Auf Nachfrage folgt Maßnahme

Finanzierung geklärt: Corona-Tests auf Theresienwiese wieder möglich - Einen Fehler sollten Sie vermeiden

Auf den Sturm folgte die Ruhe. Doch nun öffnen die Corona-Drive-in-Teststationen auf der Theresienwiese in München wieder. Was sich geändert hat und was Sie beachten sollten.

  • Die Coronavirus*-Drive-in-Teststationen auf der Theresienwiese in München* öffnet wieder.
  • Nach einem Streit um die Kosten ist der Freistaat Bayern in die Bresche gesprungen.
  • Die große Nachfrage führt zu einer Maßnahme - Für einen Gratis-Corona-Test gibt es etwas wichtiges zu beachten.

Update vom 3. August 2020, 15.38 Uhr: Die Nachfrage nach kostenlosen Corona-Tests ist in München groß. So groß, dass die Kapazitäten auf der Theresienwiese jetzt ausgeweitet werden. Bereits ab Dienstag werden Tests auf Covid-19 statt bisher täglich drei Stunden sechs Stunden jeden Tag durchgeführt. Die Testungen finden dann von Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr statt. Spontan sollten Sie jedoch nicht dorthin fahren: Für den kostenlosen Test ist weiterhin eine vorherige Online-Terminvereinbarung unter www.corona-testung.de notwendig.

Corona-Test gratis auf der Theresienwiese? Das müssen Sie beachten

Bei der Vereinbarung über das Online-Kontaktformular müssen persönliche Daten, die Mobiltelefonnummer und die persönliche E-Mail-Adresse angegeben werden. Die Bestätigung erfolgt per SMS und E-Mail. Wollen mehreren Personen gemeinsam zum Testen gehen, wie Familien, gilt: Jeder braucht einen eigenen Termin.

Die Coronavirus-Drive-in-Teststation auf der Theresienwiese

Neben dem bereits bekannten Drive-through-Konzept mit dem eigenen Auto, gibt es nun auch ein Walk-through, sprich man kann auch zu Fuß zum Coronavirus-Test kommen. Selbstverständlich muss auch hier die Abstandregelung sowie die Mundschutzpflicht* beachtet werden.

Vergangene Woche hatte die Teststation auf der Theresienwiese wieder eröffnet. Sie war am 2. Juli geschlossen worden, nachdem sich die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) überraschend aus dem Projekt zurückgezogen hatte. Es hatte Streit über die Finanzierung gegeben (siehe unten). Nun beteiligt sich der Freistaat Bayern an den Kosten. Die Tests seien ein „wichtiger Beitrag zur Verhinderung einer zweiten Welle“, so Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs.

Corona-Tests auf der Theresienwiese: Station öffnet wieder - mit einer Einschränkung

Update vom 19. Juli 2020, 19.10 Uhr: Die Stadt will das derzeit geschlossene Corona-Testzentrum auf der Theresienwiese bereits an diesem Donnerstag wieder in Betrieb nehmen. „Das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) plant die Wiederinbetriebnahme des zentralen Testzentrums auf der Theresienwiese mit finanzieller Beteiligung des Freistaates Bayern und in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB)“, heißt es in einer Vorlage von Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs für die Vollversammlung des Stadtrats am kommenden Mittwoch.

Die Station war geschlossen worden, nachdem sich die KVB aus dem Betrieb zurückgezogen hatte. Der Streitpunkt waren seinerzeit die Kosten - hier scheint jetzt eine Lösung gefunden zu sein: Stadt und Freistaat teilen sich die Kosten von schätzungsweise 375.300 Euro bis Jahresende. Künftig können auch Fußgänger an der Theresienwiese getestet werden.

Die Station soll zudem nur noch an fünf bis sechs Tagen pro Woche für je drei Stunden geöffnet sein. Dadurch konnten die Kosten gedrückt werden - von bisher 13.000 Euro täglich auf jetzt 2700 Euro pro Tag. mk

Kurz nach Söders Massentest-Ankündigung: Streit um Corona-Drive-in auf der Wiesn - OB Reiter „entsetzt“

