Strahlendes Lächeln, blonde Haare

Münchner decken auf: Falsche Traumfrauen im Internet

München - Strahlendes Lächeln, blonde Haare und nette Nachrichten: Auf vielen Dating-Portalen im Internet scheinen sich wahre Traumfrauen zu tummeln. Doch kennenlernen können Männer viele dieser Traumfrauen nicht.

Eine Umfrage des Münchner Verbraucher-Portals Aboalarm ergab, dass kein einziger von 500 befragten Männern persönlich eine Frau getroffen hat, mit der er auf bestimmten Sex-Portalen gechattet hatte.

Ingesamt 26 Dating-Seiten hat Aboalarm gefunden, die so genannte Fake-Profile nutzen. Damit gemeint sind Leute, die nicht mit ihrer echten Identität auftreten – also wie ein Schauspieler. Etwa: Ein Mann gibt sich als Frau aus. Oder: Jemand spielt gleich mehrere Personen. Aboalarm-Geschäftsführer Dr. Bernd Storm van’s Gravesande (40) sagt: „Viele ­schreiben sogar in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen, dass sie Fake-Profile oder Animateure für den Chat nutzen. Aber wer liest schon akribisch das Kleingedruckte …?“

Die Portale gleichen mit dieser Methode aus, dass sich meist viel mehr Männer als Frauen anmelden – und machen oft Geld mit den falschen Traumfrauen. Denn die Nutzung der meisten Datingportale ist kostenlos, Dienste wie Chats aber gehen ins Geld.

Bernd Storm van’s Gravesande und Simone Groß von Aboalarm.

Das Münchner Unternehmen Aboalarm deckt seit 2008 Maschen wie die Flirt-Falle auf. Die Idee zur Service-Seite kam Bernd Storm van’s Gravesande allerdings durch eine Bahncard. „Ich hatte nicht mehr daran gedacht, meine Bahncard zu kündigen. Der Vertrag wurde ungewollt verlängert, weil ich die Kündigung schlicht vergessen hatte“, sagt Storm van’s Gravesande. Also entwickelte er ein Programm, das an Kündigungen erinnert. Das benutzen übrigens mittlerweile täglich 10.000 Menschen (www.aboalarm.de). Vom Handy über Fitnessstudio zu Versicherungen gibt’s 16.500 von Anwälten geprüfte Kündigungsschreiben und Adressen, wohin sie geschickt werden müssen.

Aboalarm hat nicht nur selbst Daten erhoben, sondern auch fremdes Material ausgewertet. Als dem Seitensprung-Portal Ashley Madison Daten geklaut wurden, kam raus, dass es dort 31 Millionen angemeldete Männer gab und nur 5,5 Millionen Frauen. Von diesen weiblichen Identitäten waren wohl nur 12 000 echt. So kamen auf eine echte Frau statistisch 2583 Männer.

Aboalarm empfiehlt Single­-Portale wie Parship, ElitePartner und Friendscout24. Hier berichtete in der Umfrage jeder dritte Nutzer, dass er eine Frau aus dem Portal persönlich getroffen habe. Die hat dann womöglich nicht ausgeschaut wie aus dem Katalog, aber sie war eine echte Traumfrau. 

So erkennen Sie Fake-Profile

Zuerst sollten Sie die AGBs prüfen, ob dort auf Animateure hingewiesen wird. Das kann in etwa so aussehen: „ … setzt zur Animation und Unterhaltung der Nutzer professionelle Animateure und Operatoren ein, die im System nicht gesondert gekennzeichnet werden.“ Oft sind Fakeprofile mit Hochglanzfotos zu schön, um wahr zu sein. Die Frauen ­schreiben meist eine allgemein gehaltene Nachricht – auch wenn das Datingprofil des Mannes nicht vollständig ist und etwa das Bild fehlt. Mit dem Foto der Dame lässt sich rasch prüfen, ob es aus einer Datenbank ist und auf einer Vielzahl von Portalen verwendet wird: Foto auf dem Desktop speichern, gehen Sie zur Google-Bildersuche. In der Suchleiste ist ein kleines Kamerasymbol. Klicken Sie auf dieses Kamerasymbol und laden Sie das Bild hoch.

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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