Erlebnisbericht aus drei Schulen

Selbsttest als Schulaufgabe in und um München: Lehrer finden‘s „fragwürdig“ - doch wie funktioniert das Konzept?

Für Münchens Schüler zählt nun auch der Corona-Selbsttest zum Tagesablauf. Zumindest zweimal in der Woche. Wie läuft dieses neue Pflichtfach? Wir haben uns umgehört.

München - Die wichtigste Aufgabe des Tages erwartete die Schüler in München* und im Umland am Montag schon vor der ersten Stunde: der Corona*-Selbsttest. Nur wer ein negatives Ergebnis vorzeigen konnte, durfte bleiben. Zwei Tests pro Woche sind für den Präsenzunterricht nun Pflicht. Eine riesige Herausforderung für das Lehrpersonal. Martin Schmid, Vorsitzender des Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (MLLV) kritisiert, die Selbsttests seien „medizinisch fragwürdig“ und „pädagogisch unverantwortlich“. Wie der erste Testtag an drei unserer Schulen lief, lesen Sie hier. 

Corona-Tests an der Grund- und Mittelschule Hausham

Rund 160 Kinder und Jugendliche haben sich in der Haushamer Grund- und Mittelschule selbst auf Corona getestet. Auf der einen Seiten sei der erste Tag relativ entspannt verlaufen, berichtet Rektor Markus Rewitzer. „Das Testen lief ruhig in den Klassen ab und wir hatten zum Glück auch keinen Positivfall.“ Andererseits habe die Schule aber mit der Problematik zu kämpfen, dass einige Eltern strikt gegen das Testen sind. Pro Klasse haben am Montag ein bis zwei Kinder und Jugendliche gefehlt.

Bei den Tests*, die nicht in der Schule durchgeführt werden, ist wichtig zu prüfen, dass sie immer aktuell sind, erklärt Rewitzer. Bei einer Inzidenz von unter 100 dürfen die Tests 48 Stunden alt sei, sobald die Inzidenz über 100 springt, sind die Ergebnisse nur noch halb so lang gültig.

Das Testen findet in der Schulen in Hausham immer morgens in der ersten Stunde statt. „Je nach Anzahl der Schüler dauert der Prozess etwa eine halbe Stunde - mindestens“, sagt Rewitzer. Auch wenn das Testen mehr Präsenzlehre ermöglicht, bedauert der Schulleiter, dass dadurch Zeit verloren geht.

Geschafft: Laura hat nach dem Corona-Selbsttest ein negatives Ergebnis bekommen und darf am Unterricht der Grund- und Mittelschule Hausham teilnehmen.

Corona-Tests im Gymnasium in Oberhaching

Am Gymnasium in Oberhaching herrscht an diesem Morgen früh Trubel. Im Mehrzweckraum treffen sich 39 Eltern, die in den Klassen mithelfen bei den Corona-Selbsttests. Der stellvertretende Schulleiter Johannes von der Forst geht durch die Räume, öffnet hier noch ein Fenster und da noch eine Tür. „Gerade in den ersten Tagen ist das alles neu. Wenn sich das eingespielt hat, schaffen wir das allein“, sagt er. Zumal laut Kultusministerium die Lehrer nun auch verpflichtet sind, die Selbsttests zu überwachen.

Die Handgriffe der Schüler beim Testen sind noch langsam, keiner will einen Fehler machen. Dass am Ende niemand positiv ist, darüber sind aber alle froh. Was in so einem Fall passiert, darüber hat sich Johannes von der Forst mit den Kollegen vorab lange Gedanken gemacht und ein eigenes Konzept erarbeitet. Die Schulsozialpädagogen stehen an diesem Montag bereit. Im positiven Fall betreuen sie das betroffene Kind, die Eltern werden informiert. Auch in der Klasse soll darüber gesprochen werden. „Das alles ist schon eine organisatorische Herausforderung“, sagt von der Forst.

Die erste Schulaufgabe des Tages: Im Max-Born-Gymnasium in Gemering wird morgens in der Nase gebohrt.

Corona-Tests am Max-Born-Gymnasium in Germering

An die große transparente Kunststoff-Kiste müssen sich die Schüler gewöhnen. Bestückt mit Desinfektionsmittel, einer Küchenrolle, Handschuhen, Müllbeutel und den Corona-Selbsttests wird sie zur neuen Begleiterin der Abiturienten am Max-Born-Gymnasium in Germering. Bevor der Unterricht beginnt, müssen sich alle selbst auf das Coronavirus testen. Bei den Schülern von Lehrerin Katja Bühler läuft am Montagmorgen alles so wie es soll. Alle sind negativ.

Bühler und ihre Kollegen haben sich in den vergangenen Tagen ordentlich ins Zeug gelegt, berichtet Schulleiter Robert Christoph. Insgesamt haben sie 40 Test-Kisten zusammengestellt. „Die Kollegen haben viel Zeit und Energie investiert“, sagt der Direktor.

Wie Katja Bühler, die mit einem Kollegen das Test-Team leitet, ist auch Robert Christoph froh, dass noch nicht alle Schüler zum Unterricht vor Ort erscheinen. Das mache die Einführung der Schnelltests ein wenig unkomplizierter. Diejenigen, die kommen dürfen, sind froh über das neue Angebot. Es gebe mehr Sicherheit, meint Abiturient Oscar Becker. (Tobias Gehre, Doris Richter, Luisa Billmayer) *tz.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Thomas Plettenberg

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