Erstmeldung vom 2. Juli 2020, 18.48 Uhr: München - Zwischen der Stadt München und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern ist ein Streit über die Zukunft der Corona-Testanlage auf der Theresienwiese entbrannt. Der Disput entzündet sich an der Finanzierung und der Notwendigkeit der Teststation.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KVB) hat die Zusammenarbeit mit der Stadt bei Testungen an der Drive-in-Station auf der Theresienwiese aufgekündigt. OB Dieter Reiter (SPD) ist sauer: „Ich bin entsetzt, dass sich die KVB ohne Ankündigung zurückzieht - und das noch dazu zu einem Zeitpunkt, da der Ministerpräsident Tests für alle ermöglichen will.“

Genau dieses neue Testkonzept des Freistaats ist jedoch einer der Gründe für das Aus der Teststation. „Bayernweit ist seit 1. Juli 2020 ein Corona-Testkonzept des Freistaats gültig, dass die Testung von Patienten in den Praxen der Vertragsärzte vorsieht“, teilt die KVB mit.

Wie berichtet, bietet der Freistaat Tests für die Bevölkerung an. Eine Obergrenze pro Person gibt es nicht. Die Tests sollen von niedergelassenen Ärzten angeboten werden, die KVB übernimmt die Abrechnung, der Freistaat bezahlt.

Aus für Corona-Tests auf der Theresienwiese? „Drive-in-Station immens wichtig“

Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs sieht das kritisch: „In unserem Kampf gegen die Pandemie ist der unkomplizierte, niederschwellige Zugang zu einem Testverfahren in einer Drive-in-Station, in der die möglicherweise infizierten Personen im Auto sitzen bleiben und daher die Ansteckungsgefahr anderer minimal ist, immens wichtig.“

Doch genau diese Wichtigkeit wird von der KVB angezweifelt. „Fakt ist, dass es in den letzten Wochen praktisch so wenige Anfragen von Münchnern über die Rufnummer 116 117 gab, dass sich der Betrieb einer solchen Sonderstruktur wirtschaftlich nicht mehr gelohnt hat.“ Für die KVB hat die Station auf der Theresienwiese ausgedient: „Fakt ist auch, dass diese Sonderstruktur für den in Bayern ab dem 16. März geltenden Katastrophenfall eingerichtet worden war. Nachdem der Katastrophenfall am 16. Juni offiziell für beendet erklärt worden ist, waren Sonderstrukturen wie die auf der Theresienwiese nicht mehr notwendig.“

Bei der Stadt sieht man das anders - hier besteht Einigkeit zwischen der Reiter und der oppositionellen CSU. Deren Fraktionschef Manuel Pretzl sagt: „Ich missbillige das Verhalten der KVB. Wie kann so eine in der Pandemie wichtige Zusammenarbeit von heute auf morgen aufgekündigt werden? Und das, obwohl ein gesetzlicher Sicherstellungsauftrag durch die KVB besteht.“ Die Aufgabe, die ambulante medizinische Versorgung sicherzustellen, dürfe nicht an der Stadt hängen bleiben. „Wenn dem so wäre, ist das System an sich infrage zu stellen“, so Pretzl.

Corona-Teststation in München vor dem Aus: KVB wehrt sich gegen Vorwürfe

Die KVB hingegen findet, dass die Stadt ihr zu Unrecht den Schwarzen Peter zuschieben will. „Weil die Stadt München die Kosten für die Sonderstruktur einer Drive-in-Testung auf der Theresienwiese nicht mehr finanzieren will, wird die Schuld dafür der KVB in die Schuhe geschoben.“

So oder so - wer bereits einen Termin für einen Corona-Test auf der Theresienwiese hat, soll diesen laut Reiter noch wahrnehmen können, bevor die Station schließt. Bis einschließlich Freitag solle getestet werden. Ab Montag sollen die vom Gesundheitsreferat initiierten Tests von einem Team des beauftragten Sanitätsdienstes im Rahmen einer mobilen Entnahme durchgeführt werden. Die Stadt will jetzt zur Finanzierung der Station den Freistaat ins Boot holen.

Das Wiesn-Festzelt gibt es seit 1901 - nun ist wegen der Corona-Krise Schluss. Auch ein Oktoberfest-Ersatz hätte nicht geholfen. Aber die Wirts-Familie blickt nach vorn. Das Münchner Oktoberfest fällt in diesem Jahr zwar aus - Ende Juli startet allerdings der „Sommer in der Stadt“. Hier stellen wir die Attraktionen der Mini-Wiesn vor.

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Rubriklistenbild: © dpa / Felix Hörhager

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