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Damit’s der KZ-Scherge schön gemütlich hat …

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Auf einer Trage liegend wurde John „Iwan“ Demjanjuk gestern von Sanitätern in den Saal 101 des Landgerichts gebracht (oben links). © AP

München - Mal lässt er sich im Rollstuhl ins ­Gericht fahren, dann will er lieber ein Bett: John Demjanjuk (89), dem Beihilfe zum Mord an 27 900 Juden zur Last gelegt wird, mag es bequem.

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Bewegende Zeugenaussagen

Dabei geht es dem betagten Angeklagten nach Ansicht seiner Ärzte gut. Eine leichte Infektion hat er überstanden. Abgesehen von altersbedingten Rückenproblemen fehlt ihm nichts, erfuhr die tz. Seinen meist nicht minder betagten Opfern, die in Scharen zum Prozess angereist sind, muss das wie Hohn vorkommen. Auch viele von ihnen sind gebrechlich, aber sie stehen ihre Aussage tapfer durch, während der Angeklagte regungslos und mit geschlossenen Augen daliegt und so tut, als gehe ihn das alles nichts an. Er, laut Anklage einer der sadistischen Helfer der SS, die im Vernichtungslager Sobibor die im Güterzügen ankommenden Juden in die Gaskammern prügelten, straft seine Opfer durch Nichtachtung.

Bilder vom Prozess

Der 88-jährige Nebenkläger Jules Schelvis aus Holland hat die Hölle von Sobibor überlebt. Er war als Arbeitshäftling eingeteilt gewesen und gehört zu den Wenigen, die nicht ermordet wurden. Schelvis berichtet, dass er in Sobibor 18 Angehörige verloren habe, darunter seine 22 Jahre alte Ehefrau und seine Schwiegereltern. Über 20 Verwandte seien im Konzentrationslager Auschwitz vergast worden. Schelvis hat ein Buch über die Verbrechen in Sobibor geschrieben. Während Demjanjuk schweigt, attackierte sein Verteidiger Ulrich Busch am Dienstag zum wiederholten Mal das Gericht. Er warf den drei Berufsrichtern Befangenheit vor. Busch behauptet: „Der Angeklagte ist Opfer eines internationalen Justizkomplotts.“

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