Das sagt Amazon zu den Vorwürfen

Daglfinger sauer auf Amazon: Lieferwagen-Kolonnen parken Straße zu

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Das Foto wurde am 30. Mai aufgenommen. Über eine Strecke von mehr als einem Kilometer stehen Lieferfahrzeuge auf dem Gehweg.

Schon wieder Ärger mit Amazon: Nach Olching hat nun auch Daglfing Probleme mit dem Online-Händler. Eine ganze Straße wird regelmäßig komplett zugeparkt. Die Polizei weiß von nichts.

München - Links und rechts der Grasbrunner Straße stehen sie so weit das Auge reicht: Weiße Kastenlieferwagen. Ortskundige könnten sich jetzt wundern, denn an der Grasbrunner Straße gibt es an dieser Stelle gar keine Parkplätze. Und genau das ist das Problem: Die Wagen stehen allesamt auf dem Fußgänger- und Radlweg und das über mehr als einen Kilometer hinweg. Im absoluten Halteverbot.

Amazon-Fahrer warten an der Grasbrunner Straße auf ihre Beladungswelle“. Ein Anwohner hat die Szene festgehalten.

Ein entnervter Anwohner Paul F. (Name von der Redaktion geändert) hat in einem Video und mit Fotos die Zustände dokumentiert. Auf dem Video ebenfalls gut zu sehen, welche Firma für den Park-Ärger verantwortlich ist: Amazon. Deren Logistikzentrum in Daglfing wurde Anfang 2017 in Betrieb genommen. Von dort werden Waren für Amazon Fresh und Amazon Prime in den Münchner Osten transportiert. Der Einzug des Online-Händlers in die 15.000 Quadratmeter große Lagerhalle war lange ein offenes Geheimnis, das niemand bestätigen wollte. Nach dem Einzug beschwerte sich die Bürgerinitiative „Lebenswertes Daglfing“ über Mauscheleien und vermutete einen Verstoß gegen den Bebauungsplan. Nun macht sich Amazon mit dem Park-Ärger bei den Anwohnern nicht gerade beliebt.

Paul F. wohnt in der Nähe und kommt oft an der Grasbrunner Straße vorbei: „Die Situation stellt sich täglich mehrmals so dar. Gerade eben sind auch wieder acht Lieferwagen auf dem Gehweg gestanden“, schildert er den Zustand vergangene Woche. Anfang dieser Woche: das gleiche Bild. 

Das Foto wurde von Paul F. am 11. Juni aufgenommen.

Wir haben bei Amazon nachgefragt: Laut dem Online-Händler werden Lieferwagen in „Wellen“ auf den Hof gelassen, um dort die Waren einzuladen. 50 Fahrer würden pro Welle durch den Hof geschleust - rund 300 Lieferwagen am Tag. Heißt wohl übersetzt: Ist der Fahrer auch nur eine Minute zu früh dran, muss er draußen warten. Die Konsequenz: Chaos auf den umliegenden Straßen. 

Hier befindet sich das Logistikzentrum vom Amazon an der Grasbrunner Straße in Daglfing.

Erstaunlich: Die Polizei erfuhr erst durch unseren Anruf von dem Park-Chaos. Die zuständige Polizeiinspektion in Bogenhausen wusste lediglich von Problemen im Bereich der Zufahrt zum Firmengelände: Lieferanten mussten auf der Straße darauf warten in die Tiefgaragen einzufahren. Eine Sprecherin der Polizei versichert allerdings, dass die Beamten in Zukunft ein wachsameres Auge auf die Grasbrunner Straße werfen werden.

Auch Amazon gelobt Besserung: „Die entsprechenden Lieferunternehmen haben wir direkt angesprochen um sicherzustellen, dass so etwas nicht mehr vorkommt. Wir werden die Situation verstärkt kontrollieren“, so ein Pressesprecher von Amazon Deutschland. Gute Nachbarschaft sei ihnen sehr wichtig. Auch in Olching gab es nach der Eröffnung  Ärger mit den Anwohnern - dort parkten ebenfalls dutzende Lieferwagen die Straßenränder zu. Die Stadt erließt rigorose Verbote und Amazon stellte die Beladungszeiten um - seitdem ist es dort ruhig.

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