DJ taucht auf

Um 0 Uhr wird‘s plötzlich laut - Verwirrung um geplante Corona-Party an der Isar: „Nur Tarnung, damit Polizei ...“

Feiernde unter der Brudermühlbrücke in München.
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Es sollte ein großer Rave mit 1000 Teilnehmern oder mehr werden. Doch wo und ob überhaupt, keiner wusste es genau. Die tz hat sich auf die Suche gemacht. Im Bild: nur etwa 50 Feiernde unter der Brudermühlbrücke.

Am Samstag war in München trotz Corona-Pandemie ein Mega-Party-Event anberaumt: Für den illegalen Rave gab es mehrere Hundert Zusagen.

  • Feiern in Corona-Zeiten ist ein Thema, das viele Menschen in München auf Trab hält.
  • Ein Alkoholverbot an öffentlichen Plätzen gilt, wenn die 7-Tage-Inzidenz den Frühwarnwert von 35 überschreitet.
  • Corona-Partys stellen oft ein Ärgernis dar - um eine vermeintliche Mega-Sause an der Isar herrscht Verwirrung.

Update vom 6. September: Laute Musik unter freiem Himmel, ausgelassene Stimmung und endlich mal wieder so richtig abfeiern. Schon seit einigen Wochen wurde in den sozialen Medien eine geheime Rave-Party an der Isar angekündigt. Am 5. September um 22 Uhr sollte es losgehen. Nur wo? Das blieb geheim. An diversen Treffpunkten an der Isar, heute „Hotspots“ genannt, sah man deshalb am Samstagabend vereinzelt Menschen auf Party-Suche. Etwa unterhalb der Wittelsbacherbrücke und der Reichenbachbrücke.

München: Verwirrung um geplante Corona-Party an der Isar - plötzlich taucht DJ auf

Dort war aber eher wenig los für einen Samstagabend. Und erst recht für einen Sommer-Rave. Kurz vor 21 Uhr nannten die Veranstalter auf Facebook plötzlich einen Termin 2021. Verwirrung in den sozialen Netzwerken: „Das ist bestimmt nur Tarnung, damit die Polizei nichts mitbekommt“, stand da zu lesen, und „Wo ist denn der Rave jetzt?!“, „Findet das wirklich statt? Will unbedingt hin“.

Eine Frau an der Wittelsbacherbrücke glaubt, es werde an der Brudermühlbrücke bald losgehen. Doch auch um 23.30 Uhr ist dort von Partystimmung nichts zu spüren. Etwa 15 Menschen stehen mit Getränken unter der Brücke. Um Mitternacht übertönen Beats und Bässe plötzlich das Rauschen der Isar. Hinter einem Brückenpfeiler hat ein DJ sein Pult samt Lichtmaschine aufgebaut. Nach und nach kommen auch mehr Menschen. Sie tanzen und trinken Bier. Die Stimmung ist ausgelassen, aber mehr als 60 Leute finden sich nicht ein. Und keiner ist sicher, ob dies hier überhaupt etwas mit der angekündigten Party zu tun hat. Die Stadt München fürchtet sich jetzt vor Wiesn-Fans, die den Oktoberfest-Anstich privat auf der Theresienwiese zelebrieren wollen.

Mega-Sause an der Isar: Jetzt blüht München neuer Corona-Ärger

Erstmeldung vom 2. September 2020:

München - Grelles Partylicht samt Discokugel, laute Elektro-Musik, Massen an Menschen: Knapp 300 Feierwütige haben vor zwei Wochen an der Isar das Ufer zum Beben gebracht. So lange, bis die Polizei die illegale Party gegen 2.20 Uhr hochgehen ließ. Für diesen Samstag (5. September) ist wieder ein Rave geplant: Laut Facebook-Eintrag soll von 22 bis 5 Uhr an einem geheimen Ort an der Isar gefeiert werden. Party-Alarm!

Corona-Party in München: Mega-Techno-Party für Samstag anberaumt - Bloß wo?

Es gibt schon über 400 Zusagen, fast 10.000 Leute sind interessiert: Ballermann-Wahnsinn mitten in München, mitten in der Corona-Pandemie. Denn nach wie vor gilt: Es gibt strenge Regeln für Zusammenkünfte. An öffentlichen Plätzen dürfen es pro Gruppe zehn Menschen sein. Bei nicht-öffentlichen Feiern mit klar festgelegter Teilnehmerliste sind laut Staatsregierung in geschlossenen Räumen 100 Personen, unter freiem Himmel 200 erlaubt. Gibt es gekennzeichnete Sitzplätze, verdoppeln sich diese Zahlen. Aber wie sollen solche gesetzlich festgelegten Vorgaben bei einem wilden Isar-Rave eingehalten werden?

Eine Frage, zu der sich de Veranstalter von Techno Events München nicht äußern – auf Anfrage gab es am Mittwoch keine Reaktion. Wenig Konkretes will auch die Polizei zu ihren Planungen für das Wochenende sagen. Grundsätzlich, erklärt Sprecher Sven Müller, sei man an allen vergangenen Sommer-Wochenenden „extrem personalstark“ an den Party-Hotspots in München* vertreten gewesen. Ist das Präsidium in Kenntnis über eine geplante Veranstaltung – „und wir wissen sehr viel“ –, werde im Austausch mit den städtischen Behörden geprüft. Zum Beispiel, ob es sich um einen anmeldepflichtigen Event handelt. Oder einen Termin, bei dem die coronabedingten Auflagen* überhaupt eingehalten werden können.

München: Corona-Überdrüssige wollen Rave-Party an der Isar feiern

Bei dem Isar-Rave kommt erschwerend hinzu, dass keinerlei Ort bekannt ist. Macht aus Veranstaltersicht Sinn, um möglichst lange ungestört feiern zu können. So wie im Juli: Damals gab es illegale Techno-Partys im Wald bei Gilching und im Perlacher Forst bei Unterhaching. Teils mit über 100 Teilnehmern. Ob die Polizei einen zweiten Isar-Rave wie Ende August verhindern kann, wird sich zeigen. Auch, wie viele Hundert Menschen am Fluss tanzen. Ganz zu schweigen von der Frage nach der Legalität von Alkoholgenuss:

Die Corona-Pandemie hält München in Atem. Für Sportler gibt es in Zeiten von Corona nun eine gute Nachricht. Derweil steigt die Zahl der Neuinfektionen. In Berlin feierten dennoch Hunderte illegale Corona-Partys. Die Polizei löste sie auf und die Situation eskalierte.

Die tz* sucht Münchens größten Wiesn-Fan. Jetzt noch bis zum 8. September abstimmen und Wiesn-Box gewinnen. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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