600 der 2800 Bewohner hatten Corona

Das Schlimmste ist überstanden: Münchenstift meistert die Corona-Krise - Novum bei der Belegungsquote

Ein Mann geht in einem Pflegeheim.
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Für Altenheime ist die Pandemiezeit eine riesige Herausforderung (Symbolbild).

Der Münchenstift hat ein extrem schwieriges und herausforderndes Jahr hinter sich - doch es gibt Licht am Ende des Tunnels. VIele der Bewohner sind mittlerweile immunisiert.

München - Die Münchenstift hat keine einfache Zeit hinter sich. Im Gegenteil: Es sei das „schwerste und herausforderndste Jahr“ in der Geschichte der gemeinnützigen Gesellschaft gewesen, sagte Geschäftsführer Siegfried Benker am Freitag bei der Präsentation des Jahresberichts 2020. Rund 600 der 2800 Bewohner in den 13 Altenheimen der Münchenstift haben sich während der Pandemie mit dem Coronavirus angesteckt. Von den 2000 Mitarbeitern infizierten sich laut Benker etwa 400. Natürlich gab es auch Tote unter den Bewohnern zu beklagen. Zahlen wollte Benker nicht nennen. Die Münchenstift hatte bei einer zentralen Gedenkfeier Mitte März im Haus an der Rümannstraße der Verstorbenen gedacht.

Münchenstift: Immunisierungsgrad von Bewohnern und Mitarbeitern weit fortgeschritten

Mittlerweile ist der Immunisierungsgrad von Bewohnern und Mitarbeitern weit fortgeschritten. Benker sprach von 92 beziehungsweise 70 Prozent. Aktuell seien nur noch eine einzige Bewohnerin und sieben Mitarbeiter corona*-positiv. Während der Hochphase im Dezember waren es rund 100 Beschäftigte. Benker hob hervor, dass während dieser Zeit viele Mitarbeiter mit Sonderschichten eingesprungen seien, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Besuche in den Häusern der Münchenstift sind aktuell möglich, sofern man einen negativen Schnelltest vorweist, der höchstens 48 Stunden alt ist.

Aber auch während der Hochphase der Pandemie habe man versucht, die Senioren nicht völlig abzuschotten, betonte die Aufsichtsratsvorsitzende und Münchner* Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) am Freitag. Dafür besorgte die Münchenstift zum Beispiel Tablets für die Bewohner, damit diese mit ihren Angehörigen per Video telefonieren konnten. Zudem gab es Konzerte und Vorführungen in Gärten und Höfen. Dietl: „Ziel war, die Menschen aus der Isolation zu holen.“ Generell schreitet die Digitalisierung der Münchenstift-Einrichtungen voran. Der Glasfaserausbau aller Häuser wurde 2020 abgeschlossen.

Teure Masken: „Wir haben sehr viel Geld in die Hand genommen“

Zum Krisenmanagement gehörte vor allem die Beschaffung von Schutzmaterial. Benker zufolge hat die Münchenstift im Vorjahr 550 000 Masken besorgt, davon 150 000 FFP2-Masken. „Wir haben sehr viel Geld in die Hand genommen“, sagte der Geschäftsführer. Dennoch konnte die Tochtergesellschaft der Stadt das Jahr mit einem Plus von 700 000 Euro abschließen – dank des staatlichen Rettungsschirms, der für alle Unternehmen der Altenpflege gilt. Für 2021 rechnet Benker mit einem Überschuss in Höhe von 300 000 Euro. In den Jahren 2016 bis 2019 hatte die Münchenstift zwischen 2,6 und 3,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Geld, das allerdings stets zweckgebunden für die Einrichtungen oder auch den Bau von Personalwohnungen investiert wird.

Eine neue Entwicklung ist, dass die 13 Häuser der Münchenstift keine Belegungsquote von nahezu 100 Prozent mehr haben. Sie liegt aktuell bei 93 Prozent, was Benker auf die Pandemie zurückführt: „Die Menschen zögern, in ein Pflegeheim zu gehen, und bleiben möglichst lange in ihrem Zuhause.“ Dabei seien die Einrichtungen derzeit „die sichersten Orte der Stadt“, wie Benker erklärte. Die Folge sei, dass die Menschen in einem sehr schlechten Zustand ins Pflegeheim kämen und dort oft nicht mehr lange lebten. - Klaus Vick - *Merkur.de/bayern und *tz.de/muenchen sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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