Auch vierte Intensivstation wird wohl zur Covid-Station

LMU-Klinik-Direktor warnt vor Überlastung: Arzt rechnet mit angespannter Situation an Weihnachten - „Bereiten uns darauf vor“

Regelmäßige Tests sollen für die Bewohner mehr Sicherheit bringen.
+
Coronavirus: Eine Bewohnerin eines Altenheims wird getestet.

Prof. Bernhard Zwißler ist Direktor der LMU-Klinik für Anästhesiologie. In unserem Interview spricht er über die Situation auf der Intensivstation und seinen persönlichen Weihnachtswunsch.

  • Das Gesundheitssystem ächzt unter der Corona*-Pandemie - auch in München*.
  • Alte Menschen sind besonders gefährdet, am Virus zu sterben. LMU-Klinik-Direktor Prof. Bernhard Zwißler bereitet sich auf anstrengende Weihnachtstage vor.
  • Er wünscht sich, danach nicht mehr „unter Katastrophenbedingungen“ arbeiten zu müssen.
  • Verfolgen Sie das Corona-Geschehen in München in unserem aktuellen News-Ticker*.
Über 950 neue Todesfälle gab es diese Woche an nur einem Tag – so viele wie noch nie in dieser Corona-Pandemie. Überrascht Sie diese Zahl?
Angesichts der insgesamt massiv angestiegenen Zahl an Infizierten in Deutschland: nein. In den letzten zehn Tagen hatten wir genauso viele Infizierte in Deutschland wie in der gesamten ersten Welle von Ende Februar bis 30. Juni. Auch wenn man berücksichtigt, dass in der ersten Welle weniger getestet wurde, zeigt das, wie massiv die Infektionszahlen angestiegen sind. Die Sterblichkeit hat glücklicherweise nicht im selben Ausmaß zugenommen: Der Prozentsatz der Verstorbenen an der Gesamtzahl der Infizierten liegt im Moment bei 1,7 Prozent, in der ersten Welle hatten wir eine Sterblichkeit von über vier Prozent.
Wie ist die derzeitige Situation auf der Intensivstation des LMU-Klinikums?
Sehr angespannt, wie überall in Deutschland. Alle Betten, für die wir Personal haben, sind belegt. Wir sind jetzt dabei, die dritte Intensivstation komplett in eine Covid-Intensivstation umzuwandeln. Für Weihnachten bereiten wir uns darauf vor, dass wir auch die vierte Intensivstation zur Covid-Station umwandeln müssen.
Normalerweise nehmen viele Klinik-Mitarbeiter über Weihnachten frei. Fällt das in diesem Jahr flach?
Man muss den Leuten auch mal freigeben, weil diese Belastung, zum Teil auch Überlastung, in den Kliniken in den nächsten zwei Monaten oder noch länger andauern wird. Aber wir bereiten uns darauf vor, im Notfall auch Personal zu rekrutieren, unter denen, die eigentlich frei haben sollten.

Coronavirus - LMU-Klinik-Direktor: „Auch die Therapien sind besser geworden“

Sind auch in München die meisten Patienten über 70?
In der ersten Welle bis 31. Juli wurden bei uns im Haus 209 Patienten stationär mit Covid behandelt. Seit dem 1. August bis jetzt sind es bereits über 400. Die Altersstatistiken sind weitgehend deckungsgleich: 38 Prozent der stationären Patienten waren über 70, jetzt sind es 42 Prozent.
Hat man also aus der ersten Welle für den Schutz Älterer nichts gelernt?
Ich denke schon, dass wir die Älteren inzwischen besser schützen. Auch die Therapien sind besser geworden. Aber da insgesamt die Infektionszahl so riesig ist, müssen auch so viele Ältere in die Krankenhäuser.
Was ist Ihr persönlicher Weihnachtswunsch?
Ich wünsche mir, dass wir nach diesen stillen Tagen weiterhin nicht unter Katastrophenbedingungen arbeiten müssen und dass wir jedem Patienten die individuell-optimale Behandlung gewährleisten können.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare