Chaos wegen sich widersprechender Werte

Corona-Zahlen in München: Im Zickzack um die Notbremse, Verwirrung um gültigen Inzidenzwert

Nächstes Chaos um die Corona-Zahlen: Die Werte zwischen RKI und bayerischem Landesamt differierten am Sonntag enorm. Somit blieb am Sonntag unklar, ab wann in München wieder die Notbremse greift.

München pendelt beim Corona-Inzidenzwert* seit einigen Tagen rund um die 100er-Grenze. Das sorgt für zusätzliche Verwirrung bei den ohnehin schon komplizierten und ständig wechselnden Regeln. Im Alltag, im Einzelhandel und auch in den Schulen.

Corona in München: Inzidenzwert pendelt seit Tagen um 100er-Grenze

Am Samstag stieg die Inzidenz auf 102,5, am Sonntag sank der Wert laut RKI* wieder auf 94,4. Eine Zahl, die allerdings mit Vorsicht zu genießen sein dürfte. Denn das RKI wies nur einen einzigen neuen Fall aus, die Stadt München hingegen 279. Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) kam daher auf eine 7-Tage-Inzidenz von 116,4. Eine ähnliche Datenpanne hatte es bereits vergangenen Dienstag gegeben. Da hatte das RKI einen Inzidenzwert von 85,4 gemeldet, das LGL 91,2. Maßgeblich für die Umsetzung der Corona*-Regeln ist der offizielle RKI-Wert.

Notbremse Ja oder Nein? In München herrscht Unklarheit über die Regeln. Wenn an drei aufeinanderfolgenden Tagen die 100er-Inzidenzgrenze überschritten wird, ist Shoppen nur mit negativem Corona-Test möglich.

Von der Stadt hieß es am Sonntag, man werde mit den zuständigen Stellen am Montag klären, welche Konsequenzen das Datenproblem auf den Zeitpunkt einer Verschärfung der Corona-Regeln hat. Denn bei einer Überschreitung des Grenzwerts von 100 an drei aufeinanderfolgenden Tagen gilt die Notbremse. Die Zahlen des Landesamtes zugrundegelegt, wäre der dritte Tag also schon am Montag der Fall, gemäß dem RKI-Wert frühestens am Mittwoch. Inklusive eines Kulanztags hieße es dann am Freitag in München: Erst testen, dann shoppen! Einkaufen in Einzelhandelsgeschäften (Click & Meet) wäre bei einer Inzidenz über 100 nur noch mit Terminvereinbarung und negativem Corona-Test* möglich. Aktuell genügt ein Termin, ein negativer Test ist nicht notwendig.

Corona in München: Zutritt für Kunden nur mit offiziellem Dokument - falls die Notbremse nun gilt

Sollte in München also die Notbremse gelten, wäre gemäß den neuen Vorgaben des Freistaats der Zutritt für Kunden in ein Geschäft nur mit offiziellem Dokument einer Teststation oder mit einem Test im Laden vor Ort möglich. Laut einer gemeinsamen Mitteilung des bayerischen Wirtschafts- und Gesundheitsministeriums kann zum Beispiel unter „Aufsicht“ des Ladenbetreibers ein Selbsttest vorgenommen werden. Die Test-Vorschriften würden auch für Baumärkte, Gärtnereien, Blumenläden, Schuhgeschäfte und Buchhandlungen gelten. Der Handelsverband ist zutiefst verärgert und spricht von einem „enormen bürokratischen Aufwand“. Ausgenommen von der Testpflicht sind der Lebensmittelhandel, Drogerien, Optiker und sonstige „für die tägliche Versorgung unverzichtbaren Ladengeschäfte“.

Corona in München: Einzelhandel weist auf bestehende Testzentren in der City hin

Wolfgang Fischer, Geschäftsführer des Innenstadt-Einzelhandelsverbandes CityPartner München, weist darauf hin, dass es in der Altstadt bereits mehrere Testzentren gibt: unter anderem die Rathaus-Apotheke im ehemaligen Sport Münzinger, die Internationale Ludwigs-Apotheke (Neuhauser Straße 11), das Schnelltest-Zentrum im Hackerhaus (Sendlinger Straße), die Asam-Apotheke in der Sendlinger Straße, die Dr. Becker Apotheke in den Stachus-Passagen, das Schnelltest-Center im Herzog (Maxburgstraße 4), Test Now im Pacha Club (Maximiliansplatz), das Schnelltestzentrum an der Neuhauser Straße, die Teststation 21 Dx im Kaiserhof (Residenzstraße 1) und das Isarforum nähe Deutsches Museum. Fischer zufolge sind weitere Teststationen im Entstehen. „Die nötige Infrastruktur wächst.“

Bei einer mindestens dreitägigen Überschreitung des Schwellenwerts von 100 würde ferner wieder eine Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr gelten. Treffen im Freien oder zu Hause wären nur mit den Angehörigen des eigenen Hausstands und einer weiteren Person erlaubt. Museen, Ausstellungen oder der Tierpark müssten erneut schließen..

Der Bund plant unterdessen eine neue, einheitliche Notbremse* ab einem Grenzwert von 100, womit nächste Woche wieder alles anders sein könnte. Willkommen im Wirrwarr der Corona-Regeln!

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Rubriklistenbild: © SIGI JANTZ

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