Vor Weihnachten

Sichere Schnelltests? Münchner Ärzte erklären, was Sie wissen müssen - über Sicherheit und Aussagekraft

Schnelltests - sie werden besonders zum Weihnachtsfest in Massen genutzt, bevor man seine Liebsten sieht. Doch wie sicher sind sie? Wir haben Experten befragt.

  • Das Gesundheitssystem ächzt unter der Corona*-Pandemie - auch in München*.
  • Corona-Schnelltests sind gerade zur Weihnachtszeit ein Weg für viele, sich vor dem Verwandtenbesuch abzusichern.
  • Doch wie verlässlich sind sie? Wir haben einen Experten befragt.
  • Verfolgen Sie das Corona-Geschehen in München in unserem aktuellen News-Ticker*.

München - Corona-Schnelltests gelten als Eintrittskarte fürs Familienfest. Viele Münchner wollen sie kurz vor Weihnachten nutzen, um beruhigt feiern zu können. Doch Experten warnen davor, die Aussagekraft sogenannter Antigen-Tests zu überschätzen. „Sie sind zwar eine wichtige Waffe im Kampf gegen Corona – vor allem um Bewohner und Personal von Pflegeheimen besser zu schützen. Aber sie können auch trügerische Sicherheit vermitteln“, sagt der Internist und Sportmediziner Dr. Karlheinz Zeilberger, der bereits Hunderte Patienten auf das Sars-Cov2-Virus getestet hat. Die tz erklärt, was man über Schnelltests wissen muss.

Corona-Test: Es gibt mehrere Test-Methoden - doch welche ist die richtige?

Knackpunkt Nummer 1: Die geringere Zuverlässigkeit. Schnelltests liefern zwar bereits in etwa 20 Minuten ein Ergebnis, sind aber nicht so zuverlässig, erläutert der Corona-Experte und Chefinfektiologe der München Klinik Schwabing, Professor Clemens Wendtner. „Antigen-Schnelltests schlagen vor allem bei bereits bestehenden Symptomen an und können sinnvoll sein, um Erkältungssymptome einzuordnen. In der aktuellen Situation würde ich aber dringend davon abraten, mit Fieber und trockenem Husten die Verwandten zu besuchen – negativer Schnelltest hin oder her.“

Knackpunkt Nummer 2: Die Qualitäts-Unterschiede. Die Zuverlässigkeit eines Tests wird mit den beiden Begriffen Spezifität und Sensitivität bewertet. Dabei steht die Sensitivität praktisch für die Erkennungsrate. Sie beziffert, wie viel Prozent der Infektionen tatsächlich nachgewiesen werden. Die Spezifität gibt – vereinfacht erklärt – die Fehlerquote an. Sie beschreibt, wie viel Gesunde fälschlicherweise als infiziert bewertet werden. Eine Spezifität von 95 Prozent bedeutet, dass fünf von 100 Getesteten irrtümlich ein positives Ergebnis erhalten.

„Gerade bei der Sensitivität sind die Unterschiede der Schnelltests enorm“, weiß der Internist Zeilberger. Inzwischen umfasst die Liste der vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinproduke zugelassenen Tests 312 Varianten – im Internet auf der Seite bfarm.de abrufbar. Die Sensitivität hat eine Bandbreite von 98 bis 84 Prozent. „84 Prozent bedeutet, dass 16 von 100 Corona-Fällen nicht erkannt werden“, rechnet Zeilberger vor.

Knackpunkt Nummer 3: Der Zeitpunkt des Tests. „Schnelltests sind nur für maximal 24 Stunden aussagekräftig“, warnt Wendtner. „Wer Montag oder Dienstag den Test macht und am Donnerstagabend zu Verwandten fährt, müsste den Test am Donnerstagvormittag zur Sicherheit wiederholen.“ Der Hintergrund: Antigen-Schnelltests schlagen mitunter nicht an, wenn die Virenlast – also die Menge der Viren im Körper – noch vergleichsweise gering ist. „Wenn man sich noch in der Inkubationszeit befindet – also der Phase, in der die Erkrankung am Ausbrechen ist – kann das Ergebnis fälschlicherweise negativ ausfallen“, sagt Zeilberger. „Aber schon am nächsten Tag kann es ganz anders aussehen.“ - Andreas Beez

So kann ein Schnelltest versagen: Sandra Z. - Corona-positiv erst nach zwölf Tagen

Die Nachricht in der Corona-App traf Sandra Z. (61) wie ein eiskalter Wasserguss: SARS-CoV-2 positiv! Chronik einer Corona-Infektion, die erst nach zwölf Tagen entdeckt wurde:

Tag 0: Sandra Z. besucht ein Pärchen daheim, isst mit ihnen zu Abend: „Die einzigen zwei Freunde, mit denen ich mich in den letzten Wochen traf.“

Tag 6: Das befreundete Paar hat mittelschwere Symptome und wird positiv getestet. „Diese Nachricht erreichte mich eine Viertelstunde, bevor ich meine Mutter im Altenheim besucht hätte. Gott sei Dank. Es war ein Samstag. Ich bin sofort freiwillig in Quarantäne gegangen.“

Tag 8: Sandra macht einen Schnelltest („negativ!“) und einen PCR-Test beim Arzt.

Tag 10: Auch der PCR-Test ist negativ. Nachmittags zeigt die 61-Jährige erste Symptome.

Tag 11: Sandra geht zum Arzt: Schnelltest wieder negativ.

Tag 12: Sandra scannt das Ergebnis ihres PCR-Tests in der Corona-App: Positiv! „Mir ist das Handy aus der Hand gefallen. Ein schlimmes Gefühl.“

Tage 13 bis 19: Sandra hat nur leichte Symptome, wird bald wieder fit sein. Überrascht ist sie, wie Corona die Psyche angreift: „Man misst ständig Fieber, testet den Geruchssinn, schläft schlecht.“ Erst wenn alle Symptome verschwunden sind, darf Sandra an Weihnachten die Quarantäne verlassen: „Ich bin ein Beispiel dafür, dass der Nachweis der Infektion fast zwei Wochen dauern kann. Und dass man bereits geringste Symptome ernst nehmen muss.“ dop

Rubriklistenbild: © Ole Spata/dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare