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Wiesn-Wirt verschenkte 250 Freimarken an die Polizei: So urteilte das Amtsgericht

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Von: Andreas Thieme

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Hofbräu-Wirt Günter Steinberg und seine Frau Margot waren am Amtsgericht angeklagt
Hofbräu-Wirt Günter Steinberg und seine Frau Margot waren am Amtsgericht angeklagt © SIGI JANTZ

Freimarken für Bier und Hendl - darüber freut sich zur Wiesn jeder Münchner. Doch wenn die Polizei Bierzeichen annimmt, gibt’s mittlerweile Ärger. Das bekam jetzt Hofbräu-Wirt Günter Steinberg (82) zu spüren

München - Der Wirt des Hofbräuzelts muss sich vor dem Amtsgericht verantworten, weil er zwischen 2014 und 2018 je 50 Wiesn-Marken bei der Polizeiinspektion in Grünwald abgegeben hatte - das bestreitet er auch nicht. Doch die Staatsanwaltschaft sieht darin eine Vorteilsgewährung und hat Steinberg angeklagt. Der Verdacht: Wurde sein Zelt wegen der Gefälligkeit etwa seltener kontrolliert?

„So ein Schmarrn“, schimpft Steinberg. „Ich bin seit 40 Jahren auf der Wiesn. Wir wollten den Leuten eine Freude machen. Das hat eine lange Tradition auf der Wiesn, sich zu bedanken. Übrigens nicht nur bei der Polizei, sondern auch bei Feuerwehr, Rettungsdienst und Handwerkern. Es kann doch nicht sein, dass man dafür bestraft wird.“

Die Staatsanwaltschaft sieht das anders und wirft Steinberg vor, er habe Einfluss auf die Polizei nehmen wollen. Brisanz hat der Fall auch wegen der Wiesn 2019: Damals hatte der Leiter der Wiesn-Wache Wirt Peter Pongratz vor einer Razzia gewarnt. Seither dürfen die Beamten auf dem Oktoberfest keine Gutscheine mehr annehmen.

München: Wiesn-Wirt Steinberg verschenkte Mass und Hendl an die Polizei

Laut Gesetz gilt: Geschenke bis 25 Euro für Beamte sind erlaubt - so handhabt es auch die Stadt einmal pro Jahr für ihre Mitarbeiter. Doch Polizisten ist das verboten. 250 Wiesn-Marken von Steinberg hatte die Grünwalder Wache aber zwischen 2014 und 2018 laut Staatsanwaltschaft angenommen. „Vor Ort hatte mir niemand mitgeteilt, dass ich die Marken nicht abgeben darf“, sagt Steinberg. Abgelehnt hatten die Polizisten sie auch nicht. Der Inspektionsleiter wurde suspendiert - und Steinberg sitzt jetzt auf der Anklagebank.

Der Wirt beteuert: „Ich habe keine Gegenleistung für die Marken erwartet und auch nie bekommen.“ Die Grünwalder Polizisten kenne er auch nicht persönlich. „Zur Wiesn werden Wirte angehalten, Freimarken an die wichtigsten Institution zu geben“, sagt Steinberg. „In München ist das erlaubt, in Grünwald nicht? Wer soll das verstehen?“

Für Steinberg beantragte die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen – knapp unter einer Vorstrafe. Doch das Amtsgericht sah „keinen Beweis für eine Unrechtsvereinbarung“, zudem waren die Schenkungen in der Buchhaltung hinterlegt. Nach sieben Stunden Prozess hieß es am Ende: Freispruch! 

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