Trend hält an

Demeter, Bioland und Co.: Das steckt hinter den Bio-Siegeln

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Äpfel mit Bio-Siegel.

Der Bio-Trend hält an und vor allem die Münchner schauen ganz genau hin, wenn es um ihre Lebensmittel geht. Die tz hat mit der Expertin Birgit Hinsch, Test-Redakteurin bei Öko-Test, über die Bio-Siegel gesprochen.

Frau Hinsch, bio ist mittlerweile gefühlt überall. Aber was ist bio eigentlich?

Birgit Hinsch: Bio steht für eine kontrolliert biologische Erzeugung von Lebensmitteln, beispielsweise ohne Pestizide und synthetische Düngemittel. Bei der Tierhaltung garantiert bio, dass Vorgaben eingehalten werden, die über gesetzliche Mindeststandards der konventionellen Haltung deutlich hinausgehen – zum Beispiel beim Ökofutter oder der Frage, wie viel Platz die Tiere haben.

Und woran erkenne ich, ob ein bestimmtes Produkt, das ich kaufen will, bio ist?

Birgit Hinsch von der Zeitschrift Öko-Test.

Hinsch: Grundlegend ist das EU-Biosiegel mit dem grünen Blatt. Es garantiert die Einhaltung der Bio-Mindeststandards. Die Landwirte müssen zertifiziert sein und werden überprüft. Häufig gibt es auch noch das achteckige deutsche Siegel, das hat aber an Relevanz verloren. Vertrauenswürdig sind die Label der deutschen Anbauverbände wie Demeter, Naturland oder Bioland. Diese haben noch strengere Auflagen als beim EU-Siegel.

„Wasser in Mehrwegflaschen kaufen“

Der Verbraucher ist oft verwirrt angesichts der vielen Siegel…

Hinsch: Dabei sind die gesetzlichen Regeln viel strenger geworden. Die einzige Ausnahme gibt’s beim Thema Wasser: Da hat eine Firma ein eigenes Siegel entwickelt, das nicht gesetzlich geschützt ist und nennt sich nun Bio-Wassser…

Ein Marketing-Clou?

Hinsch: Nicht nur. Die Erzeugung ist nachhaltiger – und einige Grenzwerte etwa für Uran sind strenger als allgemein vorgeschrieben. Aber es gibt auch andere Wässer, die ähnlich gut getestet wurden. Ich würde eher empfehlen, ein Wasser in Mehrwegflaschen aus der Region zu kaufen.

Es scheint, als käme kein Untenehmen mehr um Bio herum…

Hinsch: Ja, selbst Drogerieketten sind eingestiegen. Der Absatz bei großen Biomärkten und Filialisten steigt und steigt. Der Nebeneffekt ist, dass immer mehr kleine Bioläden schließen.

Wie erklären Sie sich den Hype?

Hinsch: Die Sensibilisierung der Verbraucher ist gestiegen. Sie inte­ressieren sich mehr als früher dafür, wie und wo Lebensmittel erzeugt werden. Und der Verbraucher kauft gerne verlässliche Produkte. Auch wenn Bio-Produkte die Erwartungen nicht immer zu 100 Prozent erfüllen…

„Gesundheitliche Vorteile sind immens“

Können Sie das näher erklären?

Hinsch: Auch Bioprodukte können Probleme mit den gleichen Schadstoffen haben wie konventionelle Produkte, etwa mit Mineralöl, dass durch die Verpackung hineinkommen kann.

Es gibt Studien, die besagen, dass bio gar nicht gesünder und umweltfreundlicher ist – Stichwort größere Anbauflächen. Ist da was dran?

Hinsch: Zum Teil. Die gesundheitlichen Vorteile sind nicht immens. Bio-Lebensmittel haben selten mehr Vitamine. Man kann sich auch ohne Bio ausgewogen und gesund ernähren. Bei Bio ist aber der Prozessgedanke entscheidend: Der Anbau etwa ist umweltschonender, da keine Pestizide eingesetzt werden und nur organische Dünger. Das ist besser für die Böden und die Artenvielfalt.

Also ist Bio besser?

Hinsch: Im großen und ganzen können wir Bio empfehlen. Vor allem bei Grundnahrungsmitteln. Obwohl sich jeder fragen sollte, ob man jeden Hype mitmacht. Einen Bio-Pro­teinriegel oder Ähnliches braucht man nun wirklich nicht.

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