„Unglaubliche Datenpanne“

Münchner lässt sich auf Coronavirus testen - statt Ergebnis bekommt er diese Auskunft

Potenzielle Corona-Patienten warten oft sehr lange auf ein Testergebnis. So ist es auch einem Münchner ergangen. Auf Nachfrage erhält er eine unglaubliche Antwort.

  • Viele Münchner unterziehen sich aus Sorge vor der Erkrankung einem Corona-Test.
  • Reibungslos verläuft die Untersuchung oftmals nicht - besonders die Auswertung.
  • Warum müssen viele Bürger so lange auf ein Ergebnis warten? Ein KVB-Sprecher nimmt Stellung.
  • Wegweiser durch unsere Corona-Berichterstattung - Außerdem die aktuellen Zahlen der Erkrankungen.

Corona-Test an der Theresienwiese: Gesundheitsamt meldet sich erneut zu Wort

Update 15. April: Das Gesundheitsamt äußert sich noch einmal detaillierter zu dem unten beschriebenen Fall eines Münchners, der sich an der Theresienwiese hat testen lassen. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: „Das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) weist erneut darauf hin, dass Personen, die positiv auf Corona getestet wurden, vom RGU schnellstmöglich telefonisch kontaktiert werden.“ 

„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten jeden Tag auf Höchsttouren daran, die uns gemeldeten positiv getesteten Personen so rasch als möglich zu kontaktieren“, sagt Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs.

Negative Testergebnisse werden nicht von Gesundheitsamt mitgeteilt

Der Ablauf sei dabei wie folgt: Das RGU erhalte Meldungen über positiv getestete Coronafälle von den testenden Laboren. Es kontaktiere die infizierte Person, ordne Quarantäne mündlich an, erfrage den Gesundheitszustand und erteile notwendige Informationen. Alle positiv Betroffenen könnten sofort rund um die Uhr bei Symptomen einen vom RGU organisierten medizinischen Dienst kontaktieren.

Und weiter stellt das RGU klar: „Negative Testergebnisse werden ausschließlich über die Hausärztin oder den Hausarzt oder über die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) mitgeteilt. Das RGU bittet daher nochmals alle Münchnerinnen und Münchner, dies zu beachten.“

Bei herrlichstem Frühlingswetter müssen sich die Menschen in München an die neuen Gegebenheiten gewöhnen - doch einige machen sich schon Gedanken über die Zeit danach.

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Corona-Tests in München: Leser berichtet von „unglaublicher Datenpanne“

Update 14. April: Nun hat sich ein weiterer Münchner bei Merkur.de und tz.de gemeldet, um seine Geschichte rund um das Testverfahren an der Münchner Theresienwiese zu erzählen. Auch in seinem Fall sei es zu einer „unglaublichen Datenpanne“ gekommen, vermutet er.

Der Mann, der seinen Namen nicht nennen will, hat sich nach eigenen Angaben gemeinsam mit seiner Freundin am 19. März an der Theresienwiese im dort eingerichteten Drive-In-Testzentrum von der Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) auf Sars-CoV-2, also auf das derzeit grassierende Coronavirus testen lassen. 

Stand jetzt, 14. April, also fast einen Monat später, haben beide immer noch kein Testergebnis bekommen - und werden wohl auch in Zukunft keines sehen. Das habe das Gesundheitsamt nach mühsamer Kontaktaufnahme bestätigt, erzählte der Getestete. Das Amt ist hier nicht verantwortlich, sondern darauf angewiesen, dass die Labore und die KVB die Daten bei einer positiven Testung an sie weiterleitet. Dass es dabei zu Pannen gekommen ist, auch was die Mitteilung von negativen Testergebnissen betrifft, hat die KVB in einem früheren Statement bereits eingeräumt (siehe unten).

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Corona-Tests an der Theresienwiese: Testorganisationen haben Ergebnisse angeblich nicht übermittelt 

Der Grund laut Gesundheitsamtsauskunft gegenüber unserem Leser: „Gerade in der Anfangsphase, insbesondere vom 18. März bis 22. März, wurden die Kontaktdaten (Telefonnummer, Adresse, Hausarzt) der getesteten Personen von den Testorganisationen nicht an das Gesundheitsamt übermittelt bzw. vergessen zu übermitteln. Daher haben bisher sehr viele Personen noch keine Rückmeldung erhalten und werden diese wahrscheinlich auch nie erhalten.“ Ähnliche Auskünfte hätten Bekannte erhalten, die auch vergeblich auf ihr Testergebnis warteten.

Drive-In-Teststation an der Theresienwiese: Getestete darf ohne Ergebnis nicht ins Büro

Man habe aber laut Amt versucht, so berichtete es der Münchner weiter, mit Hilfe des Telefonbuchs Getestete herauszufinden und zu kontaktieren. Die Namen waren ja das Einzige, was vorlag. „In der heutigen Zeit dürften das in etwa zwei bis fünf Prozent der getesteten Personen sein“, die man damit ermitteln konnte, vermutet der Leser.

