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Darum gibt es an dieser Schule keinen Sportunterricht mehr

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Von: Bettina Stuhlweißenburg

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Sucht dringend eine Sportstätte: der Leiter des Oskar-von-Miller-Gymnasiums, Peter Schwartze, am Interimsstandort der Schule.
Sucht dringend eine Sportstätte: der Leiter des Oskar-von-Miller-Gymnasiums, Peter Schwartze, am Interimsstandort der Schule. © Klaus Haag

Zahlreiche Schulen können den Lehrplan im Fach Sport nicht einhalten, weil die Infrastruktur lahmt. Jetzt wurde bekannt, dass am Schwabinger Oskar-von-Miller-Gymnasium der Sportunterricht komplett ausfallen muss.

München - Fast 90.000 Schüler gibt es in München – und ihre Zahl wächst. Das ergibt sich aus den Bevölkerungsprognosen, auf deren Grundlage Kommunen ihre Infrastruktur planen. Doch offenbar hat es die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten nicht geschafft, sich für die Zukunft zu rüsten: Schon wieder kann eine Schule den Lehrplan nicht umsetzen – weil entsprechende Räume fehlen.

Die Rede ist vom Schwabinger Oskar-von-Miller-Gymnasium. Weil das Gebäude an der Siegfriedstraße umgebaut wird, unterrichten die Lehrer seit Schuljahresbeginn an einem Interimsstandort an der Ungererstraße. Voraussichtlich vier Jahre bleibt das Gymnasium dort. „Das ist eine schöne Anlage, in der wir uns sehr wohlfühlen“, sagt Schulleiter Peter Schwartze. „Umso bedauerlicher ist es, dass wir hier keinen Sportunterricht anbieten können.“

„Seither ist Funkstille“

Dass im Umkreis der Schule eine geeignete Sportanlage fehlt, war schon vor dem Umzug klar. Deshalb hatte die Schule vor geraumer Zeit das Gespräch mit Bildungsreferat und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gesucht. Der stellte dem Gymnasium im Juli schriftlich in Aussicht, dass die Schüler ab 2018/2019 sehr wahrscheinlich die Anlage des Vereins SV Weiß-Blau Allianz München nutzen zu können. „Doch seither ist Funkstille“, sagt Schwartze. Vom Bildungsreferat habe es auf Nachfragen nur vage Formulierungen gegeben. „Das neue Schuljahr läuft nun seit einer Woche, und wir kriegen keine Info. Wir hätten zumindest erwartet, dass man uns zum ersten Schultag über den Stand der Dinge informiert.“ Hintenrum sei zu hören, dass die Verhandlungen zwischen der Stadt und dem finanziell angeschlagenen Verein Weiß-Blau Allianz stocken. „Derzeit fehlt jegliche Perspektive, in der nächsten Zeit einen fachlehrplanmäßigen Sportunterricht zu betreiben“, sagt Schwartze.

Problematisch ist das vor allem für die Abiturienten. „Sie müssen bis Februar Punkte erworben haben. Aber wie sollen wir sie prüfen, wenn wir sie auf die Leistungsabnahme im Fach Sport gar nicht vorbereiten können?“, fragt Schwartze. Zudem absolvieren angehende Sportlehrer ihr Referendariat an der Schule – und können die Lehrproben nicht halten, die für das Staatsexamen vorgeschrieben sind.

Derzeit gehen die Schüler während der Sportstunde Joggen im Englischen Garten. Der Lehrplan sieht jedoch auch Geräteturnen, Mannschafts- und Ballsportarten vor.

Schulleiter schreibt Brandbrief

Schwartze hat nun einen Brandbrief an OB Reiter geschrieben. Darin heißt es: „Ich darf Sie daran erinnern, mit welcher Intensität die Stadt die Auffahrten der Rolltreppen mit Werbeplakaten für den städtischen Sport vollkleben lässt und sich so als Stadt des Sports präsentiert. Wie sieht die Wahrheit aus?“

Das Bildungsreferat teilte mit: „Derzeit finden intensive Verhandlungen der Landeshauptstadt München mit dem SV Weiß-Blau Allianz statt, die aber noch nicht beendet sind. Dies wurde gegenüber der Schule mehrfach klar kommuniziert. Wir prüfen gern noch einmal, ob für das Gymnasium noch Kapazitäten in umliegenden Sportanlagen vorhanden sind.“

Darüber hinaus findet an 30 Münchner Schulen kein Schwimmunterricht statt, weil Schulschwimmbäder fehlen oder marode sind. Doch Notstand herrscht nicht nur beim Sportunterricht: Eine Moosacher Grundschule war gezwungen, zu Beginn des neuen Schuljahres 100 Schüler auf dem Fußboden zu unterrichten, weil das Bildungsreferat die neuen Möbel nicht geliefert hatte.

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