„Wenn einer um drei nach neun auf der Straße ist“

Corona in München: Kontrollen zum Fest? Herrmann mit deutlicher Ansage - Huml verkündet nächstes Novum

Polizisten kontrollieren im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages an der U-Bahnstation Odeonsplatz die Einhaltung der Maskenpflicht. Es ist die dritte bayernweite Aktion dieser Art, der bundesweite Aktionstag findet aber erstmalig statt.
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Polizisten kontrollieren in München die Maskenpflicht: Auch an Heiligabend zu späterer Stunde außerdem die Einhaltung der Ausgangssperre.

Die Corona-Pandemie begleitet München auch über die Feiertage. Die Zahl der Neuinfektionen stieg nun wieder deutlich an. Dafür lässt sich ein anderer positiver Trend ablesen.

  • Das Coronavirus begleitet München auch über Weihnachten.
  • Trotz etlicher Neuinfektionen sinkt der R-Wert nun unter die kritische Marke.
  • Eine große Antikörper-Studie in München zeigt nun wie viele Stadtbewohner bereits infiziert waren.
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 24. Dezember, 14.54 Uhr: Die Ausgangssperre macht auch an Heiligabend keine Pause, erklärt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dem Bayerischen Rundfunk. Wer sich nach 21 Uhr auf öffentlichem Grund aufhält, muss damit rechnen, von der Polizei aufgehalten zu werden.

Aber: „Es geht nicht darum, ob einer um drei nach neun noch auf der Straße ist“, verspricht Herrmann Fingerspitzengefühl, „aber wenn sich da in der Tat zu späterer Stunde noch Leute rumtreiben sollten oder gar versuchen sollten, noch irgendwelche öffentlichen Gelage zu veranstalten, wird die Polizei natürlich einschreiten.“

Auch von Haus zu Haus gehen und an die Tür klopfen werde die Polizei nicht, stellt Gewerkschaftschef Pyltik klar. Sollten Hinweise, etwa von Nachbarn eingehen, werde man die Wohnungen aber selbstverständlichen kontrollieren.

Derweil kündigt Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) kostenlose Schnelltests für den Heiligabend an. Für Angehörige von Pflegebedürftigen stehen 600.000 Tests zur Verfügung. „Gerade an den Weihnachtsfeiertagen brauchen viele Angehörige größtmögliche Sicherheit, nicht corona-infiziert zu sein“, erklärt Huml die Gemeinschaftsaktion des Ministeriums mit Hilfsorganisationen, „unser Ziel ist, dass diese Menschen gerade an Weihnachten während des Lockdowns von ihren Angehörigen besucht werden können.“

Corona in München: Wieder deutlich mehr Neuinfektionen - dennoch positiver Trend erkennbar

Update vom 24. Dezember, 14.40 Uhr: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in München ist wieder deutlich gestiegen. Für den Mittwoch meldet die Stadt 625 neue Ansteckungen. Darin enthalten sind 17 Nachmeldungen. Damit steigt diese Zahl wieder deutlich an, nachdem die Zahl der Neuinfektionen ab Sonntag wieder deutlich unter die Marke von 500 gefallen war. (Sonntag: 207, Montag: 257, Dienstag: 340). In der Vorwoche lag der Wert dagegen weit über diesem Wert.

Drei Menschen starben dem neuen Bericht nach innerhalb von 24 Stunden an dem Virus. Damit bleibt die Reproduktionszahl R knapp unter der kritischen Marke von 1 und beträgt 0,99. Die 7-Tage-Inzidenz beträgt demnach aktuell 227,3. Hier lässt sich eine fallende Tendenz als Trend ablesen, nachdem die 7-Tage-Inzidenz am Samstag die Marke von 300 erreicht hatte.

Erstmeldung vom 24. Dezember: München - Deutschland steckt auch über die Weihnachts-Tage im Lockdown. Experten warnen gerade wegen der anstehenden Familienfeiern vor einer weiteren Ausbreitung. Und schon am Morgen des 24. Dezember gibt es wenig erfreuliche Zahlen: Das RKI meldete deutschlandweit 32.195 Neuinfektionen und 802 Todesfälle binnen 24 Stunden. Deutschland verzeichnet damit quasi einen neuen Rekordwert an Neuinfektionen. Denn der bisherige Höchstwert (33.777 Neuinfektionen) aus der vergangenen Woche kam nur wegen knapp 3500 Nachmeldungen aus Baden-Württemberg zustande.

Corona in München: R-Wert sinkt unter kritische Marke

Auch in München kann man nicht von einer Beruhigung sprechen. Am Dienstag, 22. Dezember, vermeldete die Stadt 340 Neuinfektionen. Am Tag zuvor waren es noch 257 gewesen. Die 7-Tages-Inzidenz lag am Dienstag bei 236,6. Immerhin: Der R-Wert sank knapp unter die kritische Marke von 1 und lag bei 0,99. Damit steckt aktuell jeder Infizierte knapp einen anderen Menschen an.

Hoffnung auf Besserung macht nun der mittlerweile freigegebene Impfstoff. Wegen der geringen Menge, die in München ausgeliefert wurde, verzögert sich der große Impfstart zwar, dennoch gibt es nun Licht am Horizont.

Corona in München: Studie zeigt wie viele Münchner bereits infiziert waren

Interessante neue Erkenntnisse für München liefert nun eine großangelegte Antikörper-Studie der Uniklinik München. Demnach hatten sich bis November knapp 3,3, Prozent der Einwohner mit dem Coronavirus infiziert. Damit habe sich die Zahl derjenigen, die Antikörper gegen das Sars-CoV-2-Virus entwickelt haben, seit der ersten Welle fast verdoppelt, teilten die Forscher der Infektions- und Tropenmedizin der Uniklinik München mit. Es ist die erste große Studie bundesweit, die Ergebnisse über die Infektionszahlen in der zweiten Welle liefert.

Corona-Studie zeigt: Doppelt so viele Münchner waren bereits infiziert

Zu Beginn der neuen Testrunde waren bei den Gesundheitsbehörden rund 1,5 Prozent der Münchner als Corona-positiv registriert gewesen. Damit lag die tatsächliche Zahl der Infizierten etwa zweimal so hoch. In der ersten Runde hatte der Anteil der damals in der Studie nachgewiesenen Infektionen viermal höher gelegen als bekannt. Dass die Dunkelziffer nun geringer sei, zeige auch, dass sich die Teststrategie in Bayern bewähre, sagte Studienleiter Michael Hoelscher.

Die Wissenschaftler um Hoelscher hatten in einer ersten Runde der Untersuchung vom 5. April bis 10. Juni rund 5300 Menschen aus
repräsentativ ausgewählten Haushalten untersucht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten gut 1,7 Prozent der Menschen Antikörper entwickelt. Die Sterblichkeit der Infizierten in der ersten Runde lag nach einer neuen Berechnung bei 0,47 Prozent - und damit um ein Vielfaches über der von saisonalen Grippeinfektionen.

Waren die Forscher im Frühjahr noch persönlich in Teams in den Haushalten erschienen, um den Menschen Blut abzunehmen, schickten sie nun Anfang November den Testteilnehmern ein Kit zur Selbstblutabnahme per Fingerprick zu mit der Bitte, einige Blutstropfen auf ein Filterpapier zu tupfen und dieses per Post zurückzuschicken. Bis zum 9. Dezember gingen gut 4250 Blutproben ein. (rjs/dpa)

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