Unmengen an Beweismaterial

LKA-Chef ermittelt im Drogen-Skandal der Münchner Polizei: „Achten auf bestimmte Codewörter“

Martin Bury  ist Chef der internen Ermittler beim LKA.
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Martin Bury ist Chef der internen Ermittler beim LKA.

LKA-Chef Martin Bury und sein Team versuchen Licht ins Dickicht des Münchner Polizei-Drogen-Skandals zu bringen. Dafür müssen sie jede Menge Beweismaterial sichten.

  • Das Landeskriminalamt ermittelt im Polizei-Skandal von München*.
  • Bei einer Razzia im September wurden zahlreiche Beweismittel gesichert.
  • LKA-Chef Martin Bury berichtet von seiner Arbeit an dem Fall.

München - Die Münchner Polizei wird von einem Drogenskandal in den eigenen Reihen erschüttert, „den es in dieser Dimension noch nicht gegeben hat“. Das sagt Martin Bury (40), Leiter des Dezernats für Interne Ermittlungen beim Landeskriminalamt (LKA), in dessen Bereich die jetzt gegründete 20-köpfige „Soko Nightlife“ angesiedelt ist. Die Experten dieser Sonderkommission arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, alle Daten auszuwerten, die 170 Ermittler bei einer Razzia Ende September* in 30 Wohnungen und sieben Dienststellen sichergestellt haben.

Polizei-Skandal in München: Ermittler Bury und sein Team müssen sich durch massenhaft Beweise wühlen

21 Polizisten stehen im Verdacht, Drogen und verbotene Anabolika konsumiert und an Kollegen weitergegeben zu haben. In einem Fall soll ein Beamter beschlagnahmtes Kokain abgezweigt haben, andere sollen davon gewusst, dies jedoch weder verhindert noch gemeldet haben. Zudem sollen Polizisten zwei Personen im Umfeld des Münchner Nachtlebens absichtlich zu Unrecht beschuldigt haben, Widerstand gegen die Beamten geleistet zu haben.

Bei den Durchsuchungen in den frühen Morgenstunden des 23. Septembers nahmen die Ermittler Unmengen an Material mit, das nun ausgewertet werden muss. Möglicherweise geraten dabei noch weitere Verdächtige ins Visier der Ermittler. Martin Bury erklärt, wie die Soko nun vorgeht, um die Massen an Chats, Fotos und Videos auf PCs und Handys zu sichten und zu sortieren: „Zunächst müssen unsere Computerspezialisten die Geräte auswertbar machen“, sagt der 40-Jährige. Dazu gehöre auch, möglicherweise gelöschte Daten wiederherzustellen. Doch die Erfahrung zeige auch, so der Kriminaldirektor, dass nicht alle Verdächtigen sich die Mühe machten, belastbare Nachrichten oder Bilder zu löschen. „Wir suchen gezielt nach Hinweisen auf Straftaten und achten unter anderem auf bestimmte Codewörter“, sagt Martin Bury. Welche das sind, will der Ermittler nicht verraten. Doch als Experte habe man schnell einen Blick dafür, welcher Chatverlauf relevant werden könnte. „Die Konversation mit der Oma stellen wir zum Beispiel erst einmal hintenan“, sagt der 40-Jährige. Auch mit Blick auf die Privatsphäre der Beamten blende man selbstverständlich Intimes bei der Auswertung aus.

Martin Bury ist seit drei Jahren Chef des Dezernats für interne Ermittlungen. Er sieht die Arbeit seiner Abteilung als sehr wichtig an. „Die breite Mehrheit der Polizisten hat großes Interesse daran, dass schwarze Schafe in den eigenen Reihen gefunden werden“, sagt er. Das Spannende in seinem Zuständigkeitsbereich sei, dass im Vorfeld nie klar sei, wie ein Fall ausgehen wird. 34 Mitarbeiter in München und Nürnberg beschäftigen sich pro Jahr in mehr als 1000 Ermittlungsverfahren mit Polizisten, die im Verdacht stehen, im Dienst eine Straftat begangen zu haben – in knapp 170 Fällen ergaben sich vergangenes Jahr bei der Sachbearbeitung tatsächlich Anhaltspunkte für rechtswidriges Handeln. „Wir schauen immer sowohl auf belastende als auch entlastende Fakten“, sagt der Kriminaldirektor.

