Tagescafé eröffnet im Sommer

„Cotidiano“: Nachbarn freuen sich über neues Leben in der Maxburg

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„Der Standort hier hat unglaublich viel Charme“, findet Theodor Ackbarow.

Obwohl im Herzen der Stadt gelegen, ist die Maxburg nicht jedem ein Begriff. Jetzt bekommt das Ensemble aus den 50ern gastronomischen Zuwachs: Im Sommer wird das „Cotidiano“ hier eröffnen – und neues Leben in den verschlafenen Hof bringen, so die Hoffnung der Nachbarn.

München - Unverputzte Wände, Betonboden, freigelegte Kabel und Leitungen – all das lässt an einen Neubau denken. Nur ein paar Tapetenreste zeugen von der Gemütlichkeit vergangener Tage. Wo lange Jahre das wie ein Wiener Kaffeehaus anmutende Café Tizian beheimatet war, ist seit einiger Zeit Baustelle. Aber: Nach zwei Jahren Leerstand tut sich endlich etwas im Haus Maxburgstraße 4 in der Innenstadt. Im Sommer soll hier, nahe dem Lenbachplatz, ein weiteres „Cotidiano“ eröffnen – ein Tagescafé, das bereits am Gärtnerplatz und in Schwabing gut funktioniert. „Der Standort hier hat unglaublich viel Charme“, schwärmt „Cotidiano“-Chef Theodor Ackbarow.

Die Neue Maxburg ist ein 50er-Jahre-Juwel mitten in der Innenstadt, das aber erstaunlich wenige kennen – oder mit unangenehmen Gerichtsterminen in Verbindung bringen: Das Gebäude zwischen Maxburg- und Pacellistraße beherbergt neben Geschäften und Gastronomie im Erdgeschoss auch Teile des Amtsgerichts und des Landgerichts in den oberen Etagen. Die renommierten Architekten Sep Ruf und Theo Pabst erbauten den Komplex ab 1954. Aus Rufs Feder stammen unter anderem der Kanzlerbungalow in Bonn und das Olaf-Gulbransson-Museum am Tegernsee.

An der Stelle des Areals in München stand vor dem zweiten Weltkrieg die Herzog-Max-Burg. Die Wittelsbacher hatten die Palastanlage im 16. Jahrhundert gebaut. Übrig ist nur noch der Renaissanceturm an der Pacellistraße. Den Innenhof der heutigen Maxburg säumen Flachbauten mit dunklen Fensterreihen. An der Stirnseite soll das Cotidiano einziehen.

„Darauf freuen wir uns schon sehr“, sagt Tina Umbach, die gleich nebenan das exklusive Fahrradgeschäft „Stilrad“ betreibt. Die Maxburg liege im „Dornröschenschlaf“, findet sie. „Das ist hier schon etwas Besonderes, aber es fehlt ein einheitliches Konzept.“ Tatsächlich sind die Geschäfte bunt zusammengewürfelt: Einerseits findet man hier noch das „Münchner Puppenstuben- und Zinnfigurenkabinett“ und den seit den 50er-Jahren unveränderten „Krawatten Hoff“ – charmante, aus der Zeit gefallene Liebhaber-Läden. Andererseits siedeln sich auch moderne Shops an: Der schicke Showroom von Stilrad machte 2011 den Anfang, seitdem ist das „Barber House“ hinzugekommen, ein Männer-Friseursalon im Retro-Stil, und der „Room to Dream“, ein hübscher Einrichtungsladen mit bezahlbaren Designerstücken.

„Das wird bestimmt eine Bereicherung“

Auch „Room to Dream“-Inhaberin Sabine Stadtherr hofft, vom neuen Café profitieren zu können. Sie sagt: „Wir haben hier ein kleines Paradies, das nur ein bisschen wachgeküsst werden muss.“ Als vor einem Jahr in der Maxburg das Lokal „Herzog“, das zum Lehnbachplatz hin liegt, eröffnete, habe das das Ensemble bereits belebt. „Wenn jetzt hinten noch ein neues Konzept hinzukommt, wird das bestimmt eine Bereicherung.“ Der Freistaat Bayern – dem die Immobilie Maxburg gehört – habe „ein gutes Händchen bewiesen“ mit der Vermietung ans Cotidiano, das ein zeitgemäßes Konzept und eine verjüngte Kundschaft verspricht.

Dieter Knauer, Geschäftsführer der Immobilien Freistaat Bayern, sagt: „Mit der Neuvermietung an das Cotidiano erwarten wir uns durch die ganztägigen Öffnungszeiten und das bereits in München erprobte Konzept durchaus eine Aufwertung der Maxburg.“

Das Tagescafé soll ab Juni oder Juli von 7.30 Uhr bis Mitternacht geöffnet haben, so der Plan. „Bei uns können die Leute dann gleich nach der Scheidung ihren ersten Kaffee trinken“, sagt Theodor Ackbarow mit einem Augenzwinkern. Das Cotidiano will den ganzen Tag über eine Anlaufstelle sein – angeboten werden eine reichhaltige Frühstücksauswahl, Kaffee und Kuchen sowie abends leichte Gerichte, etwa Gemüse und Fisch vom Grill. 130 Sitzplätze soll es geben – im sonnigen Innenhof sollen noch mal so viele hinzukommen. Ein guter Draht zur Umgebung ist Ackbarow wichtig: „Unsere Cafés sind immer nachbarschaftlich orientiert, auch hier wollen wir gerne mit den Nachbarn kooperieren.“

Mehr als eine Million Euro muss die Cotidiano GmbH in das neue Objekt investieren. Aber das sei es wert, findet Ackbarow. „Wir sind hier umgeben von Stachus, Theatinerstraße und Lenbachplatz – so viel Trubel und mittendrin diese kleine Oase.“

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