13-Jähriger „leiht“ sich Familienkutsche

Verfolgungsjagd auf der A8: Polizei schnappt Vollgas-Buben

Vier Schüler haben sich in der Nacht zum Freitag eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert. Am Steuer: ein 13-Jähriger, der sich schon öfter den Mercedes seiner Mama „ausgeliehen“ hatte. Bestraft werden die Buben für die gefährliche Aktion nicht.

Die Autofahrten seien halt ihr neuester Zeitvertreib gewesen, erklärt Akeem E. (16), ein Freund des 13 Jahre alten Fahrers, bereitwillig im Gespräch mit unserer Zeitung. Beide gehen in Freising zur Schule. Akeem E. lebt in einem Jugendheim in Pasing.

Am Freitag ist es wieder so weit. Gegen 1 Uhr morgens schnappt sich Akeems Kumpel Eddy (13) die Schlüssel für den Mercedes A-Klasse 168 seiner Mutter. Die ist seit Wochen im Urlaub. Gemeinsam fahren sie nach Pasing, gabeln zwei weitere Freunde (15) auf. Akeem E.: „Das machen wir seit zwei Monaten jedes Wochenende. Wir haben einfach Spaß, machen uns einen schönen Abend in der Stadt.“

Die Jugendlichen fuhren mit bis zu 180 Stundenkilometern

Doch an diesem Abend kommt es anders. Gegen 3 Uhr, an der Verdistraße 84, sehen die vier Blaulicht. Eine Polizeistreife ist wegen eines anderen Einsatzes dort. Eddy gerät in Panik. Er reißt das Lenkrad nach links, dreht um und rast mit quietschenden Reifen stadtauswärts davon. Die Beamten nehmen die Verfolgung auf.

Die Strecke der Raser

Mit bis zu 180 Stundenkilometern, so berichtet es die Polizei am Sonntag, rast der 13-Jährige durch die Stadt, über mehrere rote Ampeln, in Richtung Autobahn (Obermenzing). Auf der A8 nimmt er die Ausfahrt Dachau/Füstenfeldbruck. Einen Lastwagen schneidet er hier so stark, dass der nur durch eine Vollbremsung einen Unfall verhindern kann.

„Die Schüler fuhren teilweise im Gegenverkehr“

Weiter geht es auf die B 471. Zu diesem Zeitpunkt haben bereits bis zu zehn Streifenwagen die Verfolgung aufgenommen. Doch sie schaffen es nicht, die rasende Schülerbande aufzuhalten. Polizeisprecher Christoph Reichenbach: „Die Schüler fuhren teilweise im Gegenverkehr. Für die Beamten waren diese Fahrmanöver einfach zu gefährlich.“

Auf dem Weg nach Dachau kommt es beinahe zum Frontal-Crash mit einem weiteren Laster. Der 13-Jährige tritt weiter aufs Gas, braust in Dachau entgegen der Fahrtrichtung die Ausfahrt Gröbenrieder Straße herunter – bis die halsbrecherische Tour in einer Sackgasse endet.

„Das war das Krasseste, das wir je erlebt haben“

Laut Reichenbach werden Akeem E. und die beiden 15-Jährigen als Zeugen geführt. Täter ist der 13-jährige Fahrer Eddy. Da er aber wegen seines Alter schuldunfähig ist, wird der Fall für keinen der Schüler Konsequenzen haben. Reichenbach: „Sie können nur froh sein, dass sie selbst nicht zu Schaden gekommen sind – und auch niemand sonst.“ Weil sie während ihrer rasanten Fahrt Videos gemacht haben, wurden ihre Handys beschlagnahmt.

Die Schüler selbst scheinen die Gefährlichkeit ihrer Aktion nicht erkannt zu haben. Akeem E.: „Das war das Krasseste, das wir je erlebt haben. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt.“ Die Reaktion der Polizisten – insgesamt waren zwölf Streifenwagen im Einsatz – können sie nicht verstehen. „Die haben uns geschimpft, aus dem Auto gezogen und auf den Boden geworfen“, sagt Akeem verwundert. „Wir haben nur gelacht.“ Nur während der Fahrt, da sei ihnen nicht zum Lachen zumute gewesen. Akeem E.: „Ich habe gedacht, dass wir sterben. So etwas machen wir nie wieder.“

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Pasing – mein Viertel“.

Rubriklistenbild: © Klaus Haag

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