Dachauer Straße: Wohnungen statt Bundeswehr?

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Wohnungen fehlen dringend in München! 2018 gibt die Bundeswehr einen Teil ihres Areals an der Dachauer Straße auf – kann die Stadt auf den Grund hoffen?

Die Tage sind gezählt: 2018 ist voraussichtlich Schluss mit dem Münchner Bundeswehrgelände an der Dachauer Straße. Jetzt wird über die künftige Nutzung debattiert.

Die Tage sind gezählt: 2018 ist voraussichtlich Schluss mit dem Münchner Bundeswehrgelände an der Dachauer Straße. Das hat jetzt die Bundeswehr erklärt, die im Rahmen der Strukturreform 22 bayerische Standorte schließt. Im Münchner Fall spricht die Bundeswehr von einer „Teilabgabe“.

Gibt es jetzt neue Hoffnung für den Plan, auf diesem Gelände dringend benötigte neue Wohnungen zu bauen?

Es ist ein Hin und Her: Für den ersten Plan der Stadt, das Gelände bei einer erfolgreichen Bewerbung für Olympia 2018 für den Bau der Olympiastadt zu nutzen, sah es seitens der Bundeswehr gut aus. Nach dem Bewerbungs-Aus allerdings hielt der Bund daran fest, kein Areal in München aufzugeben. Und das, obwohl im Oktober 2011 bekannt wurde, dass genau hier an der Dachauer Straße 950 von 2520 Dienstposten gestrichen werden!

