Inzidenzwert fällt unter 35

Corona in München: Lockerungsdebatte nimmt Fahrt auf - bei Gastronomie und Handel gibt es aber Bremser

Corona-Lockdown: Die Fußgängerzone in München ist ausgestorben.
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Corona-Lockdown: Die Fußgängerzone in München ist ausgestorben. Keine Menschenseele weit und breit.

Die Corona-Maßnahmen fruchten in München. Das lässt sich an den Inzidenzwerten ablesen. Doch die Politik ist sich bei der Öffnungsstrategie alles andere als einig.

München - Die Öffnungsdebatte gewinnt an Dynamik. Angesichts sinkender Inzidenzwerte*. In München* wurde am Dienstag erstmals seit Anfang September die Schwelle von 35 unterschritten. Sollen die Corona-Beschränkungen gelockert werden? Die Politik in München ist bei dieser Frage gespalten.

OB Dieter Reiter* (SPD) hatte sich schon am Montag eindeutig positioniert. Wenn die Zahl der Neuinfektionen weiter zurückgehe, müssten weitere Lockerungen dringend auf die Tagesordnung der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz Anfang März kommen, sagte er. Gerade im Einzelhandel, in der Gastronomie und im Kultursektor halte er Öffnungen bei stabil niedriger 7-Tage-Inzidenzzahl von unter 35* für verhältnismäßig. In diesen Bereichen seien schon im Vorjahr umfassende Hygienekonzepte erfolgreich umgesetzt worden. Die 7-Tage-Inzidenz in München betrug am Dienstag 34,4. Die Kurve geht seit vier Wochen kontinuierlich bergab. Zur Erinnerung: Kurz vor Weihnachten war der Inzidenzwert sogar einmal über 300 angestiegen.

Corona in München: Grüne wolle bei Gastronomie und Einzelhandel nichts überstürzen

Die Münchner Grünen äußern sich eher vorsichtig. „Wichtig bei allen Öffnungen ist Augenmaß, denn die hochansteckenden Virus-Mutationen* könnten die Erfolge in kürzester Zeit zunichtemachen“, warnt Bürgermeisterin Katrin Habenschaden. Wie Reiter hält sie es für richtig, dass in Kitas und Grundschulen nun wieder Wechselunterricht möglich ist. Und sie sagt: „Für die Kleinen wäre es sicher Seelenbalsam, mal wieder in den Tierpark gehen zu dürfen.“ Dominik Krause, Vize-Fraktionschef der Grünen im Stadtrat, spricht sich dafür aus, mit Öffnungen von Gastronomie und Einzelhandel abzuwarten, „bis absehbar ist, wie die Mutanten des Virus* auf das Infektionsgeschehen durchschlagen“.

Nach Meinung von SPD-Fraktionschefin Anne Hübner müssten jetzt die Voraussetzungen geschaffen werden, damit im März wieder Gastronomie und Einzelhandel und Kultureinrichtungen öffnen können. Voraussetzung: „Die Entwicklung bleibt so wie jetzt.“ Auch Freizeitsport an der frischen Luft müsse bald wieder möglich sein, „da insbesondere Kinder und Jugendliche jenseits der Schule wieder Normalität und Spaß erleben sollen“.

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Corona in München: CSU plädiert für Öffnungsperspektive und Lockerung bei privaten Treffen

CSU-Fraktionsvorsitzende Manuel Pretzl plädiert für Lockerungen ab Anfang März, sollte der Inzidenzwert stabil unter 35 bleiben. „Handel, Gastronomie und Kultur brauchen dringend eine Perspektive.“ Zudem sollten Treffen mit zwei Personen eines anderen Haushalts plus Kinder unter 14 wieder erlaubt werden, sowie Wechselunterricht auch bei älteren Jahrgangsklassen.

Noch weiter gehen FDP, ÖDP und AfD, die sich für ein sofortiges Ende des Lockdown aussprechen. Der Chef der Fraktionsgemeinschaft ÖDP/Freie Wähler, Tobias Ruff: „Ein ‚weiter so‘ in der Corona-Politik darf es in Zeiten sinkender Inzidenzwerte nicht geben.“ Neue, willkürliche Zielmarken zu bestimmen, frustriere die Bevölkerung. Jeder weitere Tag im Lockdown wirke sich negativ auf die psychische Gesundheit aller, die soziale Entwicklung von Kindern und die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen aus. (Klaus Vick) *tz.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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