Abgesehen von den Folgen, die diese Fehler für die weitere Verbreitung des Virus gehabt haben dürfte, sei das weitere Warten auf ein Ergebnis auch beruflich problematisch, sagt der Leser. „Meine Freundin darf zum Beispiel seit dem 17. März nicht mehr ins Büro. Sie darf das Gelände erst dann wieder betreten, wenn sie eine schriftliche Bestätigung erhält, die bestätigt, ihr Test war negativ.“

Corona-Tests auf Theresienwiese: Gesundheitsamt nimmt Stellung zu „Datenpanne“

Wichtig in diesem Zusammenhang ist es zu wissen, dass das Gesundheitsamt München - das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) - lediglich für die Rückmeldung bei positiv Getesteten zuständig ist. Negative Testergebnisse teilt die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) mit.

Das Gesundheitsamt München äußert sich zu dem Fall folgendermaßen: „Essenziell für eine schnelle Kontaktaufnahme ist, dass Meldungen der Labore über positiv Getestete zeitnah und vollständig beim Gesundheitsamt eingehen. In der Vergangenheit gab es häufig Labormeldungen ohne Kontaktdaten der positiv getesteten Personen. Fehlen Telefonnummer oder E-Mail muss über die einweisenden Hausärzte recherchiert werden und es kommt zu vermeidbaren Verzögerungen. 

Gesundheitsamt sagt: Etwa 90 Prozent der Getesteten sind negativ

Alle Hausärzte und die KVB wurden mittlerweile aufgefordert, die Kontaktdaten bei den Einsendungen an die Labore anzugeben. Die Labore wurden aufgefordert, diese Daten der Meldung von positiven Testergebnissen an das Gesundheitsamt beizufügen, um so den Rechercheaufwand des Gesundheitsamtes zu minimieren und eine möglichst schnelle Kontaktaufnahme sicherstellen.“ 

Und weiter teilt das RGU mit: „ Da derzeit etwa 90% der Getesteten laut KVB negativ sind, ist die große Mehrzahl der Mitteilungen durch die KVB vorzunehmen.“

Wie die Kassenärztliche Vereinigung (KVB) auf die Vorwürfe reagiert, lesen Sie weiter unten. Sie hat in einem ganz ähnlichen Fall bereits Stellung genommen.

Münchner lässt sich zwei Mal auf Coronavirus testen - weil erstes Testergebnis nie kommt

München - Seit 18. März war Markus Bauer in Quarantäne. An diesem Tag hat er sich an der Theresienwiese auf Corona testen lassen. Nun hat er endlich ein negatives Ergebnis erhalten – aber erst nach einem zweiten Test am vergangenen Samstag. „Ich weiß nicht, wohin das erste Ergebnis verschwunden ist“, sagt der 42-Jährige.

Ein Infektiologe und Oberarzt am Klinikum rechts der Isar erklärt, welche Mittel im Kampf gegen Coroana im Rennen sind und wie sie wirken.

Corona-Tests in München: Warum dauern Ergebnisse teilweise länger?

Von dem Chaos beim Virustest sind immer mehr Münchner betroffen. Inzwischen hat auch die Stadt erkannt, dass eine Lösung her muss. Grundsätzlich informiert das Gesundheitsamt, wenn der Test positiv ist – und zwar sobald dem Amt ein Ergebnis vorliegt. Über einen negativen Bescheid informiert die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB). „Ursprünglich waren fünf bis sieben Tage anvisiert. Inzwischen gab es aber auch Fälle, in denen wir erst nach acht Tagen die Befunde erhalten haben“, sagt Axel Heise, Sprecher der KVB.

So weit die Theorie – tatsächlich erreichen unsere Redaktion aber immer mehr Klagen von Lesern, die auch nach über zwei Wochen kein Testergebnis haben. „Ich habe mich bereits am 19. Februar auf Corona (Sars-CoV-2: Keine Panik - nur Fakten) testen lassen, bin seitdem in Quarantäne und habe erst jetzt mein negatives Ergebnis bekommen“, berichtet Tobias Voglgsang. Krank sei der 34-Jährige allerdings noch immer. „Ich habe Atemprobleme. Solange aber kein Ergebnis vorlag, konnte mich kein Arzt untersuchen“, erzählt er.

Warten auf Corona-Ergebnis: In den Verfahren können Fehler lauern

Wo liegt das Problem? „Vor allem an der schieren Zahl der Patienten“, sagt Heise. Seit dem 2. März hat die KVB in Bayern über 43.000 Abstriche entnommen. Aufgrund der Menge an Tests könne man nicht ausschließen, dass im Laufe des Verfahrens Fehler passieren. Das kann schon bei der Aufnahme der Patientendaten geschehen oder auch im Labor.

Bei strahlendem Sonnenschein zieht es viele Münchner in die Sonne. Nicht alle halten sich dabei an die derzeit geltenden Regeln, wie ein kurioses Foto belegt.

Bei herrlichstem Frühlingswetter müssen sich die Menschen in München an die neuen Gegebenheiten gewöhnen - doch einige machen sich schon Gedanken über die Zeit danach.

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Rubriklistenbild: © dpa / Sven Hoppe

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