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Das tödliche Geschäft der Welpen-Mafia - Daisy und Goofy wurden nur sechs Wochen alt

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Von: Claudia Schuri

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Opfer der Welpen-Mafia: Daisy kam mit nur sechs Wochen nach Bulgarien nach Deutschland und war so krank, dass sie eingeschläfert werden musste.
Opfer der Welpen-Mafia: Daisy kam mit nur sechs Wochen nach Bulgarien nach Deutschland und war so krank, dass sie eingeschläfert werden musste. © Tierschutzverein München

Es ist ein skrupelloses Geschäft: Das Leid der Tiere, die Opfer des illegalen Welpenhandels werden, ist groß. In München sind jetzt zwei kleine Hunde gestorben.

München - Ihre Namen klinge nach Disney-Gaudi – aber ihr kurzes Leben war eine einzige Qual. „Goofy und Daisy hatten eine wirklich schlechte Zeit“, sagt Kristina Berchtold vom Tierschutzverein München*. Als die Welpen rund sechs Wochen alt waren, wurden sie von ihrer Mama getrennt – viel zu jung. Doch den skrupellosen Händlern der Welpen-Mafia war das egal: Sie wollten einfach nur ein einträgliches Geschäft mit den Tieren machen. Das bittere Ende der Geschichte: Goofy und Daisy sind nicht einmal ein Vierteljahr alt geworden. Beide mussten eingeschläfert worden, nachdem sie sehr gelitten haben.

Auch Goofy war schwer krank. Außerdem wurden seine Ohren wurden abgeschnitten. Für ihn kam ebenfalls die Hilfe zu spät.
Auch Goofy war schwer krank. Außerdem wurden seine Ohren wurden abgeschnitten. Für ihn kam ebenfalls die Hilfe zu spät. © Tierschutzverein

Der kleine Kangal-Rüde und das Spitz-Mädchen waren beide ungeimpft und bereits schwer krank, als ein Bulgare mit ihnen durch Deutschland fuhr. Der Mann wollte die Welpen wohl nach Belgien schmuggeln – kam aber nur bis zum Autobahndreieck Brunnthal, wo die Polizei ihn stoppte und ihm die Hunde abnahm.

München: Welpen-Mafia fordert zahlreiche Opfer - Goofy und Daisy gestorben

Die Welpen kamen zur Tollwut-Quarantänestation ins Tierheim Riem* und von dort aus in eine Klinik. Doch die Hilfe kam zu spät: Goofy starb nach zwei Tagen, Daisy einige Zeit später. Beide litten an der Tierseuche Parvovirose. Dagegen gäbe es eigentlich ab dem Alter von fünf Wochen eine Impfung. Normalerweise seien Welpen auch über die Mutter geschützt, so Berchtold: „Es ist davon auszugehen, dass die Eltern auch nicht geimpft sind“, sagt sie. „Die Virenlast war sehr hoch.“ Besonders grausam: Goofy waren auch noch die Ohren abgeschnitten worden.

Welpen-Mafia: Regelmäßig werden Tiere sichergestellt

Das Schicksal der Welpen ist kein Einzelfall. „Wir müssen uns regelmäßig Hunde von illegalen Händlern aus dem Ausland kümmern“, sagt Berchtold. Aktuell seien zehn betroffene Tiere im Tierheim. Auch das städtische Veterinäramt geht regelmäßig Hinweisen nach - und veranlasst bei Bedarf erforderliche Maßnahmen, betont ein Sprecher. Mit einer Flyer-Kampagne versucht die Stadt die Bürger aufzuklären, damit sie beim Kampf gegen die skrupellosen Händler* mithelfen.

München: Darauf sollten Welpenkäufer achten

Kristina Berchtold ruft ebenfalls grundsätzlich zur Vorsicht beim Welpenkauf auf. „Bei einem seriösen Züchter findet die Übergabe nie im öffentlichen Raum statt“, erklärt sie. Käufer können die Hunde-Mama sehen, es gibt einen Kaufvertrag – und der Händler erkundigt sich nach den Lebensumständen der Tiere. Auch die Impfung sollte Thema sein. „Man hat auch die Möglichkeit, die Hunde erst einmal unverbindlich kennenzulernen“, sagt sie.

Außerdem müssten deutsche Welpen mindestens acht Wochen bei der Mutter bleiben. Welpen aus dem EU-Ausland dürfen erst mit mindestens 15 Wochen und einer Tollwut-Impfung legal eingeführt werden. Perfide: „Illegale Händler tarnen den Kauf oft als Tierschutzfall“, warnt Berchtold. Der Käufer meint so, etwas Gutes zu tun. „Es ist immer schwieriger, unseriöse Züchter zu erkennen“, beklagt sie. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Ein florierendes Geschäft

Das Geschäft mit dem illegalen Heimtierhandel floriert: 142 Fälle stellte der Deutsche Tierschutzbund vergangenes Jahr für Bayern fest. Unter den 820 betroffenen Tieren waren 749 Hunde, 67 Katzen und vier Tauben. „Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen“, sagt ein Sprecher. Denn ein Großteil der Fälle werde gar nicht bekannt. Trotzdem sei 2021 bereits in den ersten sechs Monaten die Zahlen von 2020 überschritten worden. Auch die Stiftung „Vier Pfoten“ schlägt Alarm. „Bayern ist ganz vorne dabei“, sagt eine Sprecherin. Die Stiftung führt ebenfalls Statistik über Polizei- und Pressemeldungen zum illegalem Welpenhandel: Für München dokumentierte sie für vergangenes mindestens 61 beschlagnahmte Tiere.

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