Wie oft an den Vorwürfen etwas dran ist, hängt stark davon ab, worum es geht. Gerade Ermittlungen, die sich mit Körperverletzung im Amt beschäftigen, werden in etwa 95 Prozent der Fälle durch die Staatsanwaltschaft eingestellt. „Dies liegt daran, dass Außenstehende Einsätze oft anders wahrnehmen“, erklärt Bury. Eben deswegen seien die internen Ermittler beim LKA angesiedelt, sodass Polizisten gegen Polizisten ermitteln – statt komplett externer Fachleute. „Um mögliche Vergehen von Polizisten untersuchen zu können, braucht es auch Menschen, die die Expertise haben, die Arbeit zu kennen und beurteilen zu können“, sagt Bury. Und immer wieder bestätigen sich durch die Arbeit der internen Ermittler auch Straftaten, wegen derer sich Polizisten vor Gericht verantworten müssen.

Ob sich der Drogenskandal beim Präsidium noch ausweitet und wie viele Beamte letztlich angeklagt werden, ist noch völlig offen. Derzeit sind 15 Polizisten suspendiert, weitere wurden versetzt. „Betäubungsmittel-Vergehen bei Polizisten gibt es in München grundsätzlich sehr selten“, betont Bury. Neben der Auswertung der Daten stehen nun weitere Vernehmungen an, vielleicht rücken die Ermittler auch noch einmal aus, um Wohnungen oder Büros zu durchsuchen. Denn immer wieder bringen die Ermittlungen neue Erkenntnisse, die den Lauf des Verfahrens beeinflussen. Die Razzia im September etwa erfolgte wegen neuer Verdachtsmomente, die sich bei der Auswertung von 20 zuvor beschlagnahmten Handys ergeben hatten.

1,5 Millionen Chatnachrichten haben die Ermittler seit 2018 durchforstet, eine Million Bilddateien und 25 000 Videos sind bereits gesichtet. Wie viel nach den jüngsten Durchsuchungen dazukommt, kann Bury nicht genau beziffern. Und auch die Folgen nicht. Die Staatsanwaltschaft jedenfalls schließt nicht aus, dass sich der Kreis der Beschuldigten weiter ausdehnen könnte. in 30 Wohnungen und sieben Dienststellen sichergestellt haben. 21 Polizisten sollen Drogen und verbotene Anabolika konsumiert und an Kollegen weitergegeben haben. In einem Fall soll ein Beamter beschlagnahmtes Kokain abgezweigt haben, andere sollen davon gewusst, dies jedoch weder verhindert noch gemeldet haben. Zudem sollen Polizisten zwei Personen absichtlich zu Unrecht beschuldigt haben, Widerstand gegen die Beamten geleistet zu haben.

Bei den Durchsuchungen nahmen die Ermittler Unmengen an Material mit, das nun ausgewertet werden muss – Chats, Fotos und Videos auf PCs und Handys. „Zunächst müssen unsere Computerspezialisten die Geräte auswertbar machen“, sagt Bury. Dazu gehöre auch, gelöschte Daten wiederherzustellen. „Wir suchen gezielt nach Hinweisen auf Straftaten und achten unter anderem auf bestimmte Codewörter.“ Welche das sind, will der Ermittler nicht verraten. Doch als Experte habe man schnell einen Blick dafür, welcher Chatverlauf relevant werden könnte.

Polizei-Skandal in München: Kreis der Beschuldigten könnte noch wachsen

Derzeit sind 15 Polizisten suspendiert, weitere wurden versetzt. „Betäubungsmittel-Vergehen bei Polizisten gibt es in München grundsätzlich sehr selten“, betont Martin Bury. Neben der Auswertung der Daten stehen nun weitere Vernehmungen an, vielleicht rücken die Ermittler auch noch einmal aus, um Wohnungen oder Büros zu durchsuchen. Die Staatsanwaltschaft jedenfalls schließt nicht aus, dass sich der Kreis der Beschuldigten weiter ausdehnen könnte. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Am Münchner Flughafen ging ein gesuchter Straftäter der Polizei ins Netz, weil er einen dummen Fehler machte.

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