Grenzschließungen 

Coronavirus: Chaos bei der Pflege - Münchnerin sorgt sich um Betreuung ihrer Mutter

Bettina Diehl München
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Bettina Diehl hofft, dass ihre 95-jährige Mutter Anna weiter versorgt wird

Die Corona-Krise hat auch schwere Auswirkungen auf die Pflegesituation in Deutschland. Viele Kräfte können wegen der Grenzschließungen nicht mehr ins Land. Auch Bettina Diehl aus München ist in großer Sorge um die Betreuung ihrer Mutter.

  • Das Coronavirus* belastet die Pflegesituation in Deutschland.
  • Die Münchnerin Bettina Diehl sorgt sich um ihr 95-jährige Mutter.
  • Die Pflegeagentur findet wegen der Krise kein Personal.

München - Es fehlt das Personal, die Belastung im Job ist extrem: Schon jetzt hapert’s, wenn’s um die ambulante Pflege in Bayern geht. Etwa 52500 Beschäftigte kümmern sich um Alte und Kranke, die zu Hause leben. Doch die Mitarbeiter sind am Limit – und werden immer weniger. Die Pflegekassen haben jetzt einen finanziellen Rettungsschirm aufgespannt, mit dem Heimen und Pflegediensten geholfen werden soll: Allein 280 Millionen Euro werden für Sachmittel (etwa Schutzausrüstung) einkalkuliert. Wie kritisch die Lage in der Pflege derzeit ist, zeigt dieser Fall, in dem eine 95-jährige Münchnerin vermutlich bald keine Pflegerin mehr hat. Denn die zuständige Pflege-Agentur bekommt keine Mitarbeiter mehr…

Grenzschließungen - Pflegerinnen können nicht einreisen

Die Mutter von Anna Diehl ist 95 Jahre alt und auf Hilfe angewiesen.

Nachts, wenn Bettina Diehl (alle Namen geändert) wach liegt, tauchen diese Bilder auf: Wie ihre 95-jährige Mutter Anna die Treppe herunterfällt oder über den Teppich stolpert und hilflos auf dem Boden ihres alten Hauses liegt. Die 65-jährige Münchnerin sorgt sich, dass sie wegen der Corona-Krise bald ohne Pflegerin für ihre Mutter dasteht. „Wie soll das weitergehen?“ Das Problem: Für gewöhnlich wechseln sich die beiden rumänischen Pflegerinnen, die ihr die Agentur Vis-à-Vis24 vermittelt hat, alle drei Monate ab. Die eine kümmert sich hier in München um die alte, allein lebende Dame, die nach einem Schlaganfall eingeschränkt ist, einen Herzschrittmacher hat und an Bluthochdruck leidet. Die andere verweilt währenddessen bei der Familie in Rumänien. Zum Monatsende stünde wieder ein Wechsel an. Aber die eine Pflegerin kommt wegen der Grenzschließungen nicht aus Deutschland raus, die andere kann nicht einreisen. 

„Mein Glück ist, dass die aktuelle Pflegerin, die ein echtes Goldstück ist, erst einmal noch weiterarbeitet“, erzählt Bettina Diehl. „Aber sobald die Grenze doch einmal aufmachen sollte oder es ein Problem in ihrer Familie gibt, geht sie sofort wieder in die Heimat – was ich verstehe.“ 

Münchnerin in Sorge um Betreuung ihrer Mutter

Früher oder später steht die Münchnerin wohl ohne eine Fachkraft für ihre Mutter da. „Und das in Zeiten, wo ich mich wegen der Ansteckungsgefahr ja nicht einmal selbst um meine Mutter kümmern soll …“ 

Weitere Geschwister hat die Münchnerin nicht, auch ein Enkelkind gibt es nicht, das sich kümmern könnte. Zudem braucht ihre Mutter intensive Betreuung,das könnte die Ärztin gar nicht leisten – selbst wenn sie das Kontaktverbot missachten würde … Die Vorstellung, mitdem Problem nicht allein dazustehen,ist für Bettina Diehl schlimm: „Bald werden viele Senioren allein in ihren Betten liegen und sind ihrem Schicksal überlassen …“

Die Corona-Krise hält die Landeshauptstadt München weiter in Atem. In unserem News-Ticker informieren wir Sie über die aktuellen Entwicklungen.

Sie vermitteln die Helfer

Carmen und Jan Roth betreiben die Agentur Vis-à-Vis24 GmbH&Co. KG, die in München und Augsburg Pflegekräfte für die häusliche Betreuung vermittelt. „Die Corona-Krise wird sich massiv auf den Pflegebereich auswirken“, warnt Prokurist Jan Roth. Das Familienunternehmen hat 200 Kunden, die von Betreuungskräften aus Kroatien, Rumänien, Polen und Bulgarien versorgt werden. Das Modell: Eine Betreuerin lebt zwei bis drei Monate bei einem Pflegebedürftigen, dann wird gewechselt. Seit der Grenzübertritt eingeschränkt ist, „versuchen wir, ihre Abreise nach hinten zu schieben. Aber wie lange geht das noch?“, fragt Roth und fordert die Politik auf, Pflegebedürftige und ihre Helfer nicht allein zu lassen: „Auch diese Berufe sind systemrelevant!“

Das Coronavirus sorgt für weitreichende Beschränkungen im gesellschaftlichen Leben. Veranstaltungen sind erst einmal abgesagt. In ganz Deutschland herrschen Kontaktverbote.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

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