei priorisierten Impfgruppen*. Höchste Priorität haben über 80-Jährige, Menschen in Pflegeheimen sowie Personal auf Intensivstationen, in Notaufnahmen und Rettungsdiensten.

Im bundesdeutschen Vergleich steht der Freistaat Bayern dennoch relativ gut da. 2,9 Prozent der Bevölkerung hat laut Robert-Koch-Institut die erste Impfung erhalten. Spitzenreiter ist hier Mecklenburg-Vorpommern mit 3,8 Prozent, Niedersachsen kommt auf 2,2 Prozent. Dafür haben in Bayern 1,5 Prozent der Bevölkerung auch schon die zweite Dosis abgereicht bekommen. Ein Spitzenwert, den sich der Freistaat mit Saarland teilt. Es folgen Berlin und Hamburg mit je 1,4 Prozent. (ma) *tz.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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