Demenz: So trifft's die Münchner

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Irgendwann trifft es fast jeden: Immer mehr Münchner werden pflegebedürftig.

München - Alzheimer kommt schleichend, der Patient ist volkommen wehrlos gegen die Krankheit. Die Zahl der Kranken in München steigt in den kommenden Jahrend drastisch, die Stadt will Betroffene besser beraten.

Gegen den Pflege-Notstand forderten rund 2000 Helfer bei einer Demonstration am Mittwoch auf dem Odeonsplatz bessere Bedingungen in der Pflege, mehr Geld und eine gründlichere Ausbildung.

Die Krankheit gräbt sich tief ins Gehirn und verändert den ganzen Menschen - sein Denken, seine Sprache, den Charakter. Doch die Welt steht Alzheimer völlig wehrlos gegenüber. Nach Jahrzehnten der Forschung können die Mediziner weder eine Ursache, noch ein Medikament vorweisen. Das macht die Krankheit zum Schrecken: Alzheimer macht dement - und Demenz macht pflegebedürftig. Die Zahl der Betroffenen steigt dramatisch. In München erwartet das Sozialreferat einen Anstieg um 47 Prozent in den nächsten 20 Jahren: Die Zahl der Menschen mit Demenz in der Stadt soll von aktuell 17 100 auf 25 100 steigen! „Für diese Menschen werden in Zukunft noch mehr Spezialangebote nötig“, warnt Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) in ihrem „Seniorenpolitischen Konzept“, das sie am Donnerstag dem Stadtrat vorstellen will.
Heute fallen viele Kranke noch durchs soziale Netz - zu fit für eine Pflege, zu verwirrt für das Leben. Die wichtigste Ursache für die Entwicklung liegt in der Alterung. Leben aktuell 59 300 über 80-Jährige in der Stadt, könnten es bis 2030 schon 90 700 sein - ein Plus von 53 Prozent. Irgendwann trifft es fast jeden: Die Münchner werden immer älter und brauchen immer mehr Hilfe. So wird die Zahl der Pflegebedürftigen laut Prognose der Stadt schon in den nächsten zehn Jahren auf 29 000 steigen - ein Plus von rund 4000 im Vergleich zu heute. Nach dem jüngsten Pflege-Report müssen jeder zweite Mann und drei von vier Frauen damit rechnen, im Laufe ihres Lebens zum Pflegefall zu werden. Das war bisher nicht so: In den

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letzten zehn Jahren waren jeweils rund 25 000 Münchner pflegebedürftig. Verändert hat sich nur die Zusammensetzung - immer weniger werden von Angehörigen versorgt, immer mehr brauchen einen der aktuell 218 Pflegedienste in der Stadt, die Zahl der Senioren in den 53 Heimen bleibt gleich. Diese Einrichtungen bieten 7052 Pflegeplätze an, die zu 95 Prozent ausgelastet sind - vor allem mit Frauen.

Die gute Nachricht aber lautet: Insgesamt muss nur jeder vierte Pflegebedürftige seine eigenen vier Wände verlassen. Hier greift der gesetzliche Grundsatz: „ambulant vor stationär“. Doch da ergeben sich neue Probleme: Wer kann schon beurteilen, ob ein Pflegedienst richtig hilft, ordentlich arbeitet und sauber abrechnet? Die Abhängigkeit der Senioren ist riesig. Darum will die Stadt einen neuen Fachdienst Pflege einrichten: Der soll die Pflegebedürftigen unabhängig beraten und die Pflegeangebote prüfen. Die zunächst vier nötigen Stellen soll der Stadtrat am Donnerstag genehmigen. Zwei Entwicklungen aber betrachtet die Sozialreferentin „mit Sorge“: Es gäbe in der Stadt zu wenig Kurzzeitpflegeplätze, um die Angehörigen etwa für einen Urlaub zu entlasten. Und die Pflegeeinrichtungen bekämen immer schwieriger gutes Personal.

David Costanzo

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