tz-Bürgeranwalt

Das Schnäppchen vom Flohmarkt: Kunst oder Krempel?

+
Andreas Ruef von der Galerie Ruef schätzt Silke Helmdachs Vase auf 450 Euro.

In einer neuen Serie kümmert sich die tz zusammen mit dem Journalisten Dietmar Gaiser um die Sorgen der Leser.

War der Flohmarktkauf ein Reinfall – oder hat Frau Helmdach mit ihrer Vase sogar ein echtes Schnäppchen gemacht? Um das herauszufinden, waren wir mit der Käuferin im Bayerischen Nationalmuseum München, das eine große Jugendstilsammlung hat. Dort sprachen wir mit der Direktorin Dr. Renate Eikelmann und dem Jugendstil-Spezialisten Dr. Michael Koch. Die einhellige Meinung der Experten: Bei der Vase von Frau Helmdach handelt es sich tatsächlich um eine echte Jugendstilvase!

Dr. Michael Koch: „Anhand des Hersteller-Stempels mit dem Namen Jérome Massier kann ich die Vase auch zeitlich genau einordnen: Sie wurde zwischen 1900 und 1910 hergestellt.“ Der Stempel besagt auch, dass sie aus der südfranzösischen Manufaktur Massier in Vallauris stammt. Diese Fabrik gibt es heute noch – sie zählt zu den bekanntesten Keramikherstellern Frankreichs!

Lesen Sie auch:

tz-Bürgeranwalt: Im Streit mit der GEZ

tz-Bürgeranwalt: Telekom halbiert Rechnung

Neue Serie: Die tz hilft bei Problemen!

Bei der Herstellung wurde die Vase doppelt glasiert: erst weiß, dann rot. Besonders schön fanden die beiden Fachleute die rot geflammte Laufglasur. Die hat zwar kleine Risse – die sind aber beabsichtigt. „Dadurch wird die Oberfläche sehr interessant. Das ist den damals sehr in Mode gewesenen ostasiatischen Vasen abgeschaut“, sagte Dr. Michael Koch.

Um den Wert der Vase zu erfahren, zeigten wir sie Andreas Ruef vom Auktionshaus Ruef. Die Meinung des Experten: „Die Flecken sind zwar eher störend, falls Frau Helmdach die Vase verkaufen will. Ich schätze aber trotzdem, dass die Vase auf dem freien Markt etwa 450 Euro bringen würde.“

Inzwischen hat das Nationalmuseum die Vase in seine Restauratoren-Werkstatt gegeben und die Flecken dort untersuchen lassen. Das überraschende Ergebnis: Die Flecken befinden sich nicht in der Glasur, sondern sind lediglich oberflächlich. Ein erfahrener Restaurator könnte sie leicht entfernen – dann wäre die Vase sogar noch mehr wert. Silke Helmdach hat bei ihrem Flohmarktbesuch also einen echten Glücksgriff gemacht!

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

OB-Kandidatin wütet über S-Bahn-Chaos: Hiobsbotschaft am Tag darauf, dann wiegeln die Verantwortlichen ab
OB-Kandidatin wütet über S-Bahn-Chaos: Hiobsbotschaft am Tag darauf, dann wiegeln die Verantwortlichen ab
Er klingelte, dann fiel er über sie her - DHL-Paketbote vergewaltigt junge Münchnerin (20)
Er klingelte, dann fiel er über sie her - DHL-Paketbote vergewaltigt junge Münchnerin (20)
„Macht keinen großen Sinn“: Wirt in Münchner Traditions-Gasthaus hört auf - Der Nachfolger ist stadtbekannt
„Macht keinen großen Sinn“: Wirt in Münchner Traditions-Gasthaus hört auf - Der Nachfolger ist stadtbekannt
Zug an der Hackerbrücke entgleist: Weichen repariert, wichtige Frage bleibt offen: „Kann noch Wochen dauern“
Zug an der Hackerbrücke entgleist: Weichen repariert, wichtige Frage bleibt offen: „Kann noch Wochen dauern“

Kommentare