Kliniken, Handel und Gastro

München im Lockdown light - Die erste Bilanz: „Zufrieden ist was Anderes“

Corona in München: Ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Maskenpflicht - Cover your mouth and nose!“ steht auf dem Viktualienmarkt in der Innenstadt.
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Corona in München (Symbolfoto).

München ist im Lockdown light - seit einer Woche. Noch sind die aktuellen Corona-Fallzahlen extrem hoch. Eine erste Bilanz in den Münchner Kliniken, Gastronomie, Politik und Geschäften.

  • München ist im Lockdown light.
  • Die Maßnahmen sollen die Ausbreitung des Coronavirus bremsen.
  • Doch, wie sieht es nach einer Woche aus? Eine erste Bilanz im Bereich Medizin, Gastronomie, Politik und Handel.

München - Mit 603 neuen Fällen hat München am Freitag einen traurigen Corona-Rekord erreicht, am Samstag kamen 380 Neuinfektionen hinzu. Besorgniserregende Zahlen nach einer Woche Lockdown light. Müsste das Infektionsgeschehen nach der Verschärfung der Corona-Regeln nicht zurückgehen? Wie ist die Lage in den Krankenhäusern? Und wie kommen Handel und Gastronomie zurecht? Antworten auf diese Fragen gibt es im tz-Report:

2861 Corona-Patienten waren es in der gesamten Bundesrepublik am Sonntag, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Tendenz: steigend. Denn noch ist es zu früh, um eine Kehrtwende in der Entwicklung der zweiten Welle ausmachen zu können. Bis eine Coronavirus-Infektion bemerkt wird, dauert es in der Regel eine, eher zwei Wochen – weil sich Betroffenen oft erst dann testen lassen, wenn sie Symptome entwickelt haben. Weitere Zeit vergeht, bis klar ist, dass ein schwerer Krankheitsverlauf vorliegt und ärztliche Hilfe benötigt wird.

München im Corona-Lockdown light: Wie ist die Lage in den Krankenhäusern?

„In den Kliniken sehen wir heute das Infektionsgeschehen von vor drei bis vier Wochen“, sagt Dr. Axel Fischer, Geschäftsführer der München Kliniken. „Seit dieser Zeit steigen die Zahlen der Infizierten stark an – und wir erwarten, dass diese Entwicklung nun auch noch stärker in den Kliniken ankommen wird.“ Ende vergangener Woche wurden allein in den München Kliniken 71 Covid-19-Patienten behandelt, zwölf davon auf der Intensivstation. Die Fälle wurden lange Zeit zentriert in Schwabing im eigens dafür eingerichteten Haus 3 untergebracht. Jetzt kommen weitere Standorte hinzu. „Angesichts der aktuell stetig steigenden Zahlen sind wir sukzessive dabei, unsere Pandemiestationen wieder zu eröffnen“, erklärt Fischer. „Das bedeutet, dass an anderer Stelle Personal reduziert wird und für die Versorgung von Covid-19-Patienten zum Einsatz kommt.“

München im Lockdown light: So läuft es in der Gastronomie

Wenn man so will, ist die Gastronomie der Stadt nach einer Woche Lockdown light zweigeteilt: Es gibt die Lokale, bei denen das Außer-Haus-Geschäft nun wieder anläuft. Und die großen Wirtsstuben, die hauptsächlich von Touristen und Tagesausflüglern gelebt haben – und nun meist geschlossen sind.

„Letzteres trifft vor allem auf die Wirte in der Innenstadt zu“, sagt deren Sprecher Gregor Lemke vom Klosterwirt. Das heißt: Für diese Häuser kommt das To-Go-Geschäft kaum in Frage. „Davon profitieren mehr die kleinen Restaurants und Lokale.“ Etwa die typischen griechischen Restaurants, die in ihrem Stadtviertel beliebt sind und von ihren Stammkunden profitieren. Dazu gehört zum Beispiel das Poseidon an der Säbener Straße in Giesing. Wie schon im ersten Lockdown hat das Team um Wirt Dimitrios Tapas (37) den Betrieb darauf eingestellt, dass die Gäste die Speisen ausschließlich abholen. Richtig gut ist das Geschäft im Vergleich zum Frühjahr aber noch nicht angelaufen. Vielleicht, mutmaßt Tapas, braucht es noch Zeit. Geduldig müssen die Wirte auch mit Blick auf das Versprechen der Politik sein, was die Lockdown-Entschädigung entspricht. 75 Prozent vom Vorjahr sollen ausgezahlt werden. Aber es gibt laut Lemke viele offene Fragen. Etwa die, „ob damit der Brutto- oder Netto-Umsatz gemeint ist“.

