Bedrohliche Lage trotz Lockdown

Katastrophenschutz-Material an Münchens Kliniken: „Hoffentlich überbrücken bis Lockdown greift“

Ein Arzt in einem Patientenzimmer.
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Die Zahl der Corona-Neuinfektionen bleibt weiterhin auf hohem Niveau.

Noch gibt es in München genug Intensivbetten für die Corona-Patienten - doch die Lage in München ist kritisch. Ein Blick hinter die Kulissen auf den Covid-19-Stationen.

  • In der Corona-Krise verschärft sich die Lage in Münchens* Kliniken weiter.
  • Personalmangel ist aktuell das größte Problem für die Kämpfer an der Corona-Front.
  • Alle Entwicklungen in der Corona-Krise lesen Sie im aktuellen Ticker für München*.

München - Kurz vor Weihnachten verschärft sich die Lage in Münchens Kliniken weiter. Die größte Herausforderung für die Corona-Krisenmanager besteht nach wie vor im Personalmangel – vor allem im Pflegebereich. „Deshalb versuchen wir aktuell wieder, Pflegekräfte innerhalb der Landeshauptstadt auszutauschen“, berichteten die beiden Münchner Krankenhaus-Koordinatoren Dr. Viktoria Bogner-Flatz und Dr. Dominik Hinzmann gestern in einem tz-Gespräch.

Vor allem kleinere Krankenhäuser, die auf planbare Operationen spezialisiert sind, könnten Mitarbeiter zur Unterstützung in stark ausgelastete Notfallkliniken schicken. Gleichzeitig haben mehrere Kliniken neue Betten für Covid-19-Patienten in Betrieb genommen – sowohl auf zusätzlichen Normal- als auch auf Intensivstationen.

Corona in München: Ausstattung kommt aus zentralem Katastrophenschutzlager

Die erforderliche technische Ausstattung wurde nach tz-Informationen zum Teil aus einem zentralen Katastrophenschutzlager im Landkreis München in die Kliniken transportiert. Das Lager war während der ersten Corona-Welle im Frühjahr eingerichtet, damals allerdings noch nicht benötigt worden.

Der Hintergrund der erneut verstärkten Krisenmaßnahmen: Münchens Kliniken müssen weiterhin immer mehr Corona-Patienten aufnehmen. Die Münchner Krankenhaus-Koordinatoren stellen einen stetigen Anstieg sowohl auf den Normal- als auch auf den Intensivstationen fest. „Wir müssen jetzt die nächsten zehn bis 14 Tage überbrücken, bis der Lockdown greift und sich dann hoffentlich in einem deutlichen Rückgang der Infektionszahlen niederschlägt“, sagten Dr. Viktoria Bogner-Flatz und Dr. Dominik Hinzmann.

Die beiden Mediziner – als Ärztliche Krisenmanager für die Verteilung der Patienten auf die Münchner Kliniken verantwortlich – hatten im Kampf gegen die zweite SARS-CoV-2-Welle bereits am Sonntag, 13. Dezember, die höchste Krisenstufe in Kraft gesetzt. Sie ist in einer gemeinsamen Allgemeinverfügung des bayerischen Gesundheits- und des Innenministeriums verankert. Die dritte und höchste Stufe räumt den Krankenhaus-Koordinatoren weitreichende Befugnisse ein. So können sie Kliniken verpflichten, Betten für Corona- und Notfallpatienten freizuhalten – ähnlich wie dies bereits zu Beginn der Pandemie im Frühjahr der Fall war.

„Die Kliniken stellen in dieser kritischen Phase der Pandemie eine großartige Solidarität unter Beweis“

Zudem können Corona-Patienten, die nicht mehr zwingend stationär behandelt werden müssen, in andere Einrichtungen verlegt werden, beispielsweise in Reha-Kliniken oder Quarantäne-Hotels. Diese Regelung gilt beispielsweise dann, wenn Senioren, die nach einer Infektion zwar über den Berg, aber womöglich noch ansteckend sind, vorerst nicht in ihre Alten- und Pflegeheime zurückkehren können. Auch Verlegungen von Patienten aus Münchner Kliniken in angrenzende Landkreise sind theoretisch möglich.

„Die Münchner Kliniken stellen in dieser kritischen Phase der Pandemie eine großartige Solidarität unter Beweis“, lobten Bogner-Flatz und Hinzmann. „Trotz der angespannten Lage, die sämtliche Krankenhäuser und ihre Mitarbeiter vor enorme Herausforderungen stellt, bemühen sich alle Kollegen nach Kräften um pragmatische Lösungen.“ So werden beispielsweise Patienten ohne Corona-Infektion nach der Versorgung in der Notaufnahme der Notfallkliniken zur stationären Verlegung in andere Häuser weiterverlegt. „Solche Maßnahmen sind eine wertvolle Entlastung für die Notfallkliniken“, erläuterten Bogner-Flatz und Hinzmann. Auch ein Materialaustausch ist inzwischen angelaufen, um überall optimale Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen.

Coronavirus: Patientenversorgung in München noch nicht gefährdet

Vor diesem Hintergrund betonten die Ärztlichen Krisenmanager im tz-Gespräch erneut, dass die Patientenversorgung in München noch nicht gefährdet sei. „Die Gefahr, dass in München demnächst kein Intensivbett mehr zur Verfügung stehen könnte, ist nicht in Sicht. Wir haben ein leistungsstarkes Gesundheitssystem, das derzeit zwar stark belastet ist, aber trotzdem noch Kapazitäten schaffen kann.“

Hintergrund: Die Zahl der freien Intensivbetten ist laut Melderegistern zwar knapp. Aber es können – wie in den vergangenen Tagen geschehen – kurzfristig neue Stationen in Betrieb genommen werden.

Trotzdem müsse ein weiterer deutliche Anstieg der Corona-Zahlen unbedingt vermieden werden. „Eine Sieben-Tage-Inzidenz von weit über 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner ist viel zu hoch. Dieser alarmierende Wert muss dringend gedrückt werden“, sagten Bogner-Flatz und Hinzmann. Andreas Beez - *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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