München, du frustrierst deine Pendler

Darum lässt die MVG trotz U-Bahn-Chaos keine zusätzlichen Busse fahren

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„Jeden Tag Chaos“, kommentiert unser genervter Leserreporter Bertram U.

U-Bahn-Pendler sind aktuell genauso negativem Stress ausgesetzt wie dauergenervte S-Bahn-Pendler: Verspätungen und Ausfälle, vor allem auf den Linien U3 und U6. Und das Chaos wird bleiben, gibt die MVG zu. Warum setzt sie dann nicht wenigstens mehr Busse ein?

München - Die Verspätungen und Zugausfälle auf den Linien U3 und U6 – vor allem dann, wenn die meisten Pendler zur Arbeit oder nach Hause wollen – sind aktuell nicht die einzigen Probleme. Der November ist auch ein Chaos-Monat für Fahrgäste der U1 und U2 (mehr Informationen unten). Unsere Redaktion hat daher bei der Münchner Verkehrsgesellschaft nachgehakt, warum sie nicht wenigstens Busse zur Verstärkung einsetzt.  

Der Sprecher der MVG, Matthias Korte, sieht darin keine Lösung. „Busse sind leider kein adäquater Ersatz für einzelne ausfallende U-Bahnzüge über einen längeren Zeitraum.“ Als Grund rechnet er vor: „Ein Bus fasst 100 Fahrgäste, ein Zug 1000. Sie bräuchten also bis zu zehn Busse, um einen Zug auszugleichen. Für die Fahrgäste wäre der Buseinsatz auch unattraktiv. Denn sie kommen trotz zusätzlicher Wartezeit mit der U-Bahn schneller ans Ziel als mit einem Bus, der an der Oberfläche nicht den direkten Weg fahren kann und im Stau steht.“ Die U-Bahn sei nicht unterbrochen, die meisten Züge seien im Einsatz.

Die Fahrgäste beschweren sich öffentlich über das U-Bahn-Chaos

Unsere Redaktion haben in dieser Woche viele Beschwerden von Pendlern erreicht. Und auch auch auf der Facebook-Seite der MVG hinterlassen die Kunden wütende Kommentare. „Ist das nun als Dauerzustand geplant? Es kann doch echt nicht angehen dass die MVG die U3/U6 überhaupt nicht mehr geregelt bekommt“, ärgert sich ein Kunde. Einer schreibt: „Ausfälle und zu wenig Züge, dafür stehen wir nun schon minutenlang im Tunnel.“ Ein anderer Kunde schreibt: „Nein, ich entschuldige eure andauernden Verspätungen, bei Deutschlands höchsten Öffi-Preisen, NICHT! Wäre ich nicht auf euch angewiesen würde ich euch liebend gerne NICHT nutzen!“ Und ein anderer schlägt vor: „Langsam habe ich keine Lust mehr eure Verspätungen zu entschuldigen. Ich fordere einen Monat Freifahrt für alle.“ Darauf antwortet die MVG: „Den Ärger verstehen wir völlig, wir können allerdings keine Freifahrt, aber die MVG-Garantie anbieten.“ (Lesen Sie unten, was die MVG-Garantie bedeutet.*)

Die MVG gab am Dienstagnachmittag auf Facebook ein Statement zum U-Bahn-Chaos ab. Die U-Bahn-Nutzer hätten sich „zu Recht beschwert “. Doch dann schickt die MVG gleich eine schlechte Nachricht hinterher: „Leider wird uns das Thema Fahrzeugausfälle zur Hauptverkehrszeit noch etwas begleiten.“ Und als wäre das nicht schlimm genug, fehlt auch noch die Angabe, wie lange das so bleiben wird.

(Lesen Sie hier den viel beachteten Gastbeitrag, adressiert an MVG , S-Bahn und Staatsregierung: „Dieser Nahverkehr ist der 1,5-Millionen-Stadt München unwürdig.“)

Das ist der Grund für das U-Bahn-Chaos

Ein C2-Zug der MVG. 

Als Grund für die Zugausfälle gibt die MVG an, dass in den Spitzenzeiten mit maximalem Fahrzeugbedarf in der Früh und am Nachmittag nicht immer ausreichend Züge zur Verfügung stünden. Die Ursache sei die vorübergehende Sperrung der U-Bahnzüge vom Typ C2. „Zum anderen stehen mehrere Züge mit Flachstellen (Anmerkung der Redaktion: Damit sind unerwünschte Abnutzungserscheinungen an den Rädern gemeint) an den Rädern in der Werkstatt, die trotz Sonderschichten nur sukzessive wieder in den Einsatz gebracht werden können.“ Der Grund für die Flachstellen waren der Mitteilung zufolge schmierige Gleisverhältnisse auf der Oberflächenstrecke zwischen Studentenstadt und Garching am vorvergangenen Wochenende, verursacht durch Sturmtief Herwart. Dadurch waren Räder einiger Züge bei Bremsvorgängen ins Rutschen geraten und hatten sich uneinheitlich abgenutzt. „Sofern die erforderliche Zahl von Zügen in den Hauptverkehrszeiten nicht erreicht wird, entfallen vorwiegend Verstärkerzüge mit möglichst kurzen Einsatzzeiten, damit die Anzahl der betroffenen Fahrgäste so gering wie möglich ist.“

Eine Kundin kommentiert: „ Lächerlich! Einfach nur lächerlich! Aber Hauptsache Preise erhöhen und immer weniger Service/Leistung bieten.“

Was ist Ihre Meinung  als MVG-Kunde? Schreiben Sie es in die Kommentare. 

* So erklärt die MVG ihre Geld-zurück-Garantie: „Wenn eines unserer Verkehrsmittel (U-Bahn, Bus und Tram) mehr als 20 Minuten Verspätung hat, erstatten wir je Betriebsstörung den Wert einer Single-Tageskarte für den Innenraum auf Ihr Konto. Wenn Sie wegen einer von uns verursachten Verspätung den letzten Anschluss verpassen, erstatten wir sogar Taxikosten bis 25 Euro. Ausgenommen von der Garantie sind angekündigte Maßnahmen wie Baustellen, Veranstaltungen etc. Ebenso machtlos sind wir gegen verstopfte Straßen, extreme Wettersituationen, Falschparker, Unfall, Streik und andere unvorhersehbare Ereignisse.“

Chaos-Monat November: An diesen Tagen sollten Sie die U1/U2 lieber meiden

Auf den U-Bahn-Linien U1 und U2 läuft es an allen Wochenenden im November nicht so wie gewohnt, denn die Gleise werden saniert. Hier erfahren Sie, wie Sie trotzdem ans Ziel kommen.

Lesen Sie hier: Zeigen Sie uns, wie Sie U-Bahn fahren – und wir sagen Ihnen, wer Sie sind.

sah

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