Protest wegen Corona und Russland

Demo-Wochenende in München: Querdenker, Impfgegner und Putin-Gegner in Aufruhr - Polizei mit Schnee beworfen

Eine Aufnahme vom Polizei-Einsatz am Hauptbahnhof
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Eine Aufnahme vom Polizei-Einsatz am Hauptbahnhof.

In München wurde die Polizei am Wochenende auf Trab gehalten - aufgrund diverser Demos. Am Hauptbahnhof wurde es bei einer nicht angemeldeten Versammlung ungemütlich.

Update vom 1. Februar, 18.25 Uhr: Ein Aufruf bei Facebook hat dazu geführt, dass sich am Sonntagabend knapp 100 Personen am Hauptbahnhof versammelten. Einige von ihnen machten Krawall.

Ein Polizeisprecher erklärte am Montag auf Nachfrage: „Über Facebook hatte ein Nutzer zur Versammlung aufgerufen. Sein Eintrag richtete sich gegen die Corona-Maßnahmen.“ Der Autor habe sich aber kurz darauf von seinem Beitrag distanziert und ihn gelöscht. Der Polizeisprecher sagt: „Das haben aber nicht alle gesehen. So kam’s, dass sich gegen 17.15 Uhr einige aus der Anti-Corona-Szene versammelten.“

Corona-Demos in München: Polizisten mit Gegenständen und Schneebällen beworfen

Zu den Anwesenden gesellten sich auch Menschen aus der Trinkerszene rund um den Hauptbahnhof sowie einige heranwachsende Münchner. Die Anwesenden trugen weder Masken noch hielten sie Abstand ein. Zudem bewarfen sie die Beamten mit Gegenständen und Schneebällen. Die Polizei zeigte einige Teilnehmer etwa wegen des Tragens von Schutzbewaffnung und Beleidigung an. Kurz vor 19 Uhr löste sich die Versammlung auf, einige Demonstranten zogen weiter zur Querdenker-Demo an der Ludwigsstraße (siehe unten).

Schon seit Monaten finden auch in Bayern Demos gegen die Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern statt. In Nürnberg gab es zuletzt auch Kritik an der Polizei:

Demo-Wochenende in München: Querdenker unterwegs - Großeinsatz am Hauptbahnhof

Ursprungsartikel vom 31. Januar 2021: München - Was für ein Riesen-Aufgebot! Geschätzt 100 Polizisten in schwerer Montur waren am Sonntagabend am Hauptbahnhof* im Einsatz. Hintergrund: eine „spontane Versammlung“, zu der es gegen 17.30 Uhr gekommen war. Die komplette Schillerstraße war mit Mannschaftswagen zugeparkt, wurde für Passanten gesperrt. Der Grund: Etwa einhundert Personen hatten sich kurzfristig zusammengetan und Krawall gemacht. Einige in dieser Hooligan-Gruppe brüllten die Polizisten* an. Zum Teil trugen sie keine Masken, hielten den Abstand nicht ein. Einige bekamen Platzverweise. Unklar ist, welches Motiv die Aktion hatte.

Allerdings gibt es die Vermutung, dass zumindest einige der Teilnehmer dem rechten Spektrum zuzuordnen sind und dass es bei dieser wüsten Versammlung um die Corona-Beschränkungen ging - so wie später bei der Querdenker-Demo an der Ludwigstraße. Bereits zuvor war in in München viel los gewesen. Gleich mehrere Gruppen demonstrierten aus unterschiedlichen Gründen, allerdings alle friedlich. Am Sonntagmittag hatten sich Münchner Russen für die Freilassung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny* eingesetzt. Und die Friseure machten ganz still auf ihre Notlage aufmerksam. Ein Überblick.

Demos in München: 120 Menschen fordern Freilassung von Alexej Nawalny

Parallel zu den Demonstrationen in Russland versammelten sich am Sonntag auch in München über 120 Menschen. Sie forderten die Freilassung des Kreml-Kritikers Alexei Nawalny. Der 44-Jährige hatte sich nach einem Giftanschlag in Deutschland erholt und wurde nach der Rückkehr in sein Heimatland am 17. Januar in Moskau festgenommen. Unter den Demonstranten in München war auch ein bekanntes Gesicht: Marina Litwinenko (59), Witwe des ermordeten Kreml-Kritikers Alexander Litwinenko. „Freiheit für Russland! Freiheit für Nawalny“, riefen die Demo-Teilnehmer.

Vor einer Woche waren sie am Odeonsplatz, nun am Max-Joseph-Platz. Der Ort ist nicht zufällig gewählt: Vor ein paar Jahren soll ein Freund von Präsident Wladimir Putin* das Palais an der Oper gekauft haben. Der selbe Oligarch hat sich nun auch zum Eigentümer eines Luxus-Palasts am Schwarzen Meer erklärt, der in Russland seit Tagen für Wirbel sorgt. Laut einem Enthüllungsvideo Nawalnys soll der Prunk-Bau nämlich eigentlich Putin gehören. Litwinenko: „Es ist wichtig, dass die ganze Welt für echte Demokratie in Russland protestiert.“

Sie fordern Freiheit für Alexej Nawalny: In München lebende Russen erhoben friedlich ihre Stimme.

Demos in München: Friseure lassen die ganze Nacht über Licht brennen

Mancher Münchner mag sich am Freitagabend gewundert haben, warum in Friseursalons Licht brannte, obwohl die gerade geschlossen sind. Eben drum! Mit ihrer stillen Protest-Aktion wollen Friseure bayernweit ihre prekäre Situation beleuchten - dass das Licht bei ihnen nämlich bald dauerhaft ausgehen könnte. Deshalb hieß es jetzt bayernweit für 24 Stunden symbolisch: „Wir lassen das Licht an.“ Und: „Wir machen das so lange, bis wir wieder öffnen dürfen“, sagt Christian Kaiser, Obermeister der Münchner Friseur-Innung.

Seit Mitte Dezember sind alle Salons geschlossen. Lockdown! Für viele Friseure steht die Existenz auf dem Spiel: Staatliche Hilfe lasse auf sich warten. Auch bei Angie Filler-Würstle vom Salon Scherenzauber sind die Überbrückungshilfen noch nicht angekommen: „Das muss man irgendwie überstehen.“ Die nächste Aktion ist gleich darauf von Sonntag auf Montag geplant. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks rief bundesweit die Inhaber der 80.000 Friseursalons dazu auf, ihr Licht für 24 Stunden brennen zu lassen.

Demos in München: Impfgegner und Querdenker gehen auf die Straße

Mit Transparenten und Lautsprecherdurchsagen protestierten am Samstagnachmittag Gegner der Corona-Maßnahmen aus ihren Fahrzeugen heraus. Hauptsächlich ging es ihnen um vermeintlich drohende Zwangsimpfungen. Der Korso mit etwa 100 Autos startete um 14 Uhr am Spiridon-Louis-Ring und endete gegen 15.40 Uhr an der Theresienwiese. Laut Polizei verlief die Demonstration ohne Zwischen­fälle.

Demo gegen die Corona-Maßnahmen: Die Querdenker gingen in München auf die Straße.

Mit einem ähnlichen Protest-Anliegen hatte die Initiative Querdenken für Sonntag eine Demo vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof angemeldet. Ursprünglich wollten die Querdenker mit 500 Leuten durch die Innenstadt ziehen. Das hatte das Kreisverwaltungsreferat untersagt und dafür einer stationären Versammlung von 17.45 bis 20 Uhr mit 200 Teilnehmern stattgegeben. Die Veranstalter zogen vor das Verwaltungsgericht. Dieses lehnte den Eilantrag aus Gründen des Infektionsschutzes ab. Weiter ging’s zur nächsten Instanz, dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Dieser gab dem Antrag in Teilen statt, sodass am Ende 300 Teilnehmer zugelassen wurden - Zeit und Ort blieben gleich. (laf, nh) *tz.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Das tiefe Schnaufen der Fahrradfahrer im Westpark sei zu Corona-Zeiten ein Problem für die Spaziergänger, meint die CSU. Sie will das Radfahren im Park verbieten.

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