Für 1,2 Millionen Euro saniert – doch rein darf niemand

Das Geheimnis des Löwenturms

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Ein wenig verloren steht der Löwenturm jetzt inmitten der modernen Glasfassaden am Rindermarkt. Da der Turm kein Treppenhaus hat, kann niemand die einmaligen gotischen Fresken im Inneren bewundern.

Der Löwenturm am Rindermarkt ist eines der geheimnisumwittertsten Gebäude Münchens.

Ist er ein Teil der ersten Stadtbefestigung oder war es ein Wasserturm? Nach einer aufwändigen Renovierung ist die Stadt jetzt dem Geheimnis auf der Spur. Wertvolle Fresken an den gotischen Gewölben erzählen die wahre Geschichte des alten Gemäuers. Dumm nur, dass niemand den Turm besichtigen kann. Es gibt keine Treppe zu den geheimnisvollen Gemächern.

Das Erdgeschoss mit seinem gotischen Gewölbe ist verrußt, hier war einst eine Weinstube.

Schon auf dem berühmten Sandnerschen Stadtmodell von 1572 ist der Löwenturm inmitten des Gewimmels der Häuser am Rindermarkt zu erkennen. 23 Meter hoch, aus Ziegeln erbaut mit sieben Geschossen hielten frühere Generationen den Turm irrtümlicherweise für eine Hinterlassenschaft des Stadtgründers Heinrich der Löwe – daher der Name.

Für einen Teil der Stadtmauer wurde er gehalten, doch die verlief nie so nahe am Rindermarkt. Andere deuteten ihn als Wasserturm zur Bewässerung eines längst verschwundenen Vorstadtgartens. Jedenfalls war der Turm bis 1945 auf drei Seiten eingemauert zwischen den ebenfalls teils mittelalterlichen Häusern des Angerviertels. Die Geschosse des Turmes beherbergten Zimmer, die von den Bewohnern der angrenzenden Häuser benutzt wurden.

Während des Kriegs wurden die Nachbargebäude zerstört, nur der Löwenturm blieb einsam stehen und hatte plötzlich keine Funktion mehr. Nach dem Krieg wurde die Löwenturmpassage an ihn angebaut. Als die 2000 für den Bau des gläsernen Leomax abgerissen wurde, stand der Turm endgültig alleine und ohne Stütze da – und begann sich zu neigen, weshalb eine aufwändige Sanierung notwendig wurde. Das Fundament wurde mit Betonspritzen unterfangen, seit 2006 bis zum Frühjahr das Mauerwerk für 1,2 Millionen Euro erneuert. Und dabei entdeckten die Restauratoren die in der gesamten Region einmaligen spätgotischen Schablonenmalereien, die die Wappen alter reicher Münchner Familien zeigen. „Der Löwenturm war somit wohl eine Art Geschlechterturm, wie sie damals in der Toskana üblich waren“, so Stadtarchivar Richard Bauer zur tz. „Es ist nur schade, dass niemand diese Fresken besichtigen kann. So hat die ganze aufwändige Sanierung etwas von Schilda.“ Eine angebaute Freitreppe hätte vielleicht den Denkmalfans den Weg zu den wertvollen Fresken ebnen können. Dazu müsste man eventuell einige nach dem Krieg zugemauerten Fenster oder Türen öffnen.

„Das kommt schon aus Denkmalschutzgründen nicht in Frage“, so Florian Hochstätter vom städtischen Baureferat. „Wir wollen ja die wechselvolle Geschichte des Turmes, die sich am Mauerwerk widerspiegelt, erhalten.“ Und der Bau einer Freitreppe sei auf der Gehsteigseite nicht möglich, da dort eh schon Platzmangel herrsche. „Die anderen Seiten sind Privatgrund.“ Immerhin: Im Sommer soll es ein Heft geben, in dem die renovierten Fresken der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Quelle: tz

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