Erste Schätzung veröffentlicht

Aufwändige Corona-Studie lässt vermuten: So viele Münchner haben sich schon infiziert, ohne es zu merken

Coronavirus in München: Dank einer neuen Studie wird es bald neue Zahlen zu den Infizierten in der Landeshauptstadt geben. Eine Frage aber bleibt ungeklärt.

München - Wie verbreitet ist das Coronavirus tatsächlich? Und wie viele Münchner sind infiziert? Über Wochen hinweg konnte man darüber nur rätseln – denn bekannt waren immer nur die offiziell gemeldeten Zahlen. Bis Dienstagmittag meldete die Landeshaupstadt insgesamt 6.491 nachgewiesene Corona-Fälle. Wie hoch aber die Dunkelziffer ist, darüber weiß man auch im Rathaus nicht Bescheid.

Noch nicht! Denn am Tropeninstitut des LMU-Klinikums läuft eine einzigartige Studie, die nun zumindest eine grobe Schätzung abgibt. Demnach könnten bis zu fünf Prozent der Münchner mit dem Virus infiziert worden sein, ohne dass sie Symptome gehabt haben.

Corona in München: Neue Studie soll die wahren Zahlen veröffentlichen

Der Name des Projekts: Prospektive COVID-19 Kohorte München (KoCo19). Seit Anfang April haben bislang 1.900 Haushalte an der Studie teilgenommen – bis Mitte Juni wird die Zahl noch auf 3.000 steigen. Die Zahl der Teilnehmer beträgt rund 6.000. 

tz-Redakteur Andreas Thieme zählte zu den Probanden der Studie.

Per Zufalls­prinzip wurden die Münchner Haushalte ausgewählt und von mobilen Studienteams zu Hause besucht. Sie nahmen Blut ab, um Antikörper bestimmen zu können. Wer diese aufweist, hat eine Corona-Infektion durchlaufen – ohne es zu wissen. Auch tz-Redakteur Andreas Thieme zählte zu den Probanden. Mit dieser Methode bestimmen die Wissenschaftler die Dunkelziffer. Die Ergebnisse der Studie werden weltweit mit Spannung erwartet.

„Im Augenblick untersuchen wir die Blutproben der Probanden. Da die Genauigkeit der Tests noch ungewiss ist, sind weitere Untersuchungen für jede einzelne Probe notwendig“, sagt Studienleiter Prof. Michael Hölscher. Vorläufige Ergebnisse will er noch nicht bekanntgeben, sagt aber: „Aktuell halten wir an unserer ursprünglichen Schätzung fest, dass die Infektionsrate im unteren einstelligen Prozentbereich liegt.“

Erfreulich hoch sei die Bereitschaft der Bevölkerung zur Teilnahme gewesen, die selbstverständlich freiwillig ist: Rund 80 Prozent der angefragten Münchner haben mitgemacht. Das Tropeninstitut freue sich über „eine sehr gute Beteiligungsquote, die eine gut repräsentative Stichprobe darstellen wird“.

Die Zwischenergebnisse sind ermutigend: Ein neues Mittel soll nun gegen das Coronavirus helfen. Experten von der Klinik Schwabing in München sind zuversichtlich.

Corona in München: So hoch ist die Dunkelziffer der Infizierten in der Landeshauptstadt

Die wahren Zahlen werden dank der Studie nun absehbarer. Geht man anhand der Schätzung des Tropeninstituts von einer Dunkelziffer aus, die bei fünf Prozent liegt, hieße das rechnerisch: Von 1,5 Millionen Münchnern waren schon 75.000 mit dem Coronavirus infiziert. Bei einem Prozent Dunkelziffer wären es 15.000 Betroffene. Zum Vergleich: Die offizielle Infektionsrate auf Grundlage der bestätigten Meldungen (6.491 Infizierte) liegt bei 0,44 Prozent. All diese Werte sind aber weit entfernt von der sogenannten Herdenimmunität. Denn viele Experten sagen: Erst wenn etwa 60 Prozent aller Bürger mit dem Virus infiziert waren, könnte eine Art Grund-Immunität erreicht sein – was stärkere Lockerungen ermöglichen würde.

Allerdings ist bei Corona noch nicht mal das sicher. Denn auch an der Frage, ob man automatisch immun gegen Corona ist, wenn man Antikörper hat, forschen die Wissenschaftler derzeit noch. 

Maßnahmen-Gegner haben eine riesige Demonstration auf der Theresienwiese angekündigt. Zehntausende sollen kommen. Jetzt haben die Münchner Behörden eine schwere Entscheidung zu treffen. 

thi

Die Stadt München hat eine Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen am Samstag auf der Theresienwiese erneut nur für 1.000 Teilnehmer und unter strikten Auflagen zugelassen.

Rubriklistenbild: © Sigi Jantz

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