„Ich will mein Geld und ein klares Urteil“

Münchner Wirt fühlt sich von seiner Versicherung im Stich gelassen - „Es geht um meine Existenz“

Ein Umsatzgarant: Das Pschorr-Haus von Wirt Jürgen Lochbihler.
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Ein Umsatzgarant: Das Pschorr-Haus von Wirt Jürgen Lochbihler.

Weil er einen enormen finanziellen Schaden während des Lockdowns erlitten hat, will Pschorr-Wirt Jürgen Lochbihler Geld von der Versicherung. Die weigert sich aber.

  • Der Münchner Gastronom Jürgen Lochbihler zieht gegen seine Versicherung vor Gericht.
  • Die Haftpflichtkasse Darmstadt soll ihm den Schaden, der durch den Lockdown entstand, ersetzen.
  • Die Versicherung versucht jedoch die Schadenssumme zu drücken.

München - Betriebsausfall wegen Corona – jetzt klagt der nächste Wirt. Am Landgericht fordert Jürgen Lochbihler 465.000 Euro von der Haftpflichtkasse Darmstadt, die sich weigert den Schaden zu begleichen. Eine gütliche Einigung lehnte der Wirt des Pschorr-Hauses ab – er will ein klares Urteil, das die Gastronomie schützt.

Pschorr-Wirt Lochbihler hatte während des Corona-Lockdowns einen Schaden von 465.000 Euro erlitten

Seine Stimme ist markant und seine Wut groß. „Die Versicherung hatte monatelang Zeit, mich zu kontaktieren. Aber ich habe nicht mal einen Anruf erhalten“, sagt Jürgen Lochbihler. „Jetzt will ich mein Geld zurück – und ein klares Urteil.“

Am Landgericht klagt der Wirt des Pschorr-Hauses an der Schrannenhalle in München* gegen die Haftpflichtkasse Darmstadt und fordert die Summe von 465.000 Euro. Denn Lochbihler hatte sich gegen einen Betriebsausfall versichert, der während des Lockdowns dann eingetreten ist. Die Versicherung weigert sich aber zu zahlen.

Auch Wirte-Kollege Christian Schottenhammel zieht gegen seine Versicherung vor Gericht.

Pschorr-Wirt vor Gericht: Versicherung versucht die Schadenssumme zu schmälern

Sie will prüfen lassen, ob man Kurzarbeitergeld und Soforthilfen, die der Wirt erhalten hat, auf die Schadenssumme anrechnen könne. Vom Gericht gab es dafür ein klares Nein – und eine wütende Reaktion vom Pschorr-Wirt. „Es geht hier um meine Existenz und auch die der Branche“, brüllte Lochbihler quer durch den Gerichtssaal. „Ich führe diesen Prozess nicht, weil ich Geld machen will. Sondern für meine Mitarbeiter und für meine Familie. Ich bin wirtschaftlich zum Glück unabhängig.“

Auf die Palme gebracht hatten ihn auch die theoretischen Überlegungen der Versicherung: Demnach müsse man auch berechnen, was der Wirt verdient hätte, wenn er denn während des Lockdowns aufgesperrt hätte. „Dadurch wird der Schaden deutlich geringer“, argumentierte der Anwalt der Versicherung. Denn ein gastronomisches Angebot hätte vielerorts sehr wohl während der Pandemie bestanden – wenn auch eingeschränkt. Richterin Walk runzelte darüber die Stirn: „Eine etwas schwierige Fiktion ist das.“ Sie gab auch zu bedenken, dass die Situation im Lockdown „eine Katastrophe und Existenzfrage für Gastronomen“ sei.

Das Pschorr-Traditionshaus Donisl am Marienplatz hat die Corona-Pandemie nicht überlebt.

Pschorr-Wirt Lochbihler müsst eigentlich viel mehr Geld von der Versicherung bekommen

Lochbihler empfindet das Vorgehen der Versicherung als „unanständig“. „Ich kann ja gar nicht nachweisen, wie hoch mein Schaden gewesen wäre, eben weil ich nicht aufsperren durfte“, so der Wirt. „Was ich aber sehr wohl nachweisen kann, ist der tatsächliche Schaden: Den habe ich bis auf den letzten Cent in meiner Buchhaltung festgehalten.“ Nur 15.500 Euro Pauschale kann Lochbihler für je maximal 30 Tage geltend machen – insgesamt 465.000 Euro. Das sei „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagte Lochbihler. Denn tatsächlich dürfte der Schaden des Pschorr höher ausfallen, was sich auch an den Zahlen des Vorjahres ablesen lässt.

Vor Gericht musste Lochbihler den Umsatz aus 2019 benennen: Dieser belaufe sich auf 7,5 Millionen Euro für das Wirtshaus am Viktualienmarkt. Rein rechnerisch also rund 20.500 Euro pro Kalendertag, zumal der Pschorr keinen Ruhetag hat. Der Schaden, den man bei der Versicherung geltend machen kann, ist aber gedeckelt: Nur für einen klar umrissenen Zeitraum, maximal 30 Tage, gilt der Schutz vor einer Betriebsschließung. Selbst diesen zweifelt die Haftpflichtkasse Darmstadt aber an. Für Lochbihler „eine Frechheit.“ Er drängt auf eine Entscheidung, die das Gericht nun am 27. Oktober verkünden will. Bereits morgen wird es das erste Urteil in ähnlicher Sache geben: Dann entscheidet das Landgericht über die Klage des Augustinerkellers gegen den Bayerischen Versicherungsverband. Wirt Christian Vogler fordert 1,14 Millionen Euro wegen seines Corona*-Ausfalls. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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