Neue Serie mit alten Bildern - Teil 4

Zeitreise durch München: So sahen Marienhof, Maxburg und Fußgängerzone damals aus

München hat sich rasant verändert. Der Geschichte der Stadt wollen wir mit einer neue Serie gedenken. Wie sahen bekannte Straßen oder Plätze früher aus? Wir zeigen es Ihnen!

Wer blättert nicht gerne durch alte Fotoalben? Einfach kurz mal Luft holen und in Erinnerungen schwelgen – herrlich! Meist fällt dann eh schnell der Satz: „Mei, schau, wie das früher ausgschaut hat!“ Und genau das wollen wir jetzt tun, liebe Leser. Wir werfen einen Blick zurück in unserer neuen großen Serie München damals und heute. Unsere Stadt hat sich über all die Jahre stark verändert. Die Industrialisierung, später die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, dann die Boom-­Jahre. Nur mal zum Vergleich: Im Jahr 1850 hatte München knapp 100 000 Einwohner, ein Jahrhundert später waren es 831 000 Bürger. Heute sind es fast 1,5 Millionen. Tendenz steil steigend. Doch wie hat sich die Stadt im Detail verändert? Unser Fotograf Heinz Gebhardt hat sich auf Spurensuche begeben, tagelang in alten Archiven gekramt. Hier präsentieren wir die Ergebnisse seiner Zeitreise. Und seien Sie sich sicher – es wird nicht lange dauern, bis Sie rufen: „Mei, schau, wie des früher ausgschaut hat!“

Der Geister-Turm in der Fußgängerzone

Wer hat sich noch nicht über das viereckige Muster im Pflaster vorm Hirmer-Haus (rechts) in der Fußgängerzone gewundert – oder über die Steinfigur am Hauseck? Beides hat einen Zusammenhang: Das Muster im Boden zeigt den Grundriss des „Schönen Turms“, der dort 1807 abgetragen wurde. Warum? Weil er als altes Stadttor den Stadtplanern im Weg stand und man für Neubauten zudem Steine brauchte.

In der Mitte der Turm um 1800. Rechts und links Bilder der jetzigen Fußgängerzone. 

Der steinerne Turmträger am Hauseck – Symbol für einen tragischen Justizirrtum, der sich zur Zeit Kaiser Ludwigs des Bayern um 1350 ereignete: Der Mann war Goldschmied und hatte neben dem Turm seine Werkstatt, in die ein Kunde ein kostbares Schmuckstück brachte. Eines Tages war das Stück verschwunden. Niemand glaubte dem Goldschmied, der seine Unschuld beteuerte. Er wurde zum Tode verurteilt. Einige Wochen nach seiner Hinrichtung begann man den Turm zu renovieren, und als die Maurer an der Spitze Risse verputzten, flog aus einer Dachluke eine Dohle. In ihrem Nest – da lag das Schmuckstück! Der Mann war unschuldig zum Tode verurteilt worden. Man exhumierte seinen Leichnam und bestattete ihn an der Mauer der Kreuzkirche.

Wimmers Kampf gegen die vielen Stinkkarren

„Die letzte große Zufluchtsstätte für parkende Kraftfahrzeuge hinter dem Rathaus wird auch in nicht zu ferner Zeit bebaut werden – was dann?“ So stand es am 1. Oktober 1954 im Münchner Merkur als Bildunterschrift zu dem Foto oben. Rudi Dix hatte aus einem Sportflugzeug den Marienhof aufgenommen. Autofreundlich musste es sein: Das war in den 50er-Jahren oberstes Gebot der Stadtplaner. Wie bei anderen Großstädten, die im Krieg zerbombt worden waren, wollte man auch in München eine „autogerechte Stadt“, inklusive mehrspuriger Autobahn durch die City. Die Planer hatten aber nicht mit Thomas Wimmer gerechnet, der seit 1948 Oberbürgermeister war. „Mit über 100 000 Kraftfahrzeugen steht München heute an der Spitze aller verkehrsreichen Städte Deutschlands. Fachleute sind sich klar darüber, dass das Verkehrsproblem in München zum Problem Nr. 1 geworden ist“, schrieb der Münchner Merkur weiter. Wimmers Lösung: „Wenn S’ gar nicht mehr durchkommen, dann bleiben S’ einfach stehen mit ihren Stinkkarren!“ In seinem Rechtsreferenten Hans-Jochen Vogel fand er einen engagierten Mitkämpfer. Vogel wurde später selber OB und vollendete, was er mit Wimmer begonnen hatte: eine Fußgängerzone vom Stachus bis zum Marienplatz.

Der Marienhof - 1954 (oben) und heute (unten).


Der schnelle Bau der Murks

Die alte Herzog-Max-Burg am Lenbachplatz war ursprünglich der Sitz Herzog Wilhelms V.: Er hatte sie von 1593 bis 1596 bauen lassen. In der Folge war das Gebäude ein Adelssitz – für jene Wittelsbacher, die nicht an der Macht waren. Die kurfürstliche Linie hielt dagegen in der Residenz Hof. Der Name „Herzog-Max-Burg“ stammt aus dem 17. Jahrhundert – mit Bezug auf Maximilian Philipp, der hier residierte. Auch heute steht am Lenbachplatz eine Maxburg, allerdings handelt es sich um ein völlig neues Haus. Denn: Das alte Gebäude war im Krieg zerstört worden. Die neue Maxburg, erbaut zwischen 1954 und 1957, erkennt man – wie auch die alte – an einem Turm, aber das war’s dann auch schon mit der Ähnlichkeit. Trotzdem gilt sie heute als eine der am besten wiederaufgebauten Ruinen aus der Nachkriegszeit. Die Architekten Sep Ruf und Theo Pabst standen in der Kritik, weil sich ihr Haus komplett von der alten Maxburg unterschied. Als dann auch noch Platten von der Fassade abfielen, war für die Münchner klar, was aus der Maxburg geworden war: eine Murksburg. Heute sitzt hier das Amtsgericht.

Die Maxburg - 1954 und heute.

Sie wollen noch mehr alte Fotos von München sehen? Hier finden Sie alle Teile der Serie:

Zeitreise durch München: So sahen Maximilianstraße und Co. früher aus 

Zeitreise durch München: So sah die Laimer Röhre und der Gasteig aus

Zeitreise durch München: So sahen Sonnenstraße, Jakobsplatz und Co. früher aus

Heinz Gebhardt

Rubriklistenbild: © Heinz Gebhardt

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