Auch CSU-Kollegin wird terrorisiert

Wirre Nachrichten auf Facebook: Münchner OB-Kandidatin von Stalker bedrängt

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Kristina Frank hat wirre Nachrichten auf Facebook erhalten.

Kommunalreferentin und CSU-OB Kandidatin Kristina Frank wird von einem Stalker belästigt – und zwar von demselben wie Parteikollegin Tina Pickert.

  • Ein Stalker hat es seit September 2018 auf CSU-Politikerin Tina Pickert abgesehen.
  • Sie bekommt Briefe und Päckchen vom dem ihr zuvor unbekannten Mann.
  • Auch OB-Kandidatin Kristina Frank wird von dem Mann bedrängt.

Update 5. Dezember 2019: Frank sagte auf tz-Anfrage: „Ich habe über Facebook von diesem Mann wirre Nachrichten bekommen. Es ging um Abba und darum, wie toll ich sei.“ Die 38-jährige Politikerin habe sich aber nicht viel dabei gedacht. „Schließlich bekommen alle Spitzenpolitiker fortwährend wirre Nachrichten. Und es war zu keinem Zeitpunkt bedrohlich oder anzüglich.“ 

Erst nach dem tz-Bericht über Tina Pickert (siehe Ursprungsmeldung) habe sie den Stalker auf Facebook blockiert. „Ich habe sofort erkannt, dass es derselbe Mann ist.“ Frank stärkt Tina Pickert den Rücken. Sie sagt aber auch, sie sehe die Nachrichten an sich selbst jedoch in einem anderen Licht. „Diese waren nichts, was mich in meiner Lebensführung beeinträchtigt hätte. Bei Tina ist das anders, ihr Leben leidet unter diesem Typen.“ 

Wie die tz berichtet hatte, ist die 35-jährige CSU-Politikerin Tina Pickert, ehemalige Landtagskandidatin und amtierendes Mitglied im Bezirksausschuss Milbertshofen, fast ein Jahr lang von dem Stalker belästigt worden. Das reichte von Briefen, Paketen und Postkarten bis zu dem Tag, als der Mann plötzlich vor ihrer Tür stand. 

Pickert hat Anzeige erstattet und die Nachstellungen über die sozialen Medien öffentlich gemacht. Sie möchte wieder ohne Angst leben. Zur Not will Pickert ein Kontaktverbot erwirken. „Ich will, dass dieser Albtraum endet!“

Münchner CSU-Politikerin: „Ich will, dass dieser Albtraum endet!“

Ursprungsmeldung vom 4. Dezember:

München - Der Albtraum beginnt mit einem Brief. Unscheinbar, wirre Worte. Die Rede ist von Liebe und der Band Abba. Herzchen schmücken die Seiten. Zunächst schenkt Tina Pickert dem Schreiben wenig Beachtung. Doch es ist der Beginn eines Leidensweges.

Denn auf den Brief vom September 2018 folgen Hunderte weitere - dazu Pakete, Bahntickets und Reisebroschüren. Der Absender: ein Stalker, der es auf die CSU-Politikerin abgesehen hat. Ein Irrer, der später auch vor ihrer Tür lauert. Aber die 35-Jährige hat beschlossen, sich zu wehren.

Stalker terrorisiert CSU-Politikerin: Erster Brief kam nach Termin bei einer Stiftung

„Ich kenne den Mann nicht, ich habe auch nie mit ihm gesprochen“, erklärt Tina Pickert gegenüber der tz. Gesehen hat er, der Fremde, die hübsche Politikerin aber während des Landtagswahlkampfes. Die 35-Jährige war Kandidatin für die CSU im Münchner Norden, ist Mitglied im BA Milbertshofen. „Bei einem Termin bei der Hanns-Seidel-Stiftung muss es gewesen sein, danach kam der erste Brief“, erinnert sich Pickert.

