„Das Thema Einsamkeit rückt ganz nach oben“

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Alexander Fischhold ist Chef der katholischen Telefonseelsorge

München - Die Mitarbeiter der Katholischen Telefonseelsorge sind auch über die Weihnachtsfeiertage rund um die Uhr erreichbar. Hier gibt es Hilfe.

Alexander Fischhold leitet die Katholische Telefonseelsorge München. Rund um die Uhr sind seine Mitarbeiter dort bei Kummer und Nöten jeder Art zu erreichen – auch an Weihnachten. Der Dienst an den Feiertagen ist auch für die Seelsorger und Berater der Hotline anders als sonst. Vor allem die Themen unterscheiden sich.

Herr Fischhold, erhält die Telefonseelsorge an Weihnachten mehr Anrufe als sonst?

Hier gibt es Hilfe

- Katholische Telefonseelsorge: 0800/111 0 222 (ganztägig)

- Evangelische Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 (ganztägig)

- Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/ 111 0 333 (Heiligabend, 14 bis 20 Uhr)

- Suchthotline München: 089/ 28 28 22 (rund um die Uhr)

- Krisendienst Psychatrie: 089/ 72 95 96 0 (täglich 9 bis 21 Uhr)

- Frauennotruf München: 089/ 76 37 37 (täglich 18 bis 24 Uhr)

- Kinderschutzzentrum München: 089 55 53 56 (Heiligabend und Feiertage 9.30 bis 11.30 Uhr)

Das nicht – wir sind 365 Tage im Jahr gut ausgelastet. Aber die Themen sind in der Advents- und Weihnachtszeit andere als sonst. Vor allem das Thema Einsamkeit rückt ganz nach oben. Über die Medien wird Weihnachten ja als Fest der Familie und der Harmonie vermittelt. Viele Menschen erleben jedoch eine andere Realität. Wenn zum Beispiel erst vor kurzem der Ehepartner verstorben ist, schmerzt das an Weihnachten ganz besonders.

Welcher der Feiertage ist da am schlimmsten?

An Heiligabend ab dem späten Nachmittag rufen wirklich nur noch die an, die alleine und einsam sind. Alle anderen stehen dann schon in der Küche oder schmücken den Weihnachtsbaum.

Welche Ratschläge können Sie den Einsamen am Telefon geben?

Zunächst wollen wir den Anrufern vermitteln, dass es vielen Menschen ähnlich geht, dass viele Menschen einsam sind. Das Idealbild vom harmonischen Weihnachtsfest mit der Familie, dass in Medien und Gesellschaft vorherrscht, trifft eben nicht immer zu. Die christliche Aussage über Weihnachten ist ja auch eine andere: Da ist Weihnachten eben kein Fest der Familie, sondern ein Fest der Gemeinschaft.

Den Dienstplan für Weihnachten zu füllen – das war kein Problem?

Das hat ganz gut geklappt. Wir haben ja sowohl hauptamtliche als auch ehrenamtliche Mitarbeiter. Manche von ihnen arbeiten lieber an Heiligabend, andere am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag. Tagsüber werden je zwei Mitarbeiter am Telefon sitzen und in der Nacht einer. Dazu kommen noch die Kollegen von der evangelischen Telefonseelsorge.

Wie gehen die Mitarbeiter damit um, wenn ihnen ein Gespräch mal richtig an die Nieren geht?

Prävention ist da die wichtigste Hilfe. Sogar unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter werden zunächst ein Jahr lang berufsbegleitend ausgebildet. Die wissen also meistens, wie sie dann in der Praxis mit einer schwierigen Situation umgehen müssen. Hinzu kommen monatliche Gespräche mit Fachpersonal, in denen schwierige Erlebnisse verarbeitet werden. Oder man atmet nach einem Telefonat erst mal tief durch und spricht mit den Kollegen, die gerade da sind.

Interview: Tobias Schulze

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