14-Jährige sitzt jetzt im Rollstuhl

Das lange Leiden mit Corona: Drei Betroffene aus dem Raum München - auch Junge mit dramatischen Folgen

Nach ihrem positiven Corona-Test am 1. November hatte Maria M. (Name geändert) zunächst gar keine Symptome. Mittlerweile sitzt die 14-Jährige aus dem Landkreis München im Rollstuhl.
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Nach ihrem positiven Corona-Test am 1. November hatte Maria M. (Name geändert) zunächst gar keine Symptome. Mittlerweile sitzt die 14-Jährige aus dem Landkreis München im Rollstuhl.

Corona hat die Welt im Griff - doch erst langsam lernen wir über die Langzeitfolgen des Virus. Drei Betroffene aus dem Raum München berichten von ihrem Leiden.

München - Seit knapp einem Jahr hält das Coronavirus die Welt in Atem. International erforschen Experten Sars-CoV-2. Und trotzdem gibt es ihnen noch viele Rätsel auf. So klagen manche Patienten noch Wochen oder gar Monate nach der überstandenen Covid*-19-Erkrankung über Müdigkeit, Gliederschmerzen und Atemprobleme.

„Nach derzeitigem Forschungsstand haben etwa zehn bis 15 Prozent der Infizierten auch nach über drei Monaten noch Symptome“, sagt Dr. Elham Khatamzas, Funktionsoberärztin für Infektiologie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität. Ansteckend seien die Patienten dann zwar nicht mehr, aber eben auch nicht wirklich gesund.

Das Problem dabei: Die Krankheit ist so neu, dass die Mediziner noch keine gesicherten Aussagen über Langzeitfolgen machen können. „Es gibt auch noch keine klare Definition, ab wann man von Langzeitfolgen spricht“, so Khatamzas. Die Infektiologin setzt auf Prävention: „Man sollte auf jeden Fall vermeiden, dass man sich ansteckt.“ Denn jeder könne von Spätfolgen betroffen sein – auch junge, gesunde Menschen, die einen eher milden Krankheitsverlauf hatten. Wie wenig vorhersehbar Corona-Spätfolgen sind, zeigen die Beispiele von drei Betroffenen.

Coronavirus: Ohne Rollstuhl läuft fast nichts

Nach ihrem positiven Corona-Test am 1. November hatte Maria M. (Name geändert) zunächst gar keine Symptome. Mittlerweile sitzt die 14-Jährige aus dem Landkreis München im Rollstuhl. „Ich kann kaum drei Meter laufen, dann breche ich zusammen“, sagt das Mädchen. Zum Spazierengehen hat ihre Mutter deshalb den Rollstuhl besorgt.

Nach dem Test-Ergebnis im November war erst alles in Ordnung, dann kamen über Nacht heftige Symptome. „Es hat sich angefühlt wie Messerstiche in meiner Lunge“, sagt die Schülerin. Dazu kamen Fieber, Übelkeit, Glieder- und Kopfschmerzen. Maria musste ins Krankenhaus. Gut einen Monat litt das Mädchen Höllenqualen. Nun geht es ihr zwar besser – doch sie leidet immer noch. „Ich kann mich kaum länger als fünf Minuten auf etwas konzentrieren“, erzählt sie. Ihre Lunge schmerze immer noch und sie könne schlecht schlafen. Marias Geruchs- und Geschmackssinn sind zurück – damit hatte sie während der Infektion nur zwei Tage lang Probleme.

Marias Mutter ist ratlos: „Ich habe keine Ahnung, warum es die Kleine so schlimm getroffen hat. Sie war eigentlich immer gesund.“ Teresa M. (Name geändert) geht inzwischen mit ihrer Tochter zur Physio- und Ozontherapie. „Sie macht Fortschritte – aber die Ärzte sagen, es kann noch Monate dauern, bis sie wieder fit ist.“

Geschmackssinn immer noch nicht ganz zurück

„Ich kann keine Schokolade mehr schmecken“, erzählt Uta Alexander aus Schwabing. Im Oktober hatte die 57-Jährige Corona. Die Krankheit schlug heftig zu – unter den Folgen leidet sie noch immer. „Ich bin sieben Wochen lang krank im Bett gelegen“, sagt sie. Zu ihren Symptomen zählten Husten, hohes Fieber, Halsschmerzen, Müdigkeit und der völlige Verlust ihres Geschmacks- und Geruchssinns. „Inzwischen sind die Sinne zu etwa 70 Prozent wieder da“, so die Künstlerin. Sauer schmecke sie, süß hingegen kaum. Hinzu komme die andauernde Erschöpfung.

Das sogenannte Fatigue- oder Ermüdungssyndrom kommt unter den bisher bekannten Corona-Spätfolgen am häufigsten vor. „Ich kann kaum die Treppe hinauf gehen. Beim Spazieren muss ich alle paar Meter eine Pause einlegen“, erzählt Alexander. Sie komme schnell aus der Puste, leide auch immer noch an Kurzatmigkeit. Konzentriert arbeiten? „Das geht höchstens zwei Stunden, dann kann ich auch nicht mehr sitzen“, erzählt die Frau, die außerdem an Diabetes Typ 2 leidet. Hinzu käme die psychische Belastung: „Ich mache mir irre Sorgen, schließlich weiß man immer noch so wenig über die Krankheit.“ Alexanders Mann hatte ebenfalls deutliche Corona-Symptome, die beiden Kinder blieben trotz Kontakt negativ.

Coronavirus: Seit zehn Monaten heftige Schmerzen

Bereits Anfang März 2020 wurde Tanja Meier aus Pfaffenhofen positiv auf Covid-19 getestet. Damals hatte es sie schlimm erwischt: hohes Fieber, Husten, Erbrechen, Hautausschlag, Kopfschmerzen. Ins Krankenhaus musste die 45-Jährige aber nicht. Meier erholte sich wieder – vorerst. „Viel schlimmer als die Infektion finde ich die Spätfolgen“, sagt die Friseurmeisterin. Auch jetzt – fast zehn Monate nach der akuten Erkrankung – geht es Meier immer noch schlecht. „Ich fühle mich total gerädert. Ich kann nicht gehen und gleichzeitig sprechen“, berichtet sie.

Doch das ist bei Weitem nicht alles. Manchmal könne sie immer noch nicht richtig riechen und schmecken, habe Konzentrationsprobleme und Migräne. „Die hatte ich vorher nie“, sagt sie. Zudem wurde bei Meier mittlerweile die Autoimmunkrankheit Hashimoto festgestellt und es besteht ein Verdacht auf Rheuma. „Kurz bevor ich mich mit Corona angesteckt habe, habe ich ein Blutbild machen lassen. Da war noch alles in Ordnung.“

Seit Meier 2014 Darmkrebs hatte, ließ sie sich regelmäßig untersuchen. Der Krebs sei ohne Folgeschäden geheilt. Ihr Hausarzt habe sie nicht als Risiko-Patientin eingestuft. „Ich versuche, stark zu bleiben. Ich habe den Krebs überwunden – da schaffe ich auch Corona. Trotzdem breche ich manchmal in Tränen aus.“ Sie fragt sich: „Werden die Symptome jemals aufhören?“

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