„We need girls like Tina“ (Wir brauchen Mädchen wie Tina) ist auf einer der Karten zu lesen. Es liegen auch Bahntickets im Briefkasten. „Da schreibt er meinen Namen dazu, als ob wir gemeinsam verreisen sollen.“ Dann folgen Urlaubspostkarten und Reiseprospekte. „Mir kommt es so vor, als spinnt er sich etwas zurecht.“ Auffällig bei all den Sendungen: Nichts ist frankiert…

Stalker terrorisiert CSU-Politikerin: „Habe mich nicht mehr aus der Wohnung getraut“

Im Januar 2019 steht er dann tatsächlich vor der Tür, klingelt. „Es war abends, ich habe ihn durch den Türspion gesehen und so getan, als wäre ich nicht da. Ich wollte zum Sport, habe mich dann aber nicht mehr aus der Wohnung getraut.“ Tags darauf erstattet die Verfolgte Anzeige.

Stalking ist seit April 2007 ein Straftatbestand. Zwar war es bis dahin auch möglich, gegen Nachstellungen juristisch vorzugehen, etwa durch Paragrafen wie Bedrohung oder Hausfriedensbruch. Doch der Gesetzgeber wollte zum einen den Opferschutz stärken, zum anderen auch diese Lücke im Gesetzbuch schließen.

Gesammelte Werke: Diese Briefe und Zettel bekam Tina Pickert bereits von dem Stalker zugeschickt.

Stalker terrorisiert CSU-Politikerin: Straftaten in München nehmen von 2017 auf 2018 deutlich zu

Im Bereich des Polizeipräsidiums München kam es im Jahr 2009 zu 331 Straftaten gemäß Paragraf 238 Strafgesetzbuch. 2018 waren es 167 Delikte und damit ein Plus von 26,5 Prozent gegenüber 2017 (132 Fälle).

Seit 2017 gilt ein verschärftes Gesetz zum Thema Nachstellungen. Um jemand zu bestrafen, reicht es aus, wenn die Taten eines Stalkers dazu geeignet sind, das Leben des Opfers zu beeinträchtigen. Zuvor musste sozusagen der Erfolg nachgewiesen werden.

Stalker terrorisiert CSU-Politikerin: Zwischenzeitlich herrscht Ruhe

Erfolg stellt sich im Fall von Tina Pickert auch ein - zunächst. „Die Polizei war super, hat mir sehr geholfen. Sie hat jemanden zu ihm geschickt, und außerdem war eine Streife vor meinem Haus.“ Das Nachstellen endete so abrupt, wie es angefangen hatte.

Doch vor etwa fünf Wochen kam dann wieder ein Brief. „Ich mache das alles nicht mehr auf“, so die Politikerin. Sie sammelt nun alles, dokumentiert die Fälle. Dazu kommt: Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule München erhält an ihrem Arbeitsplatz Anrufe - sobald sie abhebt, wird aufgelegt. Das begann vor fünf Wochen…

Stalker terrorisiert CSU-Politikerin: „Ich will, dass dieser Albtraum endet“

Pickert hat erneut Anzeige erstattet, die Polizei will den Stalker abermals aufsuchen. Zudem hat die Münchnerin ihr Martyrium in den sozialen Medien öffentlich gemacht. „Hey Stalker“, schreibt sie. Und weiter: „Ich habe dir nie geantwortet, dies ist meine erste und letzte Nachricht an dich: Ich möchte keine Briefe und Päckchen von dir!“

Pickert möchte wieder ohne Angst leben. Zur Not will sie ein Kontaktverbot erwirken. „Ich will, dass dieser Albtraum endet!“

In unserer Serie der schlimmsten Verbrecher Münchens haben wir auch die kranke Welt des Stalkers Roland B. beleuchtet. Ein 23-Jähriger soll seine Ex-Freundin vergewaltigt haben - doch das Urteil des Gerichts überrascht. Ein anderer Mann verbreitete intime Fotos seiner Ex-Freundin und soll einen perfiden Plan verfolgt haben. Mit einem Albtraum endete ein Tinder-Date - eine 24-Jährige verschwand spurlos.

Sascha Karowski

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