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Darum blieb Walter M. lange unentdeckt

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Beamte des Erkennungsdienstes untersuchen das Büro-Häuschen, in dem der Tote liegt.
Beamte des Erkennungsdienstes untersuchen das Büro-Häuschen, in dem der Tote liegt. © Kurzendörfer

Es war einer der brutalsten Morde, den die Münchner Polizei aufzuklären hatte: Vor viereinhalb Jahren starb Autohändler Manfred R. (62) in seinem Verkaufsbüro an der Dachauer Straße.

Er wurde mit etlichen Messerstichen niedergemetzelt. Vom Täter fehlte jede Spur. Eine gesicherte DNA am Tatort brachte keinen Treffer – bis zur vergangenen Woche. Die DNA-Spur führte zu Walter M. (48), einem verurteilten Gewalttäter, der nach seiner Haft seit vielen Jahren auf Mallorca lebte (tz berichtete).

Inzwischen sitzt der gelernte Tischler in einem Madrider Auslieferungsgefängnis – ein Beweis mehr, dass die Münchner Polizei keinen Fall zu den Akten legt. „Kein Mörder, kein Bankräuber, kein anderer Gewalttäter kann sich sicher sein“, sagt Richard Thiess, Vizechef der Mordkommission.

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Walter M. konnte dennoch mehr als vier Jahre unentdeckt auf der Sonneninsel Mallorca leben und arbeiten. Obwohl der heute 48-Jährige Mitte der Achtziger Jahre wegen acht Raubüberfällen auf Banken zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden war. Doch damals steckte die DNA-Analyse noch in den Kindernschuhen, eine Speichelprobe wurde nicht genommen. Im Jahr 2004, als Autohändler Manfred R. ermordet wurde, war das DNA-Verfahren jedoch anerkannt. Die Polizei sicherte damals am Tatort, an der Geldbörse des Ermordeten, eine DNA-Spur. Nur anfangen konnten die Beamten nichts damit – es gab keinen Treffer in der bundesweiten Gen-Datenbank.

Erst, als der jetzt festgenommene Verdächtige wegen seiner schweren Banküberfälle in diesem Jahr eine Speichelprobe abgegeben hatte, konnte das Verbrechen an dem Autohändler geklärt werden. Es gab eine Übereinstimmung mit dem Münchner Mordfall.

Die Festnahme allerdings gestaltete sich schwierig – Walter M. war zwar in Lübeck gemeldet, das war allerdings nur eine Scheinadresse für eine Briefkastenfirma. Tatsächlich lebte der Verdächtige auf Mallorca. Münchner Zielfahnder nahmen den gebürtigen Dachauer dort am vergangenen Donnerstag auf offener Straße fest.

Seitdem wartet Walter M. auf seine Auslieferung nach Deutschland. „Wir gehen aber davon aus, dass dies nur eine Formsache ist“, sagt Staatsanwalt Thomas Bott. Wie lange es allerdings dauert, bis der 48-Jährige nach München zurückkehrt, ist noch unklar.

Quelle: tz

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