Labore sind überlastet

Corona in München: Dauer-Chaos bei Viren-Tests - Ärzte-Vereinigung räumt Pannen ein

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Eine Frau beim Test-Abstrich.

Das Coronavirus bringt das öffentliche Leben in München zum Erliegen. Seit mehr als zwei Wochen gelten in Bayern Ausgangsbeschränkungen. Labore sind aufgrund der riesigen Nachfrage nach Corona-Tests teilweise überfordert.

  • In Bayern gilt wegen des Coronavirus* eine Ausgangsbeschränkung, sie ist bis zum 19. April befristet.
  • Angesichts der großen Zahl von Corona-Tests, herrschen bei den Labors teilweise chaotische Verhältnisse. 
  • Wie viele Menschen in München sind wirklich mit dem Coronavirus infiziert? Eine ab Sonntag (5. April) durchgeführte Studie soll Aufklärung bringen.
  • Hier finden Sie unseren Wegweiser zur Berichterstattung und die Corona-News aus Deutschland. Außerdem finden Sie hier aktuelle Fallzahlen in Bayern als Karte**. Derzeit gibt es die folgenden Empfehlungen zu Corona-Schutzmaßnahmen.
  • Oberbayern hält in der Coronavirus-Krise zusammen: Tragen Sie hier Ihr Restaurant oder lokales Unternehmen* mit seinem Corona-Service ein. Vom Lieferservice bis Abholdienst bis zur Dienstleistung.

Der Arbeitgeber sitzt ihnen im Nacken, sie bekommen keine Behandlung beim Hausarzt oder sie sind einfach nur verunsichert: Rund ein Dutzend Leser haben sich nach dem Artikel in der Mittwochsausgabe bei der tz gemeldet. Auch sie warten wie Martina W. (55) nach langer Zeit noch immer auf das Ergebnis ihres Corona-Tests. Es scheint, als seien etliche Bürger von Pannen in den völlig überlasteten Laboren, Gesundheitsämtern und bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) betroffen.

Lesen Sie auch: Im MVZ-Labor Poing werden täglich etwa 500 Testabstriche auf das Coronavirus untersucht. Weil auch hier medizinisches Material knapp wird, gab‘s ein ungewöhnliches Tauschgeschäft.

Coronavirus-Krise in München: Ärzte-Vereinigung räumt Pannen ein

Auf erneute Nachfrage der tz räumt die KVB zumindest ein, man könne „nicht ausschließen“, dass Proben auch verschwinden. In der schriftlichen Mitteilung heißt es weiter: „Bei annähernd 40 000 Tests via Corona-Fahrdienst und in den Abstrichzentren in den vergangenen vier Wochen sind Fehler kaum zu vermeiden.“ Die KVB sei im übrigen nicht alleine verantwortlich. Fehler könnten beispielsweise auch bei der Aufnahme der Patientendaten passieren, bei der Abstrichentnahme durch den Arzt oder etwa bei der Übermittlung der Daten vom Labor an die KVB.

In den Laboren werden täglich Tausende Tests ausgewertet

Für gewöhnlich melde sich das Gesundheitsamt bei einem positiven Test, bei einem negativen Test sei das ihre Aufgabe, erklärt die KVB. „Dies dauert derzeit leider in etwa fünf bis sieben Tage, ehe die Patienten ein Testergebnis mitgeteilt bekommen“, heißt es. Von sieben Tagen können die betroffenen Leser nur träumen: Die meisten von ihnen warten bereits 14 Tage oder länger auf ihr Ergebnis. Offenbar kommen die Disponenten mit den Anrufen nicht hinterher – oder aber die Proben können womöglich nicht mehr zugeordnet werden. Viele Betroffene haben die Hoffnung aufgegeben. „Ich gehe davon aus, dass ich das Ergebnis nie erfahren werde“, sagt beispielsweise Redakteurin Hanna R., die seit drei Wochen vergeblich wartet.

Betroffen: Stephanie P. (26)

Das Test-Chaos kann auch richtig gefährlich werden, wie die Münchnerin Stephanie P. (26) schildert. „Ich hatte nachweislich Kontakt zu einer infizierten Person und habe seit zwei Wochen durchgehend Fieber. Aber solange mein Ergebnis nicht vorliegt, dürfen mich die Hausärzte noch nicht einmal untersuchen!“ Dieses Problem hatte auch Viktoria M. (26), die nach einem Urlaub im Zillertal Husten, Fieber, Kopfschmerzen und Druck auf der Brust bekam. „Es hieß immer: kein Arztbesuch ohne Ergebnis.“ Erst nach mehreren Telefonaten kam ein Arzt des Bereitschaftsdienstes zu ihr nach Hause, der eine Lungenentzündung ausschloss und lindernde Medikamente verschrieb. „Wäre ich nicht so hartnäckig gewesen, wäre der nie gekommen.“

Coronavirus-Krise in München: Betroffene hängen in der Luft 

Alle Betroffenen hängen in der Luft. Ein weiteres Problem: Der Arbeitgeber will wissen, ob sein Mitarbeiter wieder arbeiten darf oder nicht. So wie bei Paul Brunner, der seit knapp zwei Wochen ausharrt (Name geändert): „Ich arbeite bei der Polizei, die gesamte Dienststelle wartet.“ Falls der Test positiv sei, „hätte sich das Virus dort schon weit verbreitet“.

Viele Münchner leiden unter dem Test-Chaos, die Kassenärztliche Vereinigung Bayern betont aber: „Ein massenhaftes Verschwinden von Proben können wir ausschließen. Wir haben Kenntnis davon, dass leider Patienten erst nach 14 Tagen ein Testergebnis bekommen haben. Dann ist die Erkrankung in der Regel meist ausgeheilt. Zur Sicherheit sollte der Patient dann telefonisch mit seinem Hausarzt das Vorgehen besprechen, wenn seitens des Arbeitgebers Skepsis vorherrscht.“

Das gilt freilich nur, wenn das Ergebnis überhaupt irgendwann kommt …

Nina Bautz

Lesen Sie auch: Corona in Bayern: Söder-Appell an Bevölkerung in neuer Videobotschaft - „Ich habe eine Bitte“

Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Einschränkungen belasten die Menschen in München. Doch viele sorgen mit rührenden Aktionen für Hoffnung - so auch Lukas (9) aus Schwabing, der täglich seine Nachbarschaft begeistert.

*Merkur.de/tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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