Tausende Homosexuelle feiern ein buntes Fest

Christopher Street Day: Heute ist München Stadt der Liebe

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Partnerlook: Oliver Knauer (li.) und Manuel Bauer.

München - Familie ist, was wir draus machen! Unter diesem Motto steht der Christopher Street Day (CSD) in diesem Jahr. Um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen, starten Tausende CSD-Teilnehmer am heutigen Samstag um 12 Uhr eine große und vor allem bunte Politparade.

Der Marienplatz wird zum Regenbogen-Farbenmeer. Unsere Karte rechts zeigt die genaue Streckenführung. Zuvor richtet Oberbürgermeister Dieter Reiter, der die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen hat, seine Grußworte an die CSDler. Gerade jetzt steht die Gleichstellung von Schwulen und Lesben wieder weltweit im Mittelpunkt. Die USA beschloss erst Ende Juni ein uneingeschränktes Eherecht für homosexuelle Paare. Und auch im erzkonservativen Irland stimmten die Bürger dafür, dass die Homo-Ehe der traditionellen Ehe gleichgestellt wird. Doch am CSD gibt es nicht nur viel Politik, es wird auch kräftig gefeiert! Ab 22 Uhr startet das beliebte Rathaus-Clubbing samt Open-Air-Disco. Am Marienplatz heizen ab 12 Uhr die DJs der Menge beim Straßenfest mit einem großen Showprogramm ein. Und am idyllischen Rindermarkt wird sogar zwei Tage lang bis Sonntag durchgefeiert.

Kitsch, Küsse und (k)ein Kind

Manuel Bauer (25) und Oliver Knauer (36) sind seit zwei Jahren verheiratet. Mit der tz sprechen sie über ihre Liebe.

War’s eine Traumhochzeit?

Manuel: Ich bin heiratswütig mit allem Kitsch, der dazugehört. Aber wie es so ist als Paar, mussten wir einen Kompromiss finden. Ich habe meinen weißen Callastrauß und eine Hochzeits-Torte bekommen.

Oliver: Ja. Seine Mutter hat ihn zu "November Rain" zu mir geführt und ein freier Theologe hat uns getraut.

Manuel: Eigentlich wollten wir zu "Time of my life" tanzen, aber im Kurs haben wir festgestellt, dass ich eine Tanzniete bin.

Habt ihr standesamtlich geheiratet?

Oliver: Ich mag das Konstrukt der staatlichen Ehe nicht. Es ist unverständlich, dass der Staat eine Beziehung bewertet.

Manuel: Das Prozedere hat mit unseren Gefühlen füreinander nichts zu tun. Wenn wir die Bürokratie mitmachen, wollen wir auch die gleichen Rechte.

Schaut ihr neidisch nach Irland oder Amerika?

Oliver: Klar. Aber in den USA wurde richterlich entschieden, dass homosexuelle Paare gleichgestellt sind, da gibt’s Widerstände von den Konservativen. Ich finde es besser, wenn – wie in Irland – die Menschen auf ihre Akzeptanz und ihr intelligentes Denken geprüft werden und selbst entscheiden. In Deutschland sind zwei Drittel für die Gleichstellung der Homo-Ehe.

Manuel: Wenn die Regierung erzählt, die Ehe sei zur Reproduktion gedacht, frage ich mich, wo sich Frau Merkel reproduziert hat.

Möchtet ihr Kinder?

Manuel: Nein, aber ich bin 25, vielleicht ändert sich das. Dem Kind ist es egal, bei wem es aufwächst, Hauptsache es wird geliebt und ist in Sicherheit.

Oliver: Ich habe einen kleinen Sohn zusammen mit einer lesbischen Frau. Da wir uns für künstliche Befruchtung entschieden haben, war das eine sehr bewusste Entscheidung.

Was für eine Rolle spielt der Bub in eurer Ehe?

Manuel: Wir verbringen viel Zeit mit ihm. Aber er ist Olivers Sohn. Ich treffe keine Entscheidungen für ihn, das liegt nicht in meinem Kompetenzbereich.

Ihr seid eine schwule Patchwork-Familie und gerne im Partnerlook unterwegs. Bringt ihr mit eurem Lebenskonzept die Leute durcheinander?

Oliver: Die Leute gucken schon, wenn wir Hand in Hand gehen.

Manuel: Ich habe mir nie viel Mühe gegeben zu verheimlichen, dass ich schwul bin. Deshalb bin ich Diskriminierung seit meiner Jugend gewohnt.

Geht ihr zum CSD?

Oliver: Nein. Ich war mal beim CSD in Athen, das war viel politischer. Die würden eine Partei wie die CSU nicht mitlaufen lassen.

Manuel: Schrille Figuren, die tanzen und feiern, sind beim CSD nicht so meins. Die Menschen sollen für ihre Rechte kämpfen. Gegen Tanzen und Feiern hat die Merkel ja auch nichts.

Interview: Jasmin Menrad

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