Corona-Lockdown in München: Politik - Geduld ist gefragt

Dass ein Corona-Lockdown wenig Freude bei den Menschen auslöst, kann Dieter Reiter (62, SPD) nachvollziehen. „Meiner Wahrnehmung nach ist die Begeisterung der Münchner für die neuen, verschärften Maßnahmen verständlicherweise sehr überschaubar“, sagt der Oberbürgermeister. Die Beschränkungen würden schon bei vielen Menschen zu einem Gefühl der Ermüdung führen, was die Akzeptanz und damit die Einhaltung der Regeln betreffe.

„Trotzdem halten sich dankenswerter Weise die allermeisten Münchner immer noch an die Regeln zum Schutz von uns allen.“ Er hofft, dass der Lockdown light Ende November beendet werden kann, dass sich bis dahin eine „Reduzierung des Infektionsgeschehens“ erzielen lässt. Dass Geduld gefragt ist, betont auch Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD): „Es dauert immer mindestens eine, eher zwei Wochen, bis man die Wirkung der Maßnahmen ersehen kann.“ Von daher sei es jetzt noch zu früh, eine Perspektive zu geben. Vor allem auch, weil sich eine Befürchtung des Gesundheitsamtes zu bestätigten scheint – nämlich die, dass viele die Zeit vor dem Lockdown genutzt haben, um das Leben zu genießen. Das habe wohl zu steigenden Zahlen geführt. Allein Freitag wurden 603 neue Fälle bestätigt. „Wir gehen davon aus, dass damit der Höhepunkt der Infektionen aus der Zeit vor dem Lockdown erreicht wurde“, sagt Zurek.

Lockdown light in München - Profitiert jetzt der Handel?

Wenn Lokale, Fitnessstudios und Schwimmbäder geschlossen sind, bleibt den Menschen derzeit eines: Shopping! Könnte man jedenfalls meinen… Doch so einfach geht die Rechnung im Lockdown light nicht auf, wie Wolfgang Fischer sagt. Der Chef des Händlerverbunds City Partner zieht keine gute Bilanz.

„Zufrieden ist was Anderes“

Wolfgang Fischer, Chef des Händlerverbunds City Partner

„Zufrieden ist was Anderes“, sagt er offen. Die Läden in der Innenstadt hatten keine gute Woche: „Der Dienstag und Mittwoch waren katastrophal.“ Unterm Strich gebe es im Vergleich zum Vorjahr Umsatzeinbußen von bis zu 60 Prozent. Klar könnte es schlimmer kommen – und die meisten Geschäfte müssten, wie im Frühjahr, ganz schließen. So gesehen komme der Handel „mit einem hellblauen“ Auge davon. Aber: Die Stimmung für einen lockeren Shoppingbummel sei in diesen Zeiten nicht unbedingt gegeben. „Es braucht wohl noch ein bisschen“, hofft er.

Wie schwer es ist, in der Coronazeit zu bestehen, hat Chrissi Holzmann von Anfang an erlebt: Sie hat ihren Unverpackt-Laden Servus Resi in Solln mitten in der Pandemie eröffnet. Seitdem baut sie schrittweise ihren Kundenstamm auf. Und: Ihr Geschäft lief in der ersten Lockdown-Woche richtig gut. „Es waren zwar Ferien“, sagt die 37-Jährige. Aber die Menschen bleiben in der Stadt und versorgen sich mit Lebensmitteln. Im Trend waren dabei jene, die es zum Backen braucht. Die Weihnachtsbäckerei lässt grüßen.(nah) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Eine Studie des LMU-Klinikums zeigt, wie sich Corona seit Beginn der Pandemie in München entwickelt hat. Sie beschäftigt sich auch mit der Frage, wie tödlich Covid-19 ist.

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