Sonnenstrahlen für die Seele

„Hätten wir drinnen nie geschafft“: Münchner Veranstalter im Wetterglück - beliebtes Event soll verlängert werden

Besucher des Kulturstrands in München.
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Musik und Chillen am Kulturstrand: Oft stehen die Besucher am Westufer und auf dem Balkon an der Brücke Schlange, um ihre Füße in den Sand stecken zu können.

Sonne im Gesicht, dazu ein erfrischendes Getränk – und für einen kurzen Moment ist Corona in München vergessen. Wo vom derzeitigen Wonnewetter profitiert werden kann.

  • Trübsal blasen wegen der Corona-Krise? Das Wetter in München eröffnet derzeit einige Möglichkeiten.
  • Es gibt Veranstaltungen und Plätze, die aus den sommerlichen Temperaturen ihren Nutzen ziehen.
  • Wir sprachen mit den Betreibern und stellen Orte vor, die in dieser Zeit gut für die Seele sind.

München - Dieser Sommer scheint nie zu enden. Erst Kevin, dann Leiki und nun Manfred. Die Hochs geben sich die Klinke in die Hand und bescheren Deutschland einen Rekord-Monat. Es ist Mitte September und in München* steigt das Quecksilber regelmäßig auf über 25 Grad – und kommende Woche soll das Wohlfühlwetter weitergehen. Gerade in Corona-Zeiten ist das Wetter Balsam für die Seele – und für Freibad-Betreiber, Kulturschaffende oder Gastronomen auch gut für das schwächelnde Geschäft.

Veranstaltungen in München trotz Corona: Konzerte im Innenhof des Deutschen Museums

Kleinkunst-König Till Hofmann beispielsweise hatte zahlreiche Auftritte seines Lustspielhauses unter den freien Himmel in den Innenhof des Deutschen Museums verlegt. Es war als Notlösung gedacht – und entwickelte sich zu einer gefeierten Veranstaltungsreihe. Die Eulenspiegel Flying Concerts wurden von Mitte August bis zum 5. Oktober verlängert. „Das ist richtiges Eulenspiegel-Wetter derzeit“, sagt Hofmann. „In drei Monaten hatten wir um die 100 Veranstaltungen, die alle sehr gut besucht waren. Viele Künstler haben Zusatzkonzerte gegeben. „Wenn zu Thomas Bernhard 400 Leute kommen – das hätten wir drinnen nicht geschafft…“, erzählt der Kulturmanager. Die Erfahrung draußen sei so schön gewesen, dass er kommendes Jahr wieder Open Air spielen will. „Das Münchner Lebensgefühl wird durch ein Konzert in schöner Atmosphäre draußen noch einmal potenziert.“

Auch Benjamin David kann von der Spätsommersonne nicht genug bekommen. Der Veranstalter hat bei der Stadt angefragt, ob sein Kulturstrand an der Corneliusbrücke in die Verlängerung gehen darf. Die Antwort steht noch aus. Eigentlich soll am 26. September Schluss sein. „Seit den Sommerferien kommen dank des Wetters sogar wieder mehr Besucher – der Bedarf ist da.“ Fast jeden Tag stehen die Besucher am Westufer und auf dem Balkon an der Brücke Schlange – je 100 Gäste dürfen sich gleichzeitig dort aufhalten. David: „Klar, das ist nur ein Drittel der üblichen Besucherzahl, aber es hätte schlimmer kommen können.“

Wenn Gastronom Julian Hahn den Andrang im Giesinger Kulturcafé Gans woanders - genannt Hexenhäusl - sieht, dann dankt er dem Wettergott.

Und wenn Gastronom und Veranstalter Julian Hahn die Schlange vor seinem Giesinger Kulturcafé Gans woanders, auch Hexenhäusl genannt, sieht, dann dankt er dem Wettergott. „Das ist eine glückliche Fügung. Ein verregneter Spätsommer wäre eine Katastrophe gewesen, jetzt wo sich alles draußen abspielt.“ Dieser Altweibersommer sei sehr befreiend und zeige, dass es weitergehen kann, trotz Corona*. Auch wenn die Schlangen längst nicht bedeuten, dass Hahn großen Reibach macht. Mehr als 200 Leute dürfen nicht rein – und Konsumzwang gibt es hier nicht. „Immerhin: Dank des Wetters trinkt manch einer schon mal ein Feierabendbier mehr.“

Freibäder in München: Positive Bilanz trotz Corona - und längere Öffnungszeiten

In Münchens Freibädern startete die Saison Corona-bedingt verspätet und das Wetter spielte im Juni auch nicht so recht mit. Jetzt aber sieht die Bilanz ganz anders aus. „Es läuft sehr gut, wir sind regelmäßig ausreserviert“, berichtet Michael Silva von den Münchner Stadtwerken. Ursprünglich sollte nur das Schyrenbad bis Ende September geöffnet bleiben, dank Dauersonne sind nun auch Michaeli- und Prinzregentenbad in der Verlängerung. „Wir sind zuversichtlich, dass wir am Ende die 600.000 Besucher-Marke knacken.“ Das wäre über die Hälfte der sonst üblichen rund eine Million Besucher – und das trotz Besucher-Beschränkung.

Dieser herrliche Sommer-Endspurt, er ist heuer wichtiger denn je. Am vergangenen Samstag waren bei der Corona-Demo in München wesentlich mehr Menschen zugegen, als erwartet:

In München herrscht derweil Verwirrung um die „echten" Corona-Zahlen. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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