Besonderer Effekt in Rush Hour

Auch dank Corona: Stau-Niveau in München deutlich gesunken - Experten verbinden Entwicklung mit einer Forderung

Auf dem Münchner Ring stauen sich im Abendverkehr in beide Richtungen Fahrzeuge.
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Fahrzeuge wohin das Auge reicht: Der Ring ist nur eine der staugefährdeten Verbindungen in München.

In München reiht sich für gewöhnlich in Hauptverkehrsstraßen Fahrzeug an Fahrzeug. Doch im vergangenen Jahr sank das Stau-Niveau beträchtlich. Jetzt sollte keine Zeit verloren werden, empfehlen Experten.

München - Weniger Verkehr auf den Straßen, leere U-Bahnen* und Busse: Die harten Lockdowns im Frühjahr (23. März bis 19. April) und Winter 2020 haben auch die Mobilität der Menschen beeinflusst. Nach Angaben von TomTom, einem Spezialisten für Navigationssysteme, sank das Stau-Niveau 2020 in München* im Vergleich zu 2019 von 30 auf 24 Prozent. Aufs ganze Jahr gerechnet bedeutet dies, dass Pendler einen Zeitverlust von 94 Stunden hinnehmen mussten. 2019 waren es noch 131.

Gravierend war der Rückgang während der Rush Hour. Lag der durchschnittliche Zeitverlust 2019 morgens bei 54 Prozent, waren es im Vorjahr 38 Prozent. Abends reduzierte sich das Stau-Niveau von 60 auf 43 Prozent. In Zeitverlust übersetzt heißt das, dass Autofahrer 2019 für eine Fahrt, die ohne Verkehrsbehinderungen 30 Minuten dauert, morgens 46 und abends 48 Minuten benötigten. 2020 waren es 41 beziehungsweise 43 Minuten.

Stau-Niveau in München geht zurück: Experten sehen Verbindung zu Corona-Pandemie

Die größten Staufallen sind übrigens die Rosenheimer-, Prinzregenten-, Schleißheimer- sowie die Wasserburger Landstraße. Am meisten Verkehr herrscht donnerstags zwischen 17 und 18 Uhr. Der staureichste Tag 2020 war am 26. Oktober. Hier betrug das Stau-Niveau ganztägig 49 Prozent. Kein Zufall, denn an diesem Montag war MVG-Streik.

„Der Rückgang des Stau-Niveaus lässt sich eindeutig mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie* in Verbindung bringen“, folgert TomTom. Denn die Zahl der Pendler nimmt seit Jahren kontinuierlich zu, und auch in der Stadt selbst ist 2020 die Anzahl der zugelassenen Pkw abermals um 14.554 angestiegen.

Video: Stau auf der Autobahn - darf man einfach wenden?

Stau-Niveau in München geht zurück: Effekt wird wohl nicht von Dauer sein

Nach Auffassung von TomTom zeigen die Daten, dass flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und die Möglichkeit von Online-Meetings statt Geschäftsreisen dazu beitragen, mit alten Verkehrsmustern zu brechen. Die neue Arbeitswelt könne in Städten wie München mit hohem Pendleranteil einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Verkehrsbelastung zu verringern.

Ralf-Peter Schäfer, Vize-Unternehmenschef von TomTom, warnt aber davor, von einer Trendwende zu sprechen: „Wir werden in den nächsten Monaten erleben, dass das Verkehrsaufkommen wieder zunehmen wird.“ Dennoch sei jetzt die richtige Zeit für Stadtplaner, politische Entscheidungsträger und Arbeitgeber, Maßnahmen zu überlegen, um die Straßen in Zukunft zu entlasten. (Klaus Vick) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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