"Unser München": Münchner Stadtteile im Porträt

In liebevoller Detailarbeit hat Autor Martin Arz in seinen neuen München Band "Unser München - Das Stadt Teil Buch" veröffentlicht. Darin beleuchtet Arz nahezu alle Münchner Stadtviertel mit Geschichten von damals und heute - angereichert werden die Anekdoten mit zahlreichen Bildern aus München, für die Fotograf Marc Schäfer im Stadtgebiet 1.700 Kilometer zurücklegte. Sehen Sie hier eine Auswahl der Bilder sowie einige Textauszüge aus dem Buch. © Hirschkäfer Verlag
Altstadt: "Der Begriff Altstadt ist für das historische Zentrum erst nach dem 2. Weltkrieg aufgekommen. Er wurde aus der Not geboren, um den mittelalterlichen Stadtkern von den neu entstandenen Stadtteilen abzugrenzen", leitet Arz das Kapitel über das Gebiet rund um den Marienplatz ein. Jedes der vier Altstadtviertel - Angererviertel, Graggenau, Hackenviertel und Kreuzviertel - wird ausführlich beleuchtet. © Marc Schäfer
Lehel: Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Blick von der Seine über Paris, ist in Wahrheit das Lehel mit der Kirche St. Lukas. "Wie die umliegenden Dörfer wurde auch das Lehel immer wieder von marodierenden Truppen während diverser Kriege geplündert (...) Wer sich hier niederließ, gehörte zur Unterschicht (...)." Heute sieht das freilich ganz anders aus. © Marc Schäfer
Schwabing/West-Schwabing: ""Schwabing nennt sich - besonders in Immobillienanzeigen fast alles nördlich des Siegestors. Aber Schwabing-West ist ist tatsächlich Schwabing (...) Die ersten Häuser in Schwabing-West entanden Mitte des 19. Jahrhunderts entlang des aufgelassenen Türkengrabens an der Kurfürsten- und Belgradstraße. Seinen Bauboom erlebte der Stadtteil dann zwischen der Eingemeindung Schwabings 1890 und dem 1. Weltkrieg." Im Bild übrigens die Ecke Belgrad- Hohenzollernstraße. © Marc Schäfer
Neuhausen/Nymphenburg: "Während ringsum Moosach, Pasing, Menzing und Feldmoching schon längst besiedelt waren und teilweise auf eine Jahrtausende lange Geschichte zurückblicken konnten, ließen sich erst vergleichsweise spät die ersten Siedler auf dem Gebiet von Neuhausen, Nymphenburg und Gern nieder. Der Legende nach soll im 8. Jahrhundert ein vermutlich englischer Wanderprediger namens Winthir mit seinem Maultier auf einer Pilgerfahrt ins Heilige Land in Neuhausen gestrandet sein." Im Bild die moderne Herz-Jesu-Kirche in der Lachnerstraße. © Marc Schäfer
Bogenhausen: "Nach zähen Verhandlungen - München hatte zunächst kein Interesse an dem fernen Dorf - kam Bogenhausen mit seinen 1.570 Einwohnern im Jahr 1892 zu München. Dabei spielte das Dorf einen seiner Haupttrümpfe aus: die landschaftlich reizvolle Gegend am Isarhochufer, die sich hervorragend zur Erschließung eines Villenviertels eignete." So sollte es dann kurze Zeit später ja auch kommen ... Im Bild das Prinzregententheater. © Marc Schäfer
Haidhausen: "Nach mehreren verheerenden Bränden beschlossen die Münchner, ihre Häuser und die Stadtbefestigung aus Stein zu errichten. Da es keinen geeigneten Naturstein in der Gegend gab, musste man künstliche Steine fertigen - Ziegelsteine aus Lehm. Und Lehmvorkommen gab es in Haidhausen zur Genüge. Italienische Wanderarbeiter brachten die damals noch neue Technik des Ziegelbrennens nach Bayern. Ab 1443 kaufte die Stadt München den Haidhausern Stück für Stück ihre Lehmgründe und Ziegelstadel ab." Im Bild der Wiener Platz mit Blick auf die katholische Kirche St. Johann Baptist. © Marc Schäfer
Untergiesing: Alleine in diesem Kapitel geht Autor Martin Arz haargenau auf die verschiedenen Bezirke in Untergiesing ein, die da heißen: Birkenau, Birkenleiten, Lohe, Papiermühle, Pilgersheim, Soyerhof und Winkelsberg. Historisch gesehen sind allerdings diese Bezirke Teile Obergiesings. Im Bild zu sehen: Der Auermühlbach in der Mondstraße. © Marc Schäfer
Moosach: Interessantes fördert Arz auch aus Moosach zutage: "Eine Frau und ihr kleines Kind sind die ältesten Moosacher. 1908 fand man an der Untermenzinger Straße 1 ein Hockergrab aus der Jungsteinzeit mit ihren Gebeinen." Das bedeutet, dass das "Gfild" bereits vor 4.000 Jahren besiedelt wurde. © Marc Schäfer
Aubing: Der Stadtteil im Westen Münchens besteht nicht nur aus großen Neubauvierteln mit gesichtslosen Wohnblöcken, sondern hat seinen alten Kern bewahrt. Besonders der Ortskern um die Kirche St. Quirin (Bild) hat sich den alten Charme bewahrt. Eines der größten bayerischen Gräberfelder aus der Zeit zwischen dem 7. und 5. Jahrhundert v. Chr. wurde in Aubing freigelegt. © Marc Schäfer
Allach: Allach zählt zu den ältesten selbständigen Gemeinden Bayerns und dürfte auf die Zeit der bajuwarischen Landnahme im 6./7. Jahrhundert zurückgehen. "Bereits für Anfang des 8. Jahrhunderts ist eine Kirche belegt, aller Wahrscheinlichkeit nach ein Vorgängerbau der heutigen Kirche St. Peter und Paul." Heute ist Allach noch immer zu weiten Teilen ländlich geprägt. © Marc Schäfer
Hasenbergl: "Kaum ein Stadtteil hat bis heute einen so zweifelhaften Ruhm wie das Hasenbergl. Dabei sind die Wurzeln fürstlich. Der einst rund acht Meter hohe Hügel zählte zu den herzoglichen Jagdrevieren." Die ersten Siedler ließen sich Mitte des 19. Jahrhunderts an der Straße zum Schloss Schleißheim nieder. Im Bild zu sehen: Eine typische Wohnsiedlung im Hasenbergl von heute. © Marc Schäfer
Solln: "Drei Buben spielten Anfang der 70er Jahre in einer Baugrube. Dabei entdeckten sie etwas, das sie zunächst für eine Kokosnuss hielten und hauten darauf herum. Was da zersplitterte war jedoch keine Kokosnuss, sondern ein Menschenschädel. Die Burschen hatten zufällig die "Urmutter von Solln" entdeckt - Überreste einer Frau aus dem 17. Jahrhundert v. Chr." Im Bild zu sehen das Sollner Zentrum mit der alten Sollner Kirche. © Marc Schäfer
Forstenried: "Einem Streit verdanken wir die erste Erwähnung der Ortschaft Forstenried. Das Kloster Polling beschwerte sich 1166 bei Kaiser Friedrich Barbarossa, dass das Gut, das seit alters her dem Kloster als Lehen gehörte, in fremde Hände gelangt sei und forderte es zurück. Der Kaiser wies daraufhin den bayerischen Herzog Heinrich den Löwen an, "Vorstersriet" von dem fremden Lehensherr zu übernehmen und dem Kloster Polling zurückzugeben. Drei Jahre später konnte Polling wieder über sein Gut verfügen." © Marc Schäfer
Schwabing: Schwbing ist bekanntlich kein Ort, sondern ein Zustand. "Doch auch dieser Zustand begann einst klein als Ort, vermutlich als bajuwarische Siedlung. Reihengräber nahe dem Siegestor und der Martiusstraße zeigen, dass es hier schon im 7. Jahrhundert ein Dörflein gegeben haben muss. Offiziell tauchte Schwabing dann im Jahr 782 auf, als ein Mann namens Altpolt und sein Sohn Huasuni ihre Erbe in "Suuapinga" dem Kloster Schäftlarn überließen." Im Bild der Alt-Schwabinger Ortskern mit St. Sylvester. © Marc Schäfer
Perlach: Vermutlich waren Kelten schon um 500 v. Chr. in der heutigen Perlacher Gegend, davon zeugen heute noch die Umrisse einer Vierecksschanze im Bereich des Neues Friedhofs. Erstmals genannt wurde "Peralohc" vermutlich am 14. Juli 790, eingemeindet wurde Perlach im Jahr 1930. © Marc Schäfer
Ramersdorf: Ramersdorf kann auf eine lange Siedlungsgeschichte zurückblicken, die bis ins 5. Jahrhundert zurückgeht. Erst Ende der 1920-Jahre entdeckten die Stadtplaner das Entwicklungspotenzial der Vorstadt. Noch während der Weimarer Republik entstand die Großwohnanlage Neuramersdorf. In der NS-Zeit kam die Mustersiedlung hinzu. Die kam damals aber gar nicht so gut bei den Nazis an, da viel zu viele Elemete der Moderne architektonisch eingesetzt wurden. So konnte man die Siedlung nicht gut propagandistisch ausschlachten. © Marc Schäfer
Daglfing: Berühmt ist Daglfing für seine Trabrennbahn. Die zog Anfang des 20. Jahrhunderts von Laim dorthin und wurde am 26. Oktober 1902 eingeweiht. Damals hieß sie zunächst Trabrennbahn Zamdorf. Während der Zeit der Räterepublik besetzten Spartakisten das Gelände, da Pferdesport eine klassische Adels- und Bourgeoisie-Domäne war. Nach dem 2. Weltkrieg erlebte die Bahn eine Renaissance. Die großen Zeiten endeten dann in den 80er Jahren. Das älteste Anwesen Daglfings ist der alte Kernhof aus dem Jahr 1612. © Marc Schäfer
St. Emmeram: Durch die neue Tram-Endhaltestelle ist auch St. Emmeram für viele Münchner ein wiederkehrender Begriff. Am Isarufer nördlich von Oberföhring wurde zu Ehren des heiligen St. Emmeram, dessen Leichnam auf dem Wasserweg nach Regensburg gebracht wurde und dort vorbeikam, eine Kapelle errichtet. Das geschah im Jahr 822. Schnell entstand dort eine Siedlung, in der 1711 auch die St. Emmeramsmühle (Bild) gebaut wurde. Diese ist heute ein beliebtes Ausflugsziel der Münchner. © Marc Schäfer
Laim: Imitten weitläufiger Wälder dämmerte die winzige Rodung Leima Jahrhunderte lang im Dornröschenschlaf. Ein Grundstückstausch zwischen dem unfreien Kirchendiener Mathuni und dem Edelmann Helmpert machte Laim um 1050 erstmals aktenkundig. (...) Ende des 15. Jhd. bestand Laim noch aus nur acht Gehöften. Laim wurde, wie die banachbarten Dörfer auch, 1632 von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg verwüstet. Im Dritten Reich war Laim eine sozialistisch geprägte Arbeiterhochburg, weshalb die NSDAP nur schwer Fuß fassen konnte. © Marc Schäfer
Pasing: Pasing war einmal eine eigene Stadt, wurde aber 1938 von den Nazis eingemeindet. Anfang der 20er Jahre war Pasing noch eine der größten und prosperierendsten Ortschaften der Region. Die dörfliche Struktur wandelte sich. Bauernhäuser mussten weichen, Pasing bekam ein Postamt, ein Kaufhaus und Schulen. Pasings älteste Kirche, Mariä Schmerzen, blieb über Jahrhunderte eine Filialkirche von Aubing. Das änderte sich 1881, als Pasing zum Pfarrdorf aufstieg. Als Dank stiftete die Gemeinde die Mariensäule auf dem Pasinger Marienplatz. © Marc Schäfer
Noch viele, viele Bilder und Informationen mehr gibt es in dem Buch "Unser München • Das Stadt-Teil-Buch" von Martin Arz & Marc Schäfer. Hirschkäfer Verlag München, 2011, Klappbroschur, 280 Seiten, 26,00 € ISBN 978-3-940839-17-6. Unter dieser Adresse kann man das Buch bestellen: http://www.hirschkaefer-verlag.de/unser_muenchen.html © 

Jetzt gibt’s aber doch wieder einen Hoffnungsschimmer: „Mit der neuen Feinstrukturausplanung steht fest, dass zumindest ein Teil des Areals an die Bundesanstalt für Immobilien übergeht – und damit theo­retisch von der Stadt gekauft werden kann“, erklärt eine Sprecherin der Wehrbereichsverwaltung gegenüber der tz. Viel genauer wird die Bundeswehr aber immer noch nicht. Wörtlich heißt es, die Teilabgabe finde „voraussichtlich 2017, abhängig von Baumaßnahmen in München“, statt. Mit dieser schwammigen Formulierung hält sich der Bund weiter offen, wie groß der Teil des Geländes sein wird, der an die Stadt übergehen könnte.

Die Stadt München gibt sich – vielleicht auch aufgrund der bisherigen Erfahrungen – noch zurückhaltend. Im Planungsreferat heißt es, es würden noch keine konkreten Gespräche mit der Bundeswehr laufen. „Auch die jetzige Formulierung ist nur sehr vage und unklar“, sagt Claudia Tausend, Planungssprecherin der SPD-Stadtratsfraktion. „Aber wir würden uns natürlich freuen und hätten einen sehr schönen Wettbewerbsentwurf für das Olympische Dorf in der Tasche, mit dem wir weiter arbeiten könnten.“

nba

Wohnen: So wird's 2017

Wohnungen sind Mangelware in München. Wie schlimm es aber in Zukunft wirklich wird, zeigt jetzt eine Studie des Pestel-Institutes. Demnach fehlen 2017 im Stadtgebiet 68 970 Wohnungen, und im Landkreis werden es 7380 sein!

Einer der Gründe für diese Horror-Prognose sei der mangelnde Neubau von Wohnungen. Der Studie zufolge waren es im vergangenen Jahrzehnt jährlich nur 0,75 Prozent gemessen am gesamten Wohnungsbestand. Aber auch der Bund trage eine Mitschuld, da er sich schrittweise aus der Verantwortung für die Wohnungsbauförderung zurückgezogen habe.

Studienleiter Matthias Günther empfiehlt, neue Anreize zum Bau zu setzen. „Die derzeitige staatliche Förderung reicht nicht aus. Effektiv wäre eine Erhöhung des jährlichen Abschreibungssatzes von 2 auf 4 Prozent.“

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