Drei Senioren erzählen, warum sie noch im Job sind

Darum arbeiten wir auch in der Rente

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Irmtraud Schmied (68) will vom Rentnerdasein nichts wissen. Sie arbeitet immer noch bei Dallmayr

München - Arbeiten trotz Rentenalter: In Deutschland wird dies immer mehr zum Trend. Auch diese drei Münchner über 65 denken noch nicht ans Aufhören. Sie erzählen hier ihre Geschichte.

Arbeiten trotz Rentenalter: In Deutschland wird dies immer mehr zum Trend. Rund 155 000 Menschen über 65 Jahre hatten Ende 2011 eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Bei den Mini-Jobbern waren es sogar 764 000. Die Gründe, die ältere Menschen noch immer in die Arbeit treiben, könnten unterschiedlicher nicht sein: Die einen wollen weiterhin gebraucht werden und haben Spaß am Job. Bei anderen reicht die Rente hinten und vorne nicht und sie sind gezwungen zu arbeiten. Wieder andere wollen sich nur ein kleines Zubrot für etwas Luxus im Alter dazuverdienen. Die tz hat mit Senioren aus dem Raum München über ihre Motivation zum Arbeiten im Alter gesprochen.

Beate Winterer und Lisa Klein

„Die Kollegen sind wie eine Familie“

Über 21 Jahre Erfahrung hat die Münchnerin Irmtraud Schmied (68) nun schon als Verkäuferin bei Dallmayr. Und diese Erfahrung will sie weitergeben, auch nach ihrer Pensionierung vor drei Jahren. An zwei Tagen in der Woche steht sie weiterhin hinter der Käse­theke und betreut Auszubildende, die im Lauf ihrer Lehrzeit für ein paar Monate durch ihre Fittiche gehen. „Ich kann viel Wissen weitergeben, vor allem, wie man mit Kunden umgeht. Und der Kontakt zu den jungen Leuten macht mir wiederum viel Spaß“, erklärt Irmtraud Schmied. Mit 46 Jahren kam sie zu Dallmayr und arbeitete erst am Kalten Buffet, dann an der Käsetheke. Auf ihre Pensionierung mit 65 hatte sie sich schon vorbereitet. Trotzdem war die Freude groß, als das Angebot kam, weiter auf ihrer Stelle bei Dallmayr zu arbeiten. „Dieses positive Feedback freut mich immer noch!“ Ein weiterer Grund, warum sie noch nicht die Beine hochlegen möchte: „Nach so einer langen Zeit sind die Kollegen schon wie zu einer Familie geworden – und die Kontakte zu meiner Kundschaft sind mir weiterhin sehr wichtig.“ Langweilig wäre es ihr zuhause nicht geworden, aber das Gefühl, gebraucht zu werden, tut ihr gut. Das zusätzliche Geld nimmt sie gern. „Es ist kein Geheimnis, dass München teuer ist. Außerdem habe ich sechs Enkelkinder, denen ich auch etwas Schönes kaufen möchte.“

Mit 64 zurück zur Caritas

Mit 63 ging sie in Rente, mit 64 kehrte sie wieder zurück in die Arbeitswelt. Freiwillig. Bärbel Stadler ist nämlich noch nicht zu alt zum Arbeiten. Und so lange es ihr gut geht und sie Spaß am Job hat, möchte sie das auch so beibehalten. Vor der Pensionierung war die Frau aus Germering beim Wohlfahrtsverband Caritas.

Bärbel Stadler (66) arbeitet noch vier bis fünf Stunden pro Woche

Dort arbeitete sie in der Revisionsabteilung. Mit ihrem Team prüfte sie, ob alle Abläufe in Kindergärten, Altenheimen oder anderen sozialen Einrichtungen der Caritas in Ordnung waren, sowohl von personeller als auch finanzieller Seite. „Als ich dann in der Rente war, besuchte ich sehr oft meine Kollegen, einfach weil ich gerne dort gearbeitet habe und ich wissen wollte, wie es ihnen geht. Bis sie mich eines Tages fragten, ob ich nicht wieder ein paar Stunden die Woche arbeiten möchte“, erzählt Bärbel. Seit zwei Jahren arbeitet sie nun wieder einmal die Woche vier bis fünf Stunden bei der Caritas und beantragt Zuschüsse für Projekte. Einarbeiten sie sich in das neue Aufgabenfeld nicht lange, da sie schon sehr vertraut war mit den Abläufen innerhalb der Organisation.

„Ich bin gesund und mir macht die Arbeit Spaß. Der Kontakt mit Menschen ist mir wichtig und es ist ein ganz anderes Arbeitsgefühl, wenn man es freiwillig macht“, sagt sie. Die Zeit kann sie sich flexibel einteilen. Fast 400 Euro verdient sie im Monat dazu. „Das Geld lege ich zur Seite und gönne mir öfters etwas, wie zum Beispiel ein Urlaub oder etwas zum Anziehen.“

Um 4 Uhr wirft er die Maschine an

Die Beine hochlegen und ein ruhiges Rentner-Dasein führen? Für Georg Kleeblatt kommt das nicht in Frage. Der Metzger ist auch mit 74 Jahren noch ein fester Bestandteil seines Familienbetriebs in Holzkirchen. „Ich habe so viel Freude an der Arbeit, dass ich nie ans Aufhören gedacht habe“, sagt Kleeblatt.

Georg Kleeblatt arbeitet auch mit 74 im Betrieb mit. Enkel Julian schaut ihm über die Schulter

Regelmäßig wirft er um 4 Uhr morgens die Wurstmaschine an und geht Sohn Georg zur Hand. Der ist inzwischen der Chef im Schlachthaus. Später steht er dann oft im Metzgerei- und Feinkostladen, den Tochter Ursula leitet. „Ich arbeite noch genauso viel wie früher, aber ich teile mir die Zeit anders ein. Ich habe weniger feste Termine und springe eher ein, wo gerade Not am Mann ist“, erklärt der Metzger. Bis vor einem Jahr war er sogar Vize-Präsident des Deutschen Fleischerverbandes und Landesinnungsmeister in Bayern.

Rund 1100 Euro würde Kleeblatt monatlich aus der gesetzlichen Rentenkasse erhalten, wenn er sich heute zur Ruhe setzt. Außerdem hat er privat vorgesorgt. Aber ums Geld geht es ihm nicht: „Es ist einfach ein Glücksgefühl, gebraucht zu werden.“

Gesunde, ältere Menschen hält er in der Wirtschaft für unentbehrlich: „Erfahrung kann man nicht kaufen. Deswegen behält eine kluge Firma diese Leute in Reserve und kombiniert ihre Erfahrung mit der Dynamik der Jugend.“

Nächsten Jahr feiert die Metzgerei ihr 50-jähriges Betriebsjubiläum. Und Firmengründer Georg Kleeblatt will natürlich noch dabei sein: „So lange ich fit bin, arbeite ich auch weiter.“

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