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Coronavirus: Sechs Münchner Lichtblicke in der Krise - filmreife Hilfsaktion und Lieferungen per Lastenrad

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Von: Christina Meyer, Sarah Brenner, Andreas Beez

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Ihr Café hat geschlossen, sie beliefert ihre Kunden fortan per Lastenrad: Stephanie Bjarnason.
Ihr Café hat geschlossen, sie beliefert ihre Kunden fortan per Lastenrad: Stephanie Bjarnason. © privat

Die Corona-Krise trifft München hart. Wir haben sechs Beispiele zusammengestellt, die eines gemeinsam haben: Positiv bleiben!

München - Jedes Ereignis, so furchtbar es auch ist, birgt neue Möglichkeiten – die Chance auf Veränderung. Schon jetzt zeigt sich: Die Corona-Krise lässt die Menschen wieder zusammenrücken und offenbart, was wirklich zählt im Leben. Mut machen auch diese Münchner und ihre Projekte.

Lichtblicke in der Corona-Krise: Heimat-Hymne

Statt Rock und Pop ertönt „Gott mir dir, du Land der Bayern“, dazu klatschen die Menschen aus den Fenstern: Der Radiosender Antenne Bayern sendet gerade täglich um 17 Uhr anstelle der Nachrichten ihre eigene Version der Bayernhymne – gesungen von Moderatorin Kathie Kleff: „Wir wollen Mut machen, damit wir als Freistaat diese besondere und sicherlich nicht leichte Zeit gemeinsam überstehen.“ Überhaupt verbindet Musik in diesen Zeiten: Immer wieder machen musikalische Flashmobs Mut – vor zwei Wochen erst wurden bundesweit (Hobby-)Musiker aufgerufen, um 18 Uhr Beethovens „Ode an die Freude“ von ihren Privatwohnungen aus zu spielen.

Lichtblicke in der Corona-Krise: Filmreife Hilfsaktion

Auch wenn die große Leinwand gerade schwarz bleibt, hat ein unbekannter Kino-Liebhaber seinen großen Auftritt: Er unterstützt das Filmtheater Sendlinger Tor, das coronabedingt gerade geschlossen bleibt, mit dem Kauf von 250 Kinogutscheinen. Die spendiert er an soziale Einrichtungen. „Eine tolle Geste, die Mut macht“, sagt Filmtheater-Chef Christoph Preßmar. Per E-Mail ging die Bestellung vor ein paar Tagen bei ihm ein – mit dem Zusatz, dass die Tickets an das Bogenhausener Krankenhaus, die Münchner Tafel und den Verein Dein München e.V. verschickt werden sollen. Bezahlt wurde sofort.

Lichtblicke in der Corona-Krise: Osterspiele am Fenster

„Es ist so schwer“, sagt Jasmin Manhardt, „schwerer als ich dachte“. Die Münchnerin hat ihre Mutter am Mittwoch das erste Mal nach sechs Wochen wieder gesehen. Eine Stunde lang ist Oma „Mimi“ im Auto gesessen, um ihre Tochter und deren zwei Kinder zu besuchen und ihnen ein Osternest vorbeizubringen. Aber: Um den Sicherheitsabstand zu wahren und ihren Mann, der daheim bleiben musste, zu schützen, gab es keine wärmende Umarmung im Wohnzimmer, sondern ein paar lustige Fingerspiele vorm Fenster. „Mein Sohn hat erst gar nicht verstanden, warum die Oma nicht reinkommt“, erzählt Manhardt rückblickend. Aber: „Nach ein, zwei Liedern, die meine Mutter draußen sang, waren die Tränen wieder getrocknet – und die Freude überwog.“

Lichtblicke in der Corona-Krise: Finanzspritze hilft

Ihr kleines Café Blá hat geschlossen, aber die Kosten laufen weiter. Stephanie Bjarnason (33) ist trotzdem voller Hoffnung, die Krise zu meistern. Schließlich hat Bjarnason bereits 7500 Euro Soforthilfe vom Freistaat bekommen. „Damit kann ich die Miete und die Gehälter der Angestellten bezahlen und meine privaten Kosten decken“, sagt die Halb-Isländerin, die das kleine Lokal in der Au betreibt. Bereits eine Woche nach Antragstellung landete das Geld auf ihrem Konto. Zusätzlich kann sie noch auf Soforthilfe vom Bund hoffen, insgesamt stehen ihr 15 000 Euro zu. Das Café Blá – so viel ist sicher – soll weiter bestehen. Deshalb beliefert Stephanie Bjarnason ihre Kunden jetzt per Lastenrad. Auf www.cafebla.de können Sie unter anderem feine Kaffeeröstungen und Schokolade bestellen – und sich die Zeit versüßen, bis das kleine Café wieder geöffnet hat.

Ihr Café hat geschlossen, sie beliefert ihre Kunden fortan per Lastenrad: Stephanie Bjarnason.
Ihr Café hat geschlossen, sie beliefert ihre Kunden fortan per Lastenrad: Stephanie Bjarnason. © privat

Lichtblicke in der Corona-Krise: Heilmittel lässt hoffen

Im Kampf gegen das Coronavirus forschen Wissenschaftler derzeit fieberhaft an neuen Medikamenten. Professor Dr. Clemens Wendtner, der zu Deutschlands führenden Corona-Experten zählt, setzt dabei weiterhin große Hoffnung auf ein Mittel namens Remdesivir. „Es zeigte bereits in präklinischen Studien eine gute Wirksamkeit“, sagte der Chefarzt der Infektiologie der München Klinik Schwabing am Donnerstagabend im heute journal des ZDF. Remdesivir wird derzeit in einer weltweiten Studie getestet. Daran teil nimmt in Deutschland neben der München Klinik auch das Uniklinikum rechts der Isar. Bei sogenannten individuellen Heilversuchen hat das Medikament bereits Symptome von schwer erkrankten Patienten lindern können.

Lichtblicke in der Corona-Krise: Geburtstagswünsche

Der Kindergeburtstag war bereits geplant – musste coronabedingt aber wieder abgeblasen werden. Trotzdem wollten Tom (6) und Peer (2) ihren Freunden, den Brüdern Theo und Felix, an ihrem Ehrentag eine kleine Freude machen: Die beiden hatten Ende März nur ein paar Tage auseinander sechsten und vierten Geburtstag. Mit Mama Hanna (41) spazierten sie deshalb zum Haus ihrer Freunde – und entrollten vor dem Fenster der Geburtstagskinder ein selbstgebasteltes Plakat mit Glückwünschen. „Die beiden haben uns so leidgetan“, sagt Mama Hanna. So kamen sie auf die Idee mit dem Plakat. Ein leuchtender Lichtblick in der Krise.

Christina Meyer, Sarah Brenner und Andreas Beez

Viele Menschen sind in Zeiten der Corona-Krise auf Hilfe angewiesen und viele wollen auch helfen. Jedoch wie kommen Bedürftige und Helfer zusammen? Wir haben die Antwort: Auf dieser interaktiven Landkarte finden Sie diejenigen die Ihre Unterstützung anbieten und können sich selbst als Helfer eintragen.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. Hier finden Sie alles über München und das Coronavirus: Bußgelder, Geschäfte, Probleme, Teststationen, Ausgangssperre

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