Demo auf dem Marienplatz

Münchens Wirte und Hotels wollen wieder auftischen - „Warum darf ein Gartencenter aufmachen?“

Auf dem Marienplatz in München bekamen Passanten ein Tänzchen zu sehen. Mit Freude hatte das jedoch kaum zu tun: Gastronomie und Hotels demonstrierten gegen den Corona-Lockdown.

München - Kerzen, Teller, Weingläser, Servietten – der Tisch am Marienplatz* ist festlich gedeckt. Auch das Bett gleich daneben ist gerichtet – doch es wird dort weder übernachtet noch gegessen. Stattdessen tanzen Münchner Gastronomen und Hoteliers zu dem Hit Jerusalema. Ihr Ziel ist, auf die Not der Branche aufmerksam zu machen. Deshalb hatten der Leaders Club Deutschland zur „Jerusalema Dance Challenge“ und der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga am Montag zur Aktion „Gedeckter Tisch & Gemachtes Bett“ aufgerufen. „Wir wollen wieder arbeiten dürfen“, sagt Christian Schottenhamel, Nockherberg-Wirt und Münchner Dehoga-Chef. „Es hängen viele Existenzen dran.“

München: Verwunderung über unterschiedliche Lockerungskonzepte - Zeit für Biergärten?

Die Gastronomen hätten viel Geld in Hygienemaßnahmen investiert, erklärt er und betont: „Gastronomie und Hotellerie sind keine Pandemietreiber.“ Es gebe im Gastgewerbe sogar weitreichendere Konzepte als im Handel. „Warum darf dann ein Gartencenter aufmachen, aber ein Biergarten nicht?“, fragt er. Auch an anderen Orten in der Stadt würden gerade bei schönem Wetter* viele Menschen aufeinandertreffen – oft ohne Abstand.

Sie wollen endlich wieder Gäste bedienen: Simon Oberstötter (l.) und Philipp Troppmann .

Münchner Gastronome vermissen staatliche Hilfen - und ausbleibende Trinkgelder

Die Gastronomen beklagen zudem, dass die staatlichen Hilfen noch nicht überall angekommen sind. „Auf die November- und Dezemberhilfe warten viele heute noch“, kritisiert Schottenhamel. Hinzu käme ein weiteres Problem: „Wir haben Angst, dass die Mitarbeiter die Sparte verlassen“, sagt er. „Den Bedienungen fehlt auch das Trinkgeld.“

Ein großer Verlust, wie Kellner Simon Oberstötter bestätigt. „Das Gehalt ist für die Fixkosten, aber mit dem Trinkgeld bestreiten wir den Alltag“, erklärt der 26-Jährige. Für ihn kommt ein Jobwechsel trotzdem nicht infrage: „Die Arbeit ist meine Berufung“, sagt er. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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