Obdachloser (49) stirbt in Münchner Haftzelle - Todesfall wirft Fragen auf

Obdachloser (49) stirbt in Münchner Haftzelle - Todesfall wirft Fragen auf

Keine Chance auf Sicherheitsabstand

Mitten in der Corona-Krise: Zugausfall sorgt für völlig überfüllte Bahn - Fahrgast schlägt Alarm

+
Sicherheitsabstand sieht anders aus: Auf dem Bahnsteig bleibt nach dem Zugausfall nicht mehr viel Platz.

Wegen der Corona-Pandemie sind die öffentlichen Verkehrsmittel nicht mehr so immens nachgefragt. Völlig überfüllte Züge gibt es dennoch. Und der Sicherheitsabstand wird zur Farce.

  • Auch in der Corona-Krise sind zahlreiche Pendler auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen.
  • Dort kann es immer mal zu Ausfällen kommen.
  • Eine Leserin erlebte deshalb eine wahre Tortur.

München - Abstand halten! Beim Schutz gegen Corona gilt das als eine der wichtigsten Regeln, mindestens 1,50 Meter sollten zwischen zwei Personen sein. Deshalb wird Nicole Press nicht so schnell vergessen, wie sich ihr Weg in die Arbeit nach München zu einem Horrortrip entwickelt hat. Eine Tortur, bei der sie letztlich mit wildfremden Menschen in ein Taxi gequetscht wurde. Das alles wäre für Press vermeidbar gewesen, wenn die Bahn besser informiert hätte. Und früher.

Lesen Sie auch: „Was für eine Verarsche“: Fotos aus der S3 zeigen Corona-Wahnsinn in München

Nicole Press pendelt täglich. Sie kritisiert, dass die Bahn schlecht informiert hat.

„Ich kann nicht verstehen, warum das nicht passiert ist“, sagt die 37-Jährige, die in der LMU-Zahnklinik arbeitet. Um dorthin zu kommen, pendelt die Arzthelferin von Pfaffenhofen in die Stadt. So auch am vergangenen Freitag, als ganz viel unrund gelaufen ist. Gegen 7.30 Uhr bleibt ihr Zug stehen, alle müssen in Dachau in die S-Bahn umsteigen - wegen einer Störung im Stellwerk. Die Folge: Menschenmassen drängen sich erst auf dem Bahnsteig, dann im Waggon. Press fühlt sich unwohl, versteht aber auch, dass es mal zu einem Zugausfall kommen kann.

Corona-Krise in München: Auf dem Rückweg die gleiche Tortur

Der Albtraum geht in der S-Bahn weiter: Die Menschen müssen eng ­beieinander sitzen oder stehen, können keinen Abstand einhalten.

Ihr Verständnis hört allerdings auf, als sie mittags den ganzen Ärger wieder hat. Die Strecke blieb weiter gesperrt. „Dazu gab es aber keine Informationen.“ Die 37-Jährige hatte extra in der Bahn-App nachgeschaut. „Darin hieß es, dass der Zug nach Pfaffenhofen fährt.“ Und auch am Bahnsteig wird die Verbindung angezeigt. „Bis zehn Minuten vor der Abfahrt.“

Dann geht es für Press wieder in eine überfüllte S-Bahn. Diese endet aber diesmal in Allach, Schienenersatzverkehr (SEV) kommt zum Einsatz. „Der bestand aus Taxis, die bis unters Dach voll mit Menschen waren.“ In Corona-Zeiten undenkbare Zustände. „Es war ein Martyrium.“

Corona-Krise in München: Brandanschlag soll für Gleissperrungen gesorgt haben

Wäre sie besser informiert gewesen, hätte sich Press nach der Arbeit abholen lassen. Die Bahn verweist auf die Umstände: Laut der Polizei gab es einen Brandanschlag auf das Stellwerk in Allach, der Staatsschutz ermittelt. Deshalb waren zwei von vier Gleisen gesperrt.

60 Taxis und drei Busse fuhren im SEV. „In Taxis darf der Mindestabstand von 1,50 Meter unterschritten werden, wenn es nicht möglich ist, diesen einzuhalten“, sagt die Polizei. Beruhigend ist das nicht…

Auch an und in den Taxis, die letztlich zum Einsatz kamen, wurde es eng.

Normalbetrieb erst ab 18. Mai

Eigentlich, sagt Nicole Press, funktioniere der Zugverkehr zwischen Pfaffenhofen und München gut, es gebe auch in Stoßzeiten ausreichend viele Verbindungen. In der Corona-Krise „hat die Bahn aber auf einen Zug pro Stunde reduziert“, erzählt die Pendlerin.

Das bleibt auch erst einmal so. Das Verkehrsministerium fährt den Betrieb in S-Bahnen, Zügen und Bussen erst am 18. Mai wieder auf Normalbetrieb hoch. Langzüge und Busse sollen die Passagierdichte entzerren. Diese kann vor allem in München schnell extrem werden - wie der Fall von Press zeigt…

Ab Montag, 27. April, gilt die Maskenpflicht auch in München – in Supermärkten, Geschäften und im Öffentlichen Nahverkehr müssen Mund und Nase verdeckt sein.

Was ist während der Ausgangsbeschränkung erlaubt und was ist verboten? Wir erklären es. Der Bußgeldkatalog bei Verstößen gegen die Verordnungen hat es in sich.

In diesem Artikel erklären wir, wo Sie sich testen lassen können und wie so ein Test aussieht. Und was würde uns bei einer Ausgangssperre blühen? Das verraten wir hier.

Ab Montag gilt die Maskenpflicht, die Gastronomen machen auf ihre missliche Lage aufmerksam: der Corona-News-Ticker für die Landeshauptstadt München.

Nadja Hoffmann

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Ehestreit in München eskaliert: Frau wegen versuchter Tötung in Untersuchungshaft
Ehestreit in München eskaliert: Frau wegen versuchter Tötung in Untersuchungshaft
München: Wegen falschem Mundschutz-Tragen: Rassismus-Skandal in der U-Bahn - „Blöder Asiate!“
München: Wegen falschem Mundschutz-Tragen: Rassismus-Skandal in der U-Bahn - „Blöder Asiate!“
Mandeln im Sommer verkaufen? Standl-Betreiberin will sich vor Corona-Ruin retten - und darf nicht
Mandeln im Sommer verkaufen? Standl-Betreiberin will sich vor Corona-Ruin retten - und darf nicht

Kommentare