Münchner SPD fordert Ausgleich über 2020 hinaus

Geldsegen in Corona-Krise: MVG „sehr dankbar“ - Sparmaßnahmen drohen dennoch

Ein Nahverkehrsbus der Münchner Verkehrsgesellschaft steht am 9. Oktober 2020 an einer Bushaltestelle.
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Ein Nahverkehrsbus im Corona-Herbst 2020 in München: Auch 2021 wird die MVG wegen der Pandemie wohl Einnahmen-Einbußen verkraften müssen.

Was wird aus der MVG in der Corona-Pandemie? Aktuell erhält sie Hilfen von Bund und Ländern - doch auch im kommenden Jahr werden wohl Fahrgäste ausbleiben.

  • Nur 20 Prozent der sonst üblichen Fahrgäste hatte die MVG im ersten Corona-Lockdown.
  • Nun erhält der ÖPNV dafür vom Bund einen Ausgleich über 155 Millionen Euro.
  • Doch auch 2021 müssen die Verkehrsbetriebe noch mit hohen Verlusten rechnen.

München - Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) erhält durch den Rettungsschirm des Bundes 155 Millionen Euro. Das geht aus einer Beschlussvorlage für den Stadtrat hervor. Das Geld dient als Ausgleich für die durch den ersten Lockdown entstandenen Einnahmeausfälle. Die Verkehrsbetriebe hatten im Frühjahr trotz des gesunkenen Fahrgastaufkommens den Regelbetrieb weitgehend aufrechterhalten, damit sich die Münchner nicht in übervolle Züge und Bahnen quetschen mussten.

„Wir haben unser Angebot in Abstimmung mit der Politik auch im Frühjahr 2020 nicht runtergefahren, als wir nur noch 20 Prozent Fahrgäste hatten“, sagte MVG-Chef Ingo Wortmann auf Anfrage unserer Zeitung. „Unsere Kassen sind jetzt allerdings leer, weil der Ticketverkauf eingebrochen ist. Wir sind auf den Rettungsschirm von Bund und Land angewiesen, um finanziell über die Runden zu kommen.“

MVG in der Corona-Krise: In Minus-Rechnung ist neuer Teil-Lockdown noch nicht berücksichtigt

Wie aus einer Anfrage der SPD* an die Kämmerei hervorgeht, beliefen sich die Einnahmenverluste bis Mitte September auf rund 105 Millionen Euro. Insgesamt ist ein Minus zwischen 145 und 175 Millionen Euro zu erwarten. In dieser Prognose sind allerdings die neuerlich von der Bundesregierung beschlossenen Kontaktbeschränkungen im November* nicht enthalten.

Die Richtlinie „Corona-Beihilfe ÖPNV Bayern“ sieht einen Ausgleich von bis zu 90 Prozent des Schadens vor. Anfang September hat die MVG bereits eine Abschlagszahlung in Höhe von 58,6 Millionen Euro erhalten. Insgesamt, so rechnet der Verkehrsbetrieb, mit einem Ausgleich zwischen 130 und 155 Millionen Euro.

Die von 2. November an geltenden, erneuten Einschränkungen des öffentlichen Lebens zeigen, dass die Verkehrsbetriebe auch in 2021 noch mit hohen Verlusten rechnen müssen. Die SPD fordert den Freistaat daher auf, das Minus auch in den Folgejahren auszugleichen. Denn eine Aufrechterhaltung des breiten ÖPNV-Angebots ist gerade in Pandemie-Zeiten* unumgänglich.

München: „Trotz Corona in den ÖPNV investieren und Verkehrswende gestalten“

„Der öffentliche Personennahverkehr ist eine wichtige Säule der sozialen Daseinsvorsorge“, sagt SPD-Stadtrat Christian Köning. Besonders in Krisenzeiten sei es wichtig, dass die MVG als öffentliche Dienstleistung und auch nach sozialen Gesichtspunkten betrieben werden kann. „Wir sind fest entschlossen, trotz der finanziellen Krise aufgrund der Corona-Pandemie* in den ÖPNV zu investieren und damit die Verkehrswende zu gestalten.“

Dass 90 Prozent der Mindereinnahmen im Jahr 2020 ausgeglichen werden, freut die MVG. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Wortmann. „Gleichwohl bleibt ein Fehlbetrag in zweistelliger Millionenhöhe. Auch 2021 werden wir wegen Corona* deutliche Einbrüche bei den Einnahmen zu verzeichnen haben. Daher geht kein Weg an Sparmaßnahmen vorbei. Nur so werden wir die Krise meistern und auch weiterhin sichere Arbeitsplätze gewährleisten können.“ *tz.de und *Merkur.de gehören zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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