Demjanjuk-Prozess: Beweisaufnahme abgeschlossen

München - Das Münchner Schwurgericht hat die Beweisaufnahme in der knapp 16-monatigen Verhandlung gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk geschlossen. So geht es weiter.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk geht einem Ende zu.

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Das Münchner Landgericht hat am Donnerstag die Beweisaufnahme im Prozess gegen den wegen Beihilfe zum tausendfachen Mord an Juden angeklagten John Demjanjuk geschlossen. Am kommenden Dienstag soll nun nach knapp 16-monatiger Verhandlung voraussichtlich der Staatsanwalt plädieren. Der 90-Jährige Demjanjuk ist in einem der letzten NS-Prozesse wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 27 900 Fällen angeklagt. Der gebürtige Ukrainer soll 1943 als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor geholfen haben, jüdische Häftlinge in die Gaskammern zu treiben.

Demjanjuk hat sich in dem Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert. In Erklärungen hat er das Verfahren als “politischen Schauprozess“ bezeichnet.

Vor dem seit Wochen immer wieder angekündigten Abschluss der Beweisaufnahme verlas der Vorsitzende Richter Ralph Alt einen 13-seitigen Beschluss. Darin wies seine Kammer die zuletzt gestellten Anträge der Verteidigung als unerheblich für den Ausgang des Verfahrens zurück. Anwalt Ulrich Busch hatte an den vorangegangenen vier Sitzungstagen noch mehr als 400 Anträge gestellt, davon 64 allein am Donnerstag.

Dabei ging es vor allem um Verlesungen von Aussagen und Auszügen des Urteils in dem Mordprozess gegen Demjanjuk in Israel. Dort hatte ihn ein Gericht zunächst als “Iwan der Schreckliche“ aus dem Vernichtungslager Treblinka zum Tode verurteilt. Nach fünf Jahren in der Todeszelle wurde Demjanjuk vom obersten israelischen Gericht freigesprochen - nach den neuen Erkenntnissen war er nicht “Iwan der Schreckliche“.

Bei Fortsetzung des Münchner Prozesses am kommenden Dienstag (22. März) soll die Staatsanwaltschaft ihren Schlussvortrag halten. Danach kommen die Nebenkläger - Überlebende des Vernichtungslagers und Angehörige Ermordeter - zu Wort. Das Plädoyer von Verteidiger Busch wird voraussichtlich mehrere Tage dauern, da gegen den greisen Angeklagten täglich nur etwa drei bis vier Stunden im Beisein eines Arztes verhandelt werden kann. Das Schwurgericht hat vorsorglich noch zehn Sitzungstage bis 12. Mai festgesetzt.

Demjanjuk nimmt an den Sitzungen im Liegen auf einem Rollbett teil. Vor gut drei Wochen hatte er einmal angekündigt, innerhalb von zwei Wochen einen Hungerstreik zu beginnen, wenn nicht die von seinem Verteidiger geforderten Beweismittel unter anderem aus Russland beigezogen würden. Die Drohung hat er aber bisher nicht umgesetzt.

dpa

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