Geld wichtiger als Genesung?

Coronavirus: Pflegerin rechnet nach Kündigung mit Münchner Klinik ab - „Prinzip gefährdet die Patienten“

Eine Pflegerin versorgt in Aachen auf der Intensivstation des Luisenhospitals einen Coronavirus-Patienten.
+
Das Coronavirus in Deutschland sorgt weiterhin für überfüllte Intensivstationen.

Nach sieben Jahren als Pflegerin hat Lea Vinojcic ihren Job hinter sich gelassen und über die Zustände gesprochen, die offenbar in vielen deutschen Krankenhäusern herrschen.

München - Nicht erst während der Corona-Pandemie hat sich gezeigt: Die Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen sind teils katastrophal. Nicht zuletzt deshalb gibt es einen enormen Mangel an Pflegekräften.

Lea Vinojcic hat ihren Job als Pflegerin im Krankenhaus Harlaching kürzlich gekündigt. In einem Interview mit der Abendzeitung rechnete sie nun mit ihrem Berufsalltag dort ab, der jedoch für die Branche üblich sei. „Ich bin Krankenpflegerin geworden, weil ich den Leuten helfen wollte. Aber es ist keine Hilfe, wenn man selber krank wird. Der Beruf hat mir eine Depression beschert“, erklärt Vinojcic.

Die Depression habe sie schon zuvor gehabt, Corona jedoch habe die Lage verschlimmert. Seit der ersten Welle habe sich nichts daran verändert. Die Pandemie sei zwar eine Ausnahmesituation, aber sie habe keine Hoffnung auf Besserung nach der Krise.

München: Patientenwohl zweitrangig? Krankenschwester erhebt Vorwürfe

Problematisch sei beispielsweise, dass weder Pfleger:innen noch Ärzt:innen entscheiden dürften, ob jemand entlassen wird oder bleiben sollte. Da werde „in erster Linie auf das Geld geschaut“. Von einer Verlegung werde deshalb oft abgesehen, selbst wenn ein anderes Krankenhaus bessere Behandlungsmöglichkeiten bieten würde. „Das Prinzip der Fallpauschalen, das alles nur auf das Geld reduziert, gefährdet die Patienten“, erklärt Vinojcic. Demnach müssten sich die beiden Kliniken das Geld für den oder die Patient:in teilen. „Unter solchen Bedingungen will ich niemandem helfen, das ist keine Hilfe“, lautet das Fazit der Ex-Pflegerin.

Allerdings sei dies kein Einzelfall, sondern in allen Krankenhäusern üblich. Aktuell gebe es fast 200.000 Diplom-Pflegekräfte in Deutschland, die den Beruf verlassen haben. „Und nach Corona werden noch mal so viele Leute diesen Beruf verlassen, da bin ich mir eigentlich sicher“, sagt Vinojcic, die nun in einer Klinik in Berlin als Krankenschwester Frühschichten übernimmt und nebenher eine Ausbildung zur Fitness-Trainerin macht.

München-Newsletter: Alle München-News frisch für Sie kostenlos per Mail zusammengestellt! Melden Sie sich sofort an!

Auch interessant

Kommentare