„Das tut mir in der Seele weh“

Münchner Erzieherin: Wir brauchen die Impfung! Auch Bayerischer Lehrerverband wird ungeduldig

Erzieherin Claudia Biermeier fordert Impfungen für Pädagogen.
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Erzieherin Claudia Biermeier fordert Impfungen für Pädagogen.

Enttäuscht, traurig und wütend: Der Frust bei Claudia Biermeier sitzt tief. Sie fordert Stadt und Landesregierung auf, Pädagogen früher mit dem Impfstoff gegen Corona zu versorgen.

München - Das Schreiben beginnt mit den Worten: „Ich bin enttäuscht, traurig und wütend.“ Verfasst hat es Claudia Biermeier an Münchens Stadtspitze und die Staatsregierung. Biermeier, 38, ist Erzieherin an einer Münchner* Grundschule. Und sie muss weiter auf eine Impfung warten. „Das Gesundheitsreferat hat mitgeteilt, dass erst die Gruppe 1 durchgeimpft werden muss. Falls dann Impfstoff da ist, sind wir vielleicht dran.“ Da kann Biermeier nur den Kopf schütteln.

Sie habe vollstes Verständnis, wenn ältere Menschen zuerst geimpft würden. Doch auch Erzieher und Lehrer stünden schließlich in erster Reihe – Ärzte beispielsweise hätten eine Schutzausrüstung, Erzieher aber lediglich einen Mundschutz. „Wer hält den Kopf hin? Wer versucht, für die Kinder da zu sein? Wer trocknet Tränen? Wir Erzieher und die Lehrer. Und wir müssen warten.“ Sie sei Erzieherin geworden, weil sie den Beruf liebe. „Ich kann aber derzeit den Kindern nicht gerecht werden. Das tut mir in der Seele weh“, schreibt die 38-Jährige.

„Unsere Kinder brauchen dringend wieder Präsenzunterricht“

Der Bayerische Lehrerverband fordert ebenfalls Impfungen. „Unsere Kinder brauchen dringend wieder Präsenzunterricht“, sagt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. „Damit weitere Öffnungen in allen Schulstufen und Schularten so schnell wie möglich umgesetzt werden können, muss dies im Gleichschritt mit der aktuellen Impfstrategie für das Personal an Schulen passieren.“

Fleischmann fordert anlässlich der Ministerpräsidentenkonferenz und der dann zu erwartenden konkreten Beschlüsse in Bayern: „Alle Lehrer und das gesamte Personal an Schulen müssen geimpft werden, bevor sie in den Präsenzunterricht gehen.“

München erhält ab dem zweiten Quartal 13 000 Impfdosen pro Tag

Bis einschließlich vergangenen Montag wurden von den städtischen Impfteams insgesamt rund 74 200 Corona*-Schutzimpfungen durchgeführt: Im Impfzentrum 36 200 Erst- und 6300 Zweitimpfungen sowie 17 300 Erst- und 14 400 Zweitimpfungen in den Alten- und Pflegeheimen. Darüber hinaus wurden rund 17 200 Impfdosen an Münchner Kliniken abgegeben.

Wie berichtet, soll München ab dem zweiten Quartal rund 13 000 Impfdosen pro Tag erhalten. Daher soll nicht nur das Impfzentrum erweitert werden, es sollen auch zwei bis drei weitere Standorte geschaffen werden. Das Impfzentrum ist für 7000 Impfungen ausgelegt, derzeit werden täglich 3000 Impfungen durchgeführt. Vorstellbar ist , in den Alten- und Service-Zentren zu impfen. Der Stadtrat befasst sich heute mit dem Thema. SASCHA KAROWSKI - *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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