"Das ist von meinem Gold geblieben"

+
Caroline Casaretto mit ihrer Goldmedaille.

Wenn Heike Drechsler, Rosi Mittermaier oder Anni Friesinger über die Straße gehen, jagen ihnen begeisterte Fans hinterher und fragen nach Autogrammen.

Wenn Caroline Casaretto über den Stiglmaierplatz geht, spricht sie niemand an – obwohl auch sie Olympiasiegerin ist. Die tz hat nachgefragt: Was ist eigentlich von dem Glanz von damals geblieben – was ist Olympisches Gold wert?

2004 gewann Casaretto mit der Deutschen Feldhockey-Nationalmannschaft Gold in Athen. 2:1 ging das Spiel gegen die Niederlande aus. Jubel! Casaretto feierte und ließ sich feiern von Familie, Freunden und Fans. Drei Wochen dauerte der Medienrummel um die Olympiasiegerin in einer eher unbekannten Sportart. Danach kam der Alltag wieder. Nun genießt Caroline Casaretto ihre Goldmedaille allein.Sie hängt heute in einer Vitrine an der Wohnzimmerwand in ihrer Wohnung am Stiglmaierplatz. Sie hängt dort allein – „ein Sieg in Olympia steht über allem“. Die 30-Jährige sieht ihre Medaille, wenn sie auf dem Sofa oder an ihrem Schreibtisch sitzt. „Manchmal nehme ich sie auch raus und lege sie an – aber nur zu Hause. Das ist immer noch ein tolles Gefühl.“ Nach ihrem Sieg in Athen trug sie die Medaille vier Wochen lang Tag und Nacht.

Was ist das Gold wert? Reich wurde Casaretto nach ihrem Sieg nicht. „Ich habe von der Sporthilfe 15 000 Euro Prämie bekommen.“ Aber millionenschwere Werbeverträge, wie sie der Olympia-Goldfisch Michael Phelps bekommt, wurden ihr nie angeboten. „Hockey ist und bleibt eine Randsportart. Das ist mir auch Recht. Geld macht viel kaputt.“ Auch nach dem Sieg musste sie die Fahrkosten zu Bundesliga-Spielen mit dem Münchner SC selbst zahlen. „Die Hockeyhalle vom MSC ist einsturzgefährdet – es ist halt einfach kein Geld da.“ Caroline Casaretto nimmt’s locker: „Diese Medaille ist der Höhepunkt meiner sportlichen Karriere. Aber ich binde das niemand auf die Nase.“

Während sie in Athen Olympiasiegerin wurde, war Caseretto Grundschul-Lehramtsstudentin an der LMU. Bald tritt sie ihr zweites Refendariat an der Grundschule in Neuperlach an. „Ich verdiene 800 Euro im Monat. Meine Eltern zahlen die Wohnung, sonst würde ich das nicht schaffen.“ Sie wohnt dort mit ihrem Freund Johannes Specht. „Er ist auch Feldhockey-Spieler beim MSC. Wir kannten uns schon, bevor ich Olympiasiegerin wurde.“ Die Beziehung veränderte die Medaille nicht. „Wir sind seit fünf Jahren zusammen. Gerade ist er im Ausland zum Arbeiten, er ist Bauingenieur.“

Viele Schüler und Kollegen wissen gar nicht, dass sie Olympiasiegerin ist. Als sie einmal auf Klassenfahrt mit einer dritten Klasse war, erkannte sie ein Schüler. „Der hatte vorher einen Artikel über mich in der Zeitung gelesen.“ Also erzählte sie den Kindern von den olympischen Spielen in Athen und von ihren Gefühlen nach dem Sieg. „Gleich nach dem Spiel habe ich mich vollkommen leer gefühlt. Dass ich jetzt Olympiasiegerin bin, habe ich erst Wochen später realisiert.“Heuer am 27. April absolvierte sie ihr letztes Spiel als Feldhockeyspielerin in der Bundesliga. In drei Wochen fährt sie nach Hamburg. „Dann spiele ich bei einem Ü30-Turnier mit.“ Sie wird nächstes Jahr ihr zweites Staatsexamen schreiben und darauf hoffen, dass sie Beamtin wird. „Wenn das nichts ist, dann werde ich halt Trainerin. Das nehme ich locker!“

Katharina Bitz

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Aggressive Jugendliche sorgen für Ärger im Englischen Garten - Polizei beobachtet eine provokante Masche
Aggressive Jugendliche sorgen für Ärger im Englischen Garten - Polizei beobachtet eine provokante Masche
Ausraster in München: Autofahrer durchbricht Absperrungen und rast auf Polizisten zu
Ausraster in München: Autofahrer durchbricht Absperrungen und rast auf Polizisten zu
FC Bayern feiert große Party am Marienplatz - diese Einschränkungen gelten in der Sperrzone
FC Bayern feiert große Party am Marienplatz - diese Einschränkungen gelten in der Sperrzone